Wegen Nachfrage aus China

Autobauer verkürzen die Werksferien

Wegen der Nachfrage aus China und den USA fällt Weihnachtspause kürzer aus. Neuzulassungen hierzulande sinken. Produktion deutscher Hersteller hierzulande stagniert bei rund 5,5 Millionen Fahrzeugen.

Hamburg. Der Automarkt in Europa stabilisiert sich nur langsam. Noch schwankt die Pkw-Nachfrage, aber in Deutschland, Spanien und Frankreich mehrten sich im November zumindest die Zeichen, dass die Talsohle durchschritten ist. Bei den deutschen Herstellern läuft die Produktion bereits auf vollen Touren. Sonderschichten werden eingelegt, die Weihnachtsferien in einigen Werken verkürzt, was vor allem an der boomenden Nachfrage aus den USA und China liegt.

So ruht bei Daimler die Arbeit in mehreren Motoren- und Getriebewerken in Deutschland und im US-Werk in Alabama über den Jahreswechsel nur eine statt der üblichen zwei Wochen. Andere Hersteller benötigen vor den Betriebsferien zum Jahresende Sonderschichten: Im Wolfsburger Volkswagen-Stammwerk fahren die Mitarbeiter im Dezember fünf Sonderschichten für den Golf. Bei BMW in Leipzig fangen die Arbeiter bereits am 2. Januar wieder an, Fahrzeuge zu montieren. Das habe auch mit dem Produktionsstart des neuen Elektroautos i3 zu tun, sagte ein Unternehmenssprecher.

Seit Jahren pendelt die heimische Nachfrage um drei Millionen Fahrzeuge

Die Produktion der deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Daimler hierzulande stagniert bei rund 5,5 Millionen Fahrzeugen. Im Ausland nimmt die Fertigung dagegen zu. Vor allem in Asien und Südamerika ziehen die Autobauer derzeit neue Werke hoch. Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) kündigte für 2014 einen Zuwachs der Auslandsproduktion um sechs Prozent auf 9,2 Millionen Fahrzeuge an. „Das stellt Deutschland noch stärker in den Wettbewerb“, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann bei der Präsentation der Zahlen in Berlin. Noch deutlicher wurde Ernst & Young: „Der Druck auf die deutschen Standorte dürfte sich also weiter erhöhen – trotz der aktuell guten Auslastung vieler deutscher Werke“, schrieb Peter Fuß, Automobilexperte und Partner der Unternehmensberatung. Neue Produktionsstätten und Entwicklungszentren entstünden in China, den USA und anderen dynamischen Märkten – nicht aber in Westeuropa.

Deutschland ist schon länger kein Wachstumsmarkt mehr. 2013 dürften laut VDA hierzulande 2,93 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen kommen, fünf Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Damit rutscht der deutsche Automarkt auf einen der niedrigsten Stände seit der Wiedervereinigung vor mehr als 20 Jahren.

Im nächsten Jahr erwartet der VDA rund drei Millionen Neuzulassungen. Die Prognose werde sich aber nur dann erfüllen, „wenn die Rahmenbedingungen stimmen und sich die derzeit erkennbare Erholung fortsetzt“, schränkte Wissmann ein. Schon seit Jahren pendelt die Nachfrage hierzulande um die Marke von drei Millionen Fahrzeugen. Ein stärkerer Anstieg ist nach Meinung von Experten auch in den nächsten Jahren nicht in Sicht, da viele Menschen bereits zwei Wagen haben und neue Autos allenfalls gekauft werden, wenn das alte ausgedient hat.

Nach Meinung von Ernst & Young hat Deutschland weniger mit konjunkturellen Problemen zu kämpfen als mit strukturellen. Obwohl die Rabatte hoch und die Zinsen niedrig seien, die Löhne stiegen und die Beschäftigung auf Rekordstand liege – die Menschen hielten sich beim Autokauf zurück. Dafür gibt es nach Meinung der Fachleute mehrere Gründe. Einer ist sicherlich, dass die Bedeutung eines eigenen fahrbaren Untersatzes generell abnimmt. Die Autohersteller sollten daher nicht den Fehler machen, darauf zu vertrauen, dass die Pkw-Verkäufe in Deutschland wieder das Vorkrisenniveau von durchschnittlich 3,3 Millionen Wagen erreichten, mahnte Ernst & Young. Die Berater gehen zwar davon aus, dass die Pkw-Nachfrage 2014 im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen wird – von einer echten Erholung sei der Automarkt aber weit entfernt.