Kommentar

Sinnvolle Strategie von Otto

Es erscheint auf den ersten Blick widersinnig, dass der Hamburger Otto-Konzern mitten im Internetboom verstärkt auf den Ausbau des eigenen Filialgeschäfts setzt. In Zeiten, in denen sich aggressive Onlineanbieter wie Zalando oder Amazon mit hohem finanziellen Aufwand in immer neue Umsatzhöhen katapultieren, wirkt es fast schon anachronistisch, sich auf die guten, alten Läden in Einkaufscentern und Fußgängerzonen zu konzentrieren.

Doch das ist es keineswegs. Zum einen wollen viele Kunden auch im Onlinezeitalter noch immer Hosen, Jacken oder Schuhe zunächst einmal auf einfache Weise anprobieren, bevor sie sie erwerben. Insbesondere bei der Etablierung einer neuen Marke ist es wichtig, dass diese in Läden auch physisch präsent ist und nicht nur im virtuellen Raum.

Im Sporthandel spielt darüber hinaus eine umfassende und kompetente Beratung eine entscheidende Rolle. Die Features eines neuen Laufschuhs, eines Skis oder einer neuen, wetterfesten Jacke lassen sich im Geschäft noch immer besser erläutern als im Netz.

Zudem sind die Margen im stationären Geschäft oftmals noch höher als im Internet, wo aufgrund der hohen Preistransparenz durch Suchmaschinen ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb herrscht.

Insofern macht es Sinn, dass der Otto-Konzern neben dem Internetgeschäft auch die traditionellen Läden im Blick behält und diese weiter ausbaut. Der Erfolg liegt heute darin, den Kunden möglichst viele Einkaufskanäle anzubieten und diese auf vernünftige Weise miteinander zu verknüpfen.