Stahlwerk rüstet auf

Neuer Ofen für 3,5 Millionen Euro in Betrieb genommen. Arcelor Mittal fürchtet höhere Abgaben

Hamburg. In der Produktionshalle des Hamburger Stahlwerks warten 140 Tonnen Rohstahl auf den Wirtschaftssenator. Die rot glühende Masse füllt die Pfanne - einen riesigen Behälter - des neuen Ofens. In ihm wird im zweiten Arbeitsgang nach dem Schmelzen der Stahl für die besonderen Wünsche des Kunden verfeinert. Drei Elektroden fahren dafür von oben herab in den Topf, um mit Starkstrom Temperaturen um die 1500 Grad zu erzeugen.

Frank Horch (parteilos) soll nun zusammen mit Werksleiter Lutz Bandusch den Ofen in Betrieb nehmen. Eingehüllt in die orange, gelbe und graue Schutzkleidung und mit einem roten Helm auf dem Kopf steht Senator Horch vor einer Säule mit einem roten Knopf. Genau um 11.19 Uhr ist es so weit. Jetzt arbeitet im Stahlwerk von Arcelor Mittal der zweite Pfannenofen.

Damit kann das Werk nun mehr höherwertigen Stahl erzeugen. Denn mit zwei Öfen lässt sich die Gießanlage, in der 13 Meter lange und 1,5 Tonnen schwere Stangen ("Knüppel") entstehen, kontinuierlicher ausnutzen. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Euro investiert. "Wir haben die Anlage mit einem internen Team von acht Ingenieuren innerhalb von drei Jahren geplant und aufgebaut", sagt Bandusch. Mit hochwertigem, reinem Stahl will er das Ergebnis des Werks verbessern. Solche Stähle werden etwa für Schrauben, Reifen oder Profile verwandt.

Das 1969 in Hamburg gegründete Werk, das seit 1995 zum Stahlkonzern Arcelor Mittal gehört, steht im harten Wettbewerb mit Konkurrenten aus Brasilien, den USA oder China, das inzwischen die Hälfte des weltweiten Stahls produziert. 2012 betrug das Ergebnis bei einem Umsatz von 520 Millionen Euro rund zwölf Millionen Euro. Allerdings blieben vom Ergebnis nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen nur drei Millionen Euro übrig.

Hintergrund dafür sind vor allem die hohen Strom- und Gaskosten in Deutschland. "Das gleiche Werk in den USA hätte bei den günstigen Preisen in Amerika einen Kostenvorteil von 55 Millionen Euro", rechnet Bandusch vor. Würden jetzt auch noch die Abgaben nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiter erhöht, könnte das Werk in die roten Zahlen rutschen. Ob sich dann die 560 Arbeitsplätze und 40 Ausbildungsplätze halten ließen, wäre mehr als fraglich.

Immerhin machte Wirtschaftssenator Horch bei seinem Besuch im Werk am Montag deutlich, wie wichtig ihm die Industrie in Hamburg ist. "Sie können sich hundertprozentig darauf verlassen, dass wir alles tun, um diese Firmen in der Stadt zu halten", sagte der Senator.

Bei den gut gemeinten Worten allein soll es aber nicht bleiben. Gerade die drei besonders energieintensiven Firmen, die Kupferhütte Aurubis, das Aluminium-Werk von Trimet und das Stahlwerk hat Horch besonders im Blick. "Hamburg wird sich im Bundesrat mit den SPD regierten Ländern dafür einsetzen, dass es für diese Firmen bei der EEG-Abgabe von 0,05 Cent pro Kilowattstunde bleibt", sagte Horch. Eine Erhöhung des Anteils der Industrie komme für ihn nicht infrage. Bei einer Verdoppelung der Abgabe, so hat Horch ausrechnen lassen, kämen allein auf das Stahlwerk zusätzliche Kosten von 400.000 Euro im Jahr zu. "Das halte ich für das Unternehmen für nicht mehr vertretbar." Wie die politische Diskussion über die Belastung der Industrie nach dem EEG-Gesetz weitergeht, ist ungewiss. Werkschef Bandusch verweist jedoch darauf, dass die deutsche Industrie ohne die Produktion von Grundstoffen ihre führende Stellung verlieren werde. "Wer glaubt, dass sich alles für Autos oder Maschinen importieren lässt, irrt."

Zudem habe das Stahlwerk im Umweltschutz seine Hausaufgaben gemacht. "Wir haben schon im vergangenen Jahr den Ausstoß von Kohlendioxid um 67.000 Tonnen gegenüber dem Jahr 2007 vermindert und haben uns noch mehr vorgenommen", so der Manager, der Metallurgie studiert hat.

Mit diesen Werten gehöre Hamburg zu den saubersten Stahlwerken der Welt. Dagegen fühlten sich China oder Indien nicht an das Klimaschutzabkommen von Kyoto gebunden und hätten den Ausstoß von CO2 in den vergangenen 20 Jahren bis 2010 um mehr als sechs Milliarden Tonnen erhöht. Zum Vergleich: Der Wert in Deutschland ging im selben Zeitraum um 200 Millionen Tonnen zurück.

Klar ist: Auf Rückhalt vom Mutterkonzern Arcelor Mittal, der neben dem Standort Hamburg noch drei weitere Werke in Deutschland betreibt, kann Bandusch setzen. So ist eine weitere Investition von drei Millionen Euro vorgesehen. Denn das Werk soll in diesem Jahr einen neuen Kran zum Auffüllen von Stahlschrott bekommen.