Nikolaus von Bomhard

Munich-Re-Chef nimmt auch mal das Radl

Hochfinanz? Nikolaus von Bomhard sitzt nicht auf dem hohen Ross, sondern auf dem Fahrrad, und er beweist Humor.

München. Gerade ist Nikolaus von Bomhard 56 Jahre geworden - seit acht Jahren steht er nun schon an der Spitze des größten Rückversicherers der Welt, der Munich Re, mindestens bis 60 will er noch auf seinem Posten bleiben. Und mit dem Fahrrad in sein Büro am Englischen Garten fahren, die Akten hinten auf dem Gepäckträger. „Nicht, um das Klima zu schützen“, sondern einfach, „weil ich es gern mache und weil es die schnellste Form der Fortbewegung ist hier in München“.

Beim „Forum Manager“ des Fernsehsenders Phoenix und der „Süddeutschen Zeitung“ warb Bomhard im Juli für die klassische Kapital-Lebensversicherung – und räumte lachend ein, dass er selbst keine hat. Seine Familie werde zurechtkommen, erklärte er. Mit Offenheit und Selbstironie verblüfft er immer wieder.

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Die systemrelevanten Großbanken zerschlagen , damit sie notfalls Pleite gehen können und nicht vom Steuerzahler gerettet werden müssen, forderte er neulich. Auch andere Versicherer ärgern sich über die Spirale von Staatsschulden- und Bankenkrise. Aber eine solche öffentliche Watschn hatte noch keiner ausgeteilt.

Die Dinge beim Namen zu nennen, das endet aber bei der Sex-Party von Versicherungsvertretern bei der Munich-Re-Tochter Ergo , die vor einem Jahr bekannt wurde. Bomhard umschreibt sie wolkig als Ereignis, inakzeptables Fehlverhalten, dunkles Kapitel. „Im Büro bin ich noch nie ausgeflippt“, sagte er bei dem Forum. „Geärgert hab' ich mich tierisch.“

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Der Adlige stammt aus einer Familie hoher bayerischer Staatsbeamter und Ministerialer. Nach Jurastudium und Doktorarbeit fing er mit 29 bei der Münchener Rück an, baute eine Filiale in Brasilien auf, wurde Vorstand und 2004 Konzernchef. Ein schweres Erbe: Er musste gleich den ersten Jahresverlust der Münchener Rück seit 1906 präsentieren. Und konnte danach vier Jahre in Folge mit Rekordgewinnen glänzen. Die Finanzkrise 2009 und die schlimmsten Naturkatastrophen-Schäden 2011 überstand die Munich Re ohne rote Zahlen.

Bomhard hat eine Frau und zwei Töchter, und eigentlich mag er auch Langlauf, Golf, Skifahren und die Oper. Aber leider: „Ich bin kein Meister des Auspendelns zwischen Privat- und Berufsleben“, sagte er. „Ich werde wahrscheinlich auch in den letzten Jahren meines Berufslebens nicht mehr die Kurve kriegen, wie man's besser macht.“

Seine schwierigste Aufgabe bei der Munich Re sei zu entscheiden, wer welche Verantwortung übernehmen soll. Zu delegieren, Vertrauen in die Mitarbeiter zu haben, sie machen zu lassen. Und trotzdem nicht im „Elfenbeinturm oben im Unternehmen herumkugeln und gar nicht mehr so mitkriegen, was eigentlich im Geschäft passiert“. Bomhard hat noch viel vor. Aber irgendwann werde der Punkt kommen, da sei man zu eingefahren, da würden notwendige Fragen nicht mehr gestellt.

„Da kann ich machen, was ich will: Der Verschleiß tritt ein. Und irgendwann ist dann gut, wenn er weg ist“, sagte der Vorstandschef über seinen eigenen Job. Und danach? „Die Träume ändern sich.“ Aufsichtsratsmandate gehören derzeit nicht dazu – reizen würde ihn „das Leben woanders, nochmal 'ne Zeitlang“, sagt Bomhard. „Raus aus allem, was hier ist.“ Nicht jetzt – später einmal.