Anlegerklagen

Gericht weist vier weitere Klagen gegen AWD ab

Teilerfolg für AWD: Vorwürfe wegen Falschberatung sind laut Gericht unbegründet. Klagewelle lässt Gewinn einbrechen.

Hannover/Zürich. Der Finanzdienstleister AWD hat in der Klagewelle wegen möglicher Falschberatung und umstrittener Provisionszahlungen einen erneuten Teilerfolg erzielt. Das Landgericht Hannover wies in vier weiteren Fällen Vorwürfe von Anlegern gegen das von Ex-Chef Carsten Maschmeyer gegründete Unternehmen ab.

Dabei ging es um die Frage, ob AWD-Berater zu hohe Prämien für den Vertrieb von Medienfonds bekamen. „Die Kammer hat keine Verletzung der Aufklärungs- oder Beratungspflichten erkennen können“, sagte Gerichtssprecher Matthias Kannengießer am Freitag.

+++ Anlegerklagen gegen AWD kommen nicht voran +++

+++ AWD soll zu hohe Provisionen verlangt haben +++

„Die Entscheidungen bestätigen auch in Hannover ein weiteres Mal die bisherige bundesweite Rechtsprechung – zu den Provisionsvorwürfen gibt es bisher kein negatives Urteil zulasten von AWD“, meinte Firmensprecher Andreas Fischer.

In mittlerweile über 70 Fällen sei der Vorwurf überhöhter Provisionen von Gerichten abgewiesen worden, in über 120 weiteren Verfahren seien Klagen wegen offenbar erkannter Aussichtslosigkeit bereits zurückgenommen worden.

Hintergrund: In der Zeit um den Börsengang des Unternehmens im Jahr 2000 hatten viele Anleger in vom AWD vertriebene Finanzprodukte investiert und später hohe Verluste erlitten. Dafür fordern sie nachträglich Entschädigung.

Anlegerklagen lassen AWD-Gewinn einbrechen

Unterdessen spürt AWD die Folgen der Klagewelle bei den Zahlen: So brach der Gewinn kräftig ein. Im ersten Halbjahr sackte der Ertrag von AWD auch wegen Rückstellungen für die Rechtsfälle in Höhe von 9,3 Millionen Euro auf 13,1 Millionen Euro ab, wie der Mutterkonzern Swiss Life am Freitag in Zürich mitteilte. Für die ersten sechs Monate 2011 hatte AWD noch einen Gewinn von 21,8 Millionen Euro verbucht.

Auch Swiss Life verdiente im ersten Halbjahr deutlich weniger. Der Reingewinn ging um gut ein Zehntel auf 361 Millionen Franken (rund 300 Millionen Euro) zurück. Der Schweizer Versicherungskonzern hatte die einst von Carsten Maschmeyer gegründete AWD Anfang 2008 mehrheitlich übernommen.

Mit Material von dpa/dapd