Gas geben mit Elektroautos aus der Hansestadt

| Lesedauer: 3 Minuten
Melanie Wassink

Sirri Karabag gewinnt den Preis in der Kategorie Aufsteiger. Er bietet Fahrzeuge an, welche die Umwelt schonen - und hat in den nächsten Jahren noch viel vor

Hamburg. Sirri Karabag denkt in Lösungen, nicht in Problemen. Bedenkenträger, die jede Idee mit "Ja, aber" kommentieren, können den Hamburger fast in den Wahnsinn treiben. Karabag liebt die Herausforderung, sie treibt ihn an. "Unternehmer kommt von unternehmen", sagt der 47-Jährige, der mit seiner Firma Karabag Elektroauto GmbH den Gründerpreis in der Kategorie "Aufsteiger" gewonnen hat.

Schon oft in seinem Berufsleben hat der Manager seine Ausdauer bewiesen: Für den ersten Job bei einem Autohändler saß er sechs Stunden im Flur, um auf ein Gespräch mit dem Chef zu warten: "Wer so beharrlich ist, bekommt die Stelle", sagte der Inhaber und stellte ihn ein. Später, Karabag war inzwischen selber Eigentümer eines Autohauses, entwickelte er ein Billig-Wohnmobil. Mit umgebauten Ducato-Jahreswagen schaffte er es, das sogenannte Multicamp für 29 000 D-Mark auf den Markt zu bringen. Heute, und das ist einer der Gründe für die Auszeichnung beim Gründerpreis, treibt Karabag erneut eine Revolution im Autobau an: Er entwickelte auf Basis des Fiat 500 einen elektrisch angetriebenen Stadtflitzer, der vor allem bei renommierten Firmen wie Airbus oder Aurubis eingesetzt wird.

Während Konzerne wie Daimler oder Volkswagen in den vergangenen Jahren noch über die mangelnde Reichweite, die Sicherheitsfragen oder die Kosten der Elektromobile lamentierten, legte Karabag in seinem Büro in Lokstedt los und setzte seine Vorstellung einer sauberen Mobilität für die Großstadt um. Er fand mit Fiat, für die er bisher unter anderem Transporter vertrieben hatte, einen Partner für sein Projekt, begeisterte aber auch den Linde-Konzern: Der Motor seiner Elektro-Fiats stammt von der Firma Linde Material Handling, einem Schwesterunternehmen des Hamburger Gabelstaplerbauers Still, der die Aggregate auch in seinen Staplern einsetzt. Zwar schafft der knubbelige Wagen "nur" eine Reichweite von 100 Kilometern mit einer Batterieladung. "Aber mit dieser Reichweite sind 90 Prozent aller täglichen Autofahrten problemlos machbar", betont Karabag. Im Schnitt würden gerade einmal 11,5 Kilometer gefahren.

Karabag hat sich das Wissen über die Technologie autodidaktisch angeeignet. Der gelernte Kaufmann setzte aber schon immer darauf, Netzwerke zu schmieden, andere Menschen zu begeistern und damit auch große Hürden zu überwinden. Inzwischen stehen Akten mit weiteren Kooperationspartnern aus der Auto- und Energiebranche in seinem Büro. Große Namen, neben Linde auch die Deutsche Leasing und den Datenspezialisten Paul Vahle, hat er als Mitstreiter gewinnen können.

Karabag hat schon gut 800 Elektrofahrzeuge verkauft. Er ist damit der größte Anbieter von rein elektrisch angetriebenen Autos in Deutschland. Längst hat er aber einen neuen, viel weiter gehenden Plan in der Schublade. "Wir können Hamburg zum Zentrum für Elektromobilität machen und an eine eigene Produktion denken", ist der Unternehmer überzeugt.

Mit der Kompetenz der hier stark vertretenen Wind- und Solarbranche und anderen ingenieurlastigen Branchen wie der Luftfahrtindustrie sei bereits ein Grundstein gelegt. "In der Autoindustrie beginnt ein neues Zeitalter", sagt Karabag. "Warum nicht in Hamburg?" Bürgermeister Olaf Scholz, der kürzlich zu Besuch bei Karabag war, soll dafür Feuer und Flamme sein.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft