Kommentar

Wenn am Bahnhof nichts mehr geht

Olaf Preuß

Es gibt viele Gründe, die Deutsche Bahn zu mögen. Bahnfahren in Deutschland kann ein wunderbar entspanntes Reisen sein, vor der Kulisse blühender Landschaften und stolzer Städte. Wenn der Zug denn fährt. Leider macht sie es ihren Anhängern oft nicht leicht, unsere Bahn.

Man mag ihr verzeihen, dass der Kampf um Pünktlichkeit, vor allem im Fernverkehr, wohl ein ewiges Ringen bleiben wird, wie auch die bahneigene Statistik zeigt. Aber wenn man erst einmal weich im Waggon sitzt, ist die Verspätung meist schnell vergessen.

Schwieriger ist es mit der Nachsicht, wenn Züge im Sommer so heiß und im Winter so kalt werden, dass Fahrgäste um ihre Gesundheit fürchten müssen. Wenn sie auf offener Strecke stehen bleiben, weil ein Antrieb durchgebrannt oder eine Bremse festgefressen ist. Abhilfe gegen technische Ausfälle wollte die Bahn unter anderem längst mit der Einführung einer neuen Generation von ICE-Zügen schaffen. Die aber hat Siemens bis heute nicht geliefert. Auch für die Fehler anderer haftet der große deutsche Eisenbahnkonzern insofern öfter mit seinem eigenen Ruf.

Nun aber gibt es endlich wieder einen Deutsche-Bahn-Klassiker aus eigener Produktion: Weil zu viele Mitarbeiter krank oder im Urlaub sind, nimmt die Bahn den Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz abends und nachts für den Fernverkehr gleich ganz vom Netz. Eines muss man dem viel gescholtenen Unternehmen lassen: Was es macht, das macht es gründlich. Auch seine Fehler.

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