Diehl Comfort Modules

Bordtoiletten so teuer wie ein Auto

Der Hamburger Zulieferer Diehl Comfort Modules will künftig nicht nur Airbus beliefern. Der Umsatz wurde seit 2009 fast verdoppelt.

Hamburg. Sie kosten so viel wie ein Kleinwagen, aber manche von ihnen wiegen nur knapp 80 Kilogramm: 2800 Bordtoiletten für rund 700 Flugzeuge baut die Firma Diehl Comfort Modules (DCM) auf Finkenwerder in diesem Jahr – und einige Duschen für den Einbau in A380-Jets von Emirates sind auch dabei.

An diesem Wochenende feiert das Unternehmen ein Jubiläum: Vor 20 Jahren begann die Fertigung. Damals war der Betrieb unter dem Namen Dasell ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und dem hessischen Bordküchenhersteller Sell, seit 2010 gehört er zu dem Nürnberger Technologiekonzern Diehl.

Mehr als 30.000 Bordtoiletten hat DCM seit dem Produktionsstart ausgeliefert. Zuletzt ist die Firma kräftig gewachsen: Heute hat sie 650 Mitarbeiter, im Jahr 2006 waren es weniger als 300. Und der Umsatz hat sich seit dem Jahr 2009 auf etwa 160 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Zurückzuführen ist das auf die steigenden Fertigungsraten beim großen Nachbarn Airbus und auf die Einführung des doppelstöckigen A380-Jets – bis zu 17 Toiletten werden in den Luftgiganten eingebaut.

In der Serienfertigung für Neuflugzeuge ist Airbus der einzige Abnehmer des Zulieferers. Damit hält DCM in diesem Geschäftsfeld zwar einen Weltmarktanteil von rund 50 Prozent. Aber diese Abhängigkeit von einem einzelnen Großkunden ist auch riskant: Für das neueste Flugzeugprogramm, den besonders sparsamen Langstreckenjet A350, hat Airbus erstmals einen Konkurrenten von DCM, den französischen Zodiac-Konzern, als Lieferanten der Bordtoiletten ausgewählt.

Geschäftsführer Holger Hafner arbeitet bereits daran, die Abhängigkeit zu verringern. So soll das Nachrüstgeschäft, das rund 20 Prozent des Umsatzes ausmacht, noch wachsen. Lufthansa und die US-Gesellschaft Delta gehören zu den Kunden, die ältere Flugzeuge mit modernen Waschräumen ausstatten lassen. „Wir sind aber auch im Gespräch mit anderen Flugzeugherstellern neben Airbus“, sagt Hafner.

Doch er sieht noch eine andere Herausforderung. „Bei den Produktionsstrukturen liegt die Luftfahrtindustrie um zehn Jahre hinter der Automobilbranche zurück“, sagt Hafner. Für DCM bedeute dies unter anderem, die Fertigungstiefe zu verringern. Vorprodukte, die bisher selbst gefertigt werden, kommen zunehmend aus einem Werk des Diehl-Konzerns in Ungarn. Es komme darauf an, einen Spagat zu meistern, so der DCM-Chef: „Wir wollen die deutsche Ingenieurskunst noch weiter vorantreiben, müssen aber zu marktfähigen Preisen liefern können.“

Für den Hamburger Standort bedeutet das nach den Worten von Hafner keinen Abbau von Arbeitsplätzen. Man wolle sich jedoch stärker auf innovative Lösungen konzentrieren. Denn die Fluggesellschaften fordern nicht nur ein immer exklusiveres Kabinenumfeld für die Passagiere ihrer Premiumklassen – bei einem Kunden aus dem Mittleren Osten muss es ein Dekor mit eingelegten Goldfäden sein. Den Airlines ist es wichtig, den knappen Raum an Bord besser als bisher auszunutzen, um die Einnahmen zu steigern. Durch eine neuartige Toilettenanordnung gelingt es DCM, Platz für bis zu sechs zusätzliche Passagiersitze zu schaffen. Außerdem wird in den nächsten Tagen die erste Bordtoilette für Kurz- und Mittelstreckenjets ausgeliefert, in die man problemlos mit einem Rollstuhl hineinrollen kann. Ein weiteres Innovationsfeld ist die Gewichtsreduktion: Hartschaummaterialien sollen die Kabineneinbauten noch leichter machen.

Ziel des Diehl-Konzerns ist es, außer den Sitzen alle Kabinenkomponenten anbieten zu können. Auch Bordküchen fertigt die Gruppe in Hamburg. Mit insgesamt fast 1000 Beschäftigten ist Diehl der drittgrößte Arbeitgeber in der norddeutschen Luftfahrtindustrie hinter Airbus und Lufthansa Technik.