Kommentar

Weniger Geld für den Ruhestand

Die Lebensversicherer stehen wegen der extrem niedrigen Zinsen schon lange unter Druck. In der Vergangenheit versprachen sie ihren Kunden einen Garantiezins von 3,5 oder vier Prozent. Das war kein Problem, solange die Gesellschaften ihren Versicherten noch Überschussbeteiligungen von sieben oder sechs Prozent gutschreiben konnten. Inzwischen ist dieser Wert für 2013 im Durchschnitt der 40 größten Unternehmen auf 3,58 Prozent gesunken – ein historischer Tiefstand.

Wenn jetzt einige Gesellschaften die Beteiligung der Kunden vorübergehend an den Gewinnen aussetzen wollen, ist das ein ernstes Zeichen. Bisher müssen den Versicherten mindestens 90 Prozent der Kapitalerträge gutgeschrieben werden. Wird diese Quote zuungunsten der Kunden verändert, bleibt weniger Geld für den Ruhestand. Denn ob die Zahlungen später nachgeholt werden können, wie der Branchenverband versichert, ist ungewiss. Die Versicherungen leiden nicht nur unter den niedrigen Zinsen, sondern auch unter zusätzlichen Auflagen. Um den einst versprochenen Garantiezins künftig zu gewährleisten, müssen seit 2010 Zinszusatzreserven gebildet werden. Im vergangenen Jahr wendeten die Versicherungen fünf Milliarden Euro dafür auf. Geld, das nur einer bestimmten Kundengruppe, nämlich der mit hohen Garantiezinsen, zugutekommt.

Die Lasten der Niedrigzinspolitik werden so sehr unterschiedlich unter den Kunden verteilt. Wer erst in den letzten Jahren eine Lebensversicherung unterschrieb, hat die schlechtesten Karten, denn für seine Gewinnbeteiligung bleibt am wenigsten übrig. Besserung ist nicht in Sicht.