IT-Dienstleistungen

Siemens verkauft seine Problemsparte SIS

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Die Trennung von der IT-Tochter SIS wird teuer für Siemens - und bitter für die Mitarbeiter: 1750 Jobs fallen weg, 650 davon in Deutschland.

München. Der Elektrokonzern Siemens zieht einen Schlussstrich unter seine seit Jahren schwächelnde IT-Sparte SIS. Der französische IT-Dienstleister Atos Origin soll SIS in abgespeckter Version übernehmen und will mit dem Zukauf zu einem führenden Anbieter in Europa aufsteigen.

Bei der Übernahme fallen bei SIS weitere 1750 Arbeitsplätze weg, davon 650 in Deutschland. Um den Stellenabbau abzufedern, schießt Siemens noch 250 Millionen Euro zu, teilte der DAX-Konzern gestern mit. Die IG Metall begrüßte, dass für die 7000 verbleibenden SIS-Beschäftigten in Deutschland jetzt ein tragfähiges Zukunftskonzept vorliege.

Siemens-Chef Peter Löscher sagte in Paris, sein Unternehmen schließe mit Atos "eine langfristige strategische Partnerschaft". Atos zahlt den größten Teil des nominellen Kaufpreise von 850 Millionen Euro mit eigenen Aktien - mit mindestens 15 Prozent der Anteile wird Siemens neuer Großaktionär. Atos-Chef Thierry Breton sagte, mit der Industrieallianz entstehe "der attraktivste europäische Champion für IT und elektronische Bezahlsysteme". Zu den Atos-Kunden zählen auch Kaufhäuser wie Karstadt.

IT-Sparte SIS machte 2010 mehr als 500 Millionen Euro Verlust

Der Deal passt in Löschers Konzept: Seit seinem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren konzentriert er den Elektrokonzern auf die drei Geschäftsfelder Industrie, Energie und Medizintechnik. Im Fokus hat er dabei vor allem umweltfreundliche Technologien.

Der IT-Dienstleister SIS fand in dieser Strategie keinen Platz. Seit Jahren leidet die Sparte unter scharfem Wettbewerb und hohem Preisdruck, Volumenrückgängen und Ertragsproblemen. Mehrere Verkaufs- und Sanierungsanläufe schlugen fehl.

Unter dem Strich kostet die Trennung von dem Sorgenkind SIS, das im Geschäftsjahr 2010 mehr als 500 Millionen Euro Verlust machte, Siemens aber noch einmal viel Geld. Für 2011 kündigte Siemens eine "deutlich negative Ergebniswirkung" an.

( (HA) )

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