EasyJet greift Ryanair im Norden an

Im kommenden Frühjahr wird Hamburg zu einer Billigflug-Basis. Damit soll Rückgang der Passagiere gestoppt werden

Hamburg. Nach zwei Jahren mit verschiedenen Rückschlägen war dem Chef des Hamburger Flughafens, Michael Eggenschwiler, die Freude über die Nachricht deutlich anzumerken: Mit der Entscheidung des britischen Billigfliegers EasyJet, im kommenden Frühjahr eine Basis in Hamburg einzurichten, kann Eggenschwiler auf eine neue Dynamik am Hamburg Airport hoffen.

Denn zuletzt hatten sich die Perspektiven spürbar eingetrübt. Für 2013 hat Eggenschwiler einen Rückgang der Passagierzahl nicht ausgeschlossen. Verantwortlich dafür sind nicht nur die wiederholten Streiks beim Sicherheits- und Check-in-Personal am Flughafen. Gerade auch in Hamburg wirkt sich außerdem der Schrumpfkurs von Air Berlin aus. Die Streichung von Verbindungen bedeute für die Hansestadt den Verlust von etwa jährlich 500.000 Passagieren, hatte der Flughafenchef bei früherer Gelegenheit erklärt.

Zwar stieg die Passagierzahl im Jahr 2012 immerhin noch um 1,0 Prozent auf 13,7 Millionen. Für die ersten acht Monate 2013 weist der Hamburger Flughafen jedoch ein Minus von 2,4 Prozent aus. Damit schneiden die Fuhlsbütteler schlechter ab als die Wettbewerber in Norddeutschland: Bremen erreichte ein Plus von 9,6 Prozent, an den Berliner Flughäfen ging es um 4,1 Prozent nach oben und Hannover verzeichnete einen leichten Rückgang um 0,6 Prozent.

Mit der EasyJet-Ansiedlung kann Eggenschwiler aber auch die gelegentlich geäußerte Kritik, am Flughafen Hamburg gebe es ein zu geringes Angebot an günstigen Flügen gerade zu touristischen Zielen, nun wirkungsvoll kontern. Der deutlich kleinere Airport in Bremen ist ein Ryanair-Drehkreuz mit aktuell drei dort stationierten Maschinen und einer Vielzahl solcher Verbindungen, auch Lübeck bietet Flüge mit der irischen Billig-Airline. In Berlin-Schönefeld hat EasyJet bereits im Jahr 2004 eine Basis eingerichtet – derzeit sind dort acht Jets stationiert, vom kommenden Frühjahr an werden es neun sein. In Hamburg dagegen haben die Briten ihre Präsenz bisher nur ganz allmählich gesteigert.

Seit 2004 wird die Stadt von EasyJet angeflogen, seitdem wurden 2,7 Millionen Hamburger Passagiere von dem Unternehmen befördert. Innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate hat sich die Fluggastzahl nach Angaben von Thomas Haagensen, Deutschland-Chef von Europas zweitgrößter Niedrigpreis-Airline, um 14,5 Prozent auf gut 525.000 erhöht. Mit der bisherigen Entwicklung war man offensichtlich sehr zufrieden: „Nun war es an der Zeit, dauerhaft hier vor Anker zu gehen“, sagte Haagensen. Mit der Einrichtung der Basis werde der Marktanteil von EasyJet in Hamburg von 3,8 Prozent auf zehn Prozent zunehmen, innerhalb des ersten Jahres rechnet man mit einer Million Fluggästen.

Berlin bleibt allerdings mit vier Millionen Passagieren pro Jahr ein weitaus wichtigerer Standort der Briten. Die Entscheidung, eine Basis in Hamburg anzusiedeln, habe nicht mit den Verzögerungen bei der Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens zu tun, sagte EasyJet-Chefin Carolyn McCall: „Hamburg musste mit etlichen anderen potenziellen Standorten in Europa konkurrieren. Für Hamburg haben wir das größte Potenzial gesehen.“

Für die Hansestadt spreche die wirtschaftliche Dynamik, außerdem sei die Stadt ein „fantastisches Ziel“ für Touristen, so McCall. Das hörte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sicherlich gern. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass Hamburg vorhabe, „auf der Skala der attraktivsten Tourismusziele in Europa weiter aufzusteigen.“

EasyJet setzt in Hamburg aber zweifellos nicht zuletzt auch auf das Potenzial an Geschäftsreisenden. Schon bisher ist in der Hansestadt ihr Anteil an den Fluggästen etwas höher als im Durchschnitt in den Flugzeugen der Briten (18 Prozent).

An einer gerade von Geschäftsleuten beklagten Schwäche des Hamburger Flughafens wird die EasyJet-Basis jedoch nichts ändern können: Der Mangel an Interkontinentalverbindungen. „Hamburg ist zwar die zweitgrößte Stadt Deutschlands, aber das spiegelt sich im Flugplan nicht wider“, hatte Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, dazu gesagt.

Im April war die Flugverbindung nach Shanghai, um die die Hamburger lange gekämpft hatten, gestrichen worden. Es war allerdings kein Direktflug – die Maschine legte stets einen Zwischenstopp in Frankfurt ein.