Familienunternehmen

Optiker Bode will in Hamburg wachsen

Bis zu zehn neue Geschäfte in der Stadt geplant. Bundesweit peilt das Familienunternehmen mittelfristig die 100. Filiale an.

Hamburg. Morgens um zehn Uhr im verschneiten März in Hamburg. Eine Frau betritt am Jungfernstieg die gerade geöffnete Filiale der Optikerkette Bode. Sie ist sich nicht sicher, ob sie eine neue Brille braucht oder die alte noch reicht. Am anderen Eingang in Richtung Colonnaden kommt ein weiterer Kunde. Carsten Bode schaut sich das Treiben mit Interesse an. Der Jungfernstieg gehört zu den besten Lagen der Optikerkette, deren Chef der 41 Jahre alte Bode ist. Vor 75 Jahren gegründet, expandiert Optiker Bode seit 1997 kräftig, nachdem damals Carsten Bode die Geschäftsführung übernahm. Er hat die Zahl der Filialen auf 73 mehr als verdoppelt. "Wir wollen weiterwachsen, aber mit Augenmaß", sagt der Betriebswirt und gelernte Augenoptiker. Das Wachstum forciert er nicht der Größe wegen, sondern weil er als Großabnehmer seine Brillen und die Gläser günstiger einkaufen kann. "So können wir uns auch ein breites Sortiment leisten. Wir haben alle Produkte, von A wie Armani bis Z wie Zeiss."

Auch in Hamburg will das Unternehmen zulegen. "Am liebsten übernehmen wir gut geführte Geschäfte, die keine Nachfolger finden", sagt Bode. "Aber auch neue Läden interessieren uns. Wir schauen uns überall dort um, wo wir in der Stadt und der Metropolregion noch nicht vertreten sind." Nachdem Carsten Bode die vergangenen beiden Jahre zur Konsolidierung und Modernisierung der bislang erworbenen Geschäfte genutzt hat, will er jetzt wieder durchstarten.

"Allein in Hamburg könnten wir fünf bis zehn weitere Geschäfte vertragen", sagt er. Auch außerhalb der Stadt sucht er Verkaufsflächen. Mittelfristig peilt er 100 Geschäfte an. Bis zu einer Strecke von 400 Kilometern zur Hansestadt ist er aktiv. "Alles andere würde sich wegen der Entfernung nicht lohnen." Die südlichste Niederlassung betreibt er in Leverkusen.

"Ich hoffe, dass wir in den nächsten zwölf Monaten wegen der Eröffnung neuer Filialen 25 bis 30 weitere Mitarbeiter haben werden." Derzeit arbeiten für ihn 450 Beschäftigte. Allerdings geht er behutsam vor. Für einen neuen Laden muss wegen der zahlreichen Prüfgeräte mit einer sechsstelligen Investitionssumme gerechnet werden. "Wir übernehmen ein neues Geschäft nur, wenn wir dies auch selbst bezahlen können. Schon mein Großvater Hans Bode investierte nur, wenn er dies auch aus eigener Kraft konnte." Das Unternehmen sei schuldenfrei, sagt er.

Mit einem Umsatz von 42,5 Millionen Euro ist das Hamburger Unternehmen der viertgrößte Anbieter in Deutschland. Während der gesamte Umsatz in der Optikerbranche im vergangenen Jahr leicht stieg, der der mittelständischen Betriebe aber gesunken ist, konnte Bode nach eigenen Angaben um fünf Prozent zulegen. Die Unterschiede in der Branche sind bei einem fragmentierten Markt groß. 12.900 Betriebe gibt es in Deutschland. Das führt dazu, dass ein durchschnittlicher Optikerbetrieb im Jahr laut Bode rund 330.000 Euro Umsatz macht. Dabei handelt es sich nur um den statistischen Wert. Ohne Firmen wie Fielmann oder Bode mit weitaus höheren Umsätzen wäre diese Zahl weitaus niedriger.

Optiker Bode gehört zu den Großen in der Branche. "Aber wir sind trotzdem ein Familienbetrieb geblieben", so der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Bode. Neben ihm selbst arbeiten seine Frau Sybille, seine Schwester Sandra Bode-Allwardt und sein Schwager Alexander Allwardt in der Firma. Während sich andere Familienclans oft um das Sagen im gemeinsamen Unternehmen streiten, herrscht in der Hamburger Brillendynastie Harmonie. Vermutlich trug dazu auch bei, dass Vater Hansgeorg Bode seinen Sohn bereits mit 26 Jahren an die Firmenspitze geholt und die Geschwister am Unternehmen beteiligt hat. Gemeinsam hat die Familie 2006 zudem eine Stiftung für sozial und finanziell benachteiligte Kinder aus der Metropolregion gegründet. Zehn Prozent des Unternehmensgewinns fließen in die Stiftung. Bode: "Wir haben schon manche Herzoperation finanziert.".

Angst vor neuer Konkurrenz aus dem Internet hat er übrigens nicht. "Jede Brille muss exakt an den Träger angepasst werden. Das kann ein Internethändler nicht leisten." Auch deshalb würden nur ein Prozent aller Brillen online erworben. Selbst Juristen beschäftigten sich bereits mit Online-Brillen. So hat das Landgericht Hamburg geurteilt, dass es zwar zulässig ist, Internet-Gleitsichtbrillen anzubieten und zu bewerben, dass dies allerdings nicht mit vollmundigen Anpreisungen wie "hochwertig" oder "in Optiker-Qualität" geschehen dürfe. Anders sieht es bei Kontaktlinsen aus. Nach der Erstanpassung sei es unwichtig, ob die Linsen im Laden gekauft oder im Netz bestellt würden. Bode ist einer von 20 Gesellschaftern des Internet-Shops Meine Linse. "Natürlich müssen die Kunden immer wieder vom Optiker nachschauen lassen, ob noch alles passt."

Die Familie war nicht immer vom Erfolg verwöhnt. 1981 verkaufte Gründer Hans Bode, der 1938 seine erste Filiale in Barmbek eröffnet hatte, die Firma mit zwölf Filialen an das amerikanische Unternehmen G. D. Searle. Die Familie war überrascht, zumal absehbar war, dass das mittelständische, stark auf Hamburg fokussierte Unternehmen nicht zu dem international agierenden Optikerkonzern passen würde. Tatsächlich ging es bergab mit den Geschäften - bis zum Jahr 1983, als Hansgeorg Bode die Firma zurückerwerben konnte. Der passionierte Läufer, Fußball- und Tennisspieler Carsten Bode plant künftig, das Unternehmen in die nächste Generation zu bringen. Er hat drei Kinder und hofft, dass sich mindestens eines dazu entschließen wird, die Familienfirma zu leiten. "Den 100. Geburtstag des Unternehmens soll die vierte Generation feiern."