Hamburger Handwerkskammer

Glücklich: "Das Handwerk muss cooler werden"

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Oliver Schade

Kammer-Hauptgeschäftsführer Glücklich verteidigt im Abendblatt eine teure Werbekampagne und Beitragserhöhungen.

Hamburg. Die Hamburger Handwerkskammer ist in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten. Es geht um Millionenschulden, eine teure Imagekampagne und deutlich gestiegene Mitgliedsbeiträge. Im Interview mit dem Abendblatt nimmt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Frank Glücklich, ausführlich Stellung zu den Vorwürfen.

Hamburger Abendblatt: Die Hamburger Handwerkskammer hat Schulden von 24 Millionen Euro angehäuft . Muss man sich Sorgen machen?

Frank Glücklich: Nein. Denn unseren Verbindlichkeiten stehen immense Werte gegenüber. So haben wir zum Beispiel für unser Kompetenzzentrum in Harburg 15,5 Millionen Euro Schulden aufgenommen. Das Zentrum ist aber 56 Millionen Euro wert. Der Hypothekenanteil liegt folglich bei gerade einmal 27 Prozent - damit wären die meisten privaten Bauherren mehr als zufrieden.

Ist das neu errichtete Kompetenzzentrum nicht am Ende nur ein überteuertes Prestigeobjekt?

Glücklich: Auf keinen Fall. Hierbei handelt es sich um eine Investition in die Zukunft des Hamburger Handwerks. Früher hatten wir unsere Fortbildungsstätten an drei Standorten verteilt. Jetzt haben wir bundesweit eines der modernsten Bildungszentren. Zwar sind wir mit den Kosten nicht ganz im Plan geblieben. Aber eine Überschreitung von rund 15 Prozent fällt bei einem solchen Projekt nicht aus dem Rahmen. Gestiegene Rohstoffpreise und die Mehrwertsteuererhöhung waren nicht vorauszusehen.

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Wirft das Kompetenzzentrum in Harburg Gewinn ab?

Glücklich: Wir machen damit keinen Gewinn. Aber das ist auch gar nicht unser Ziel. Eine schwarze Null ist unsere Vorgabe, und die werden wir 2012 auch erreichen. Beim Umsatz hatten wir 2009 und 2010 zweistellige Zuwachsraten. 2011 rechnen wir mit einer Stagnation.

Wie ist die Auslastung?

Glücklich: Sie liegt derzeit bei etwa 80 Prozent. Das ist recht gut, aber noch ausbaufähig.

Es hat aus der Mitgliedschaft erhebliche Kritik an der 2010 begonnenen teuren Imagekampagne für das Handwerk gegeben. War dieser Werbefeldzug aus Ihrer Sicht notwendig?

Glücklich: Ja, und er ist es weiterhin. Wir müssen junge Leute für das Handwerk begeistern, ihnen mitteilen, wie modern wir sind und was für gute Perspektiven sie bei uns haben. Deshalb haben wir uns für diese Kampagne stark gemacht. Das Handwerk muss einfach cooler werden, wenn wir im Kampf um die größten Talente eine Chance haben wollen. Und die Zahlen zeigen, dass wir mit der Werbekampagne erfolgreich sind. Waren früher beispielsweise weniger als zehn Prozent unserer Azubis Abiturienten, sind es jetzt bereits 13,6 Prozent.

Dazu haben Plakate und Broschüren beigetragen?

Glücklich: Wir haben wesentlich mehr gemacht. Wir sind mit der Kampagne im Stadtbild präsent, gehen in Schulen und auf Berufsbildungsmessen. Für unsere Azubis haben wir darüber hinaus eine riesige Lehrlingsparty veranstaltet, die sehr gut angekommen ist.

Eine Million Euro kostet die Kammer die umfangreiche Werbung bis 2014 jährlich - das ist viel Geld.

Glücklich: 150.000 Euro zahlen wir anteilig für die bundesweite Kampagne, mit 850 000 Euro finanzieren wir einen eigenen regionalen Auftritt. Nochmals: Wir können nur mit innovativen, besonderen Ideen den Nachwuchs an uns binden.

Die Kammerbeiträge sind zur Finanzierung der Imagekampagne um 25 Prozent gestiegen. Ist das nicht unzumutbar gerade für kleinere Betriebe?

Glücklich: Der Grundbetrag für einen Einzelunternehmer ist dadurch um 43 auf 218 Euro gestiegen - im Jahr. Das halte ich für eine Investition zur Zukunftssicherung nicht für überzogen. Zudem hat unsere Vollversammlung der Erhöhung mit überwältigender Mehrheit zugestimmt.

Die Mitglieder in der Vollversammlung werden aber nicht demokratisch wie bei der Handelskammer von allen Mitgliedern gewählt, sondern von den Innungen gesandt. Ist damit dem Klüngel nicht Tür und Tor geöffnet?

Glücklich: Die Wahlen werden so durchgeführt, wie es in der Handwerksordnung gesetzlich festgelegt ist. Wir setzen hier eins zu eins geltendes Recht um. Ich halte die Wahlen daher für demokratisch. Bei uns im Parlament ist zudem jedes dritte Mitglied ein Arbeitnehmervertreter, so eine Regelung gibt es bei der Handelskammer nicht.

Und nun steigen die Beiträge um weitere 2,6 Prozent. Aus welchem Grund?

Glücklich: Die Vollversammlung hat sich bereits vor einem Jahr dafür entschieden, die Beiträge jedes Jahr um die Inflationsrate zu erhöhen. So sollen allzu dramatische Sprünge in der Zukunft vermieden werden.

Werden die Beiträge 2015 nach Auslaufen der Imagekampagne wieder um 25 Prozent sinken? Dann brauchen Sie das Geld ja nicht mehr.

Glücklich: Sollte die Kampagne dann nicht weitergeführt werden, kann das sein, ist aber letztendlich eine Entscheidung der Vollversammlung.

Die Kammer hat nicht nur Schulden, sondern für 2010 auch einen Fehlbetrag von mehr als einer halben Million Euro ausgewiesen. Was sind die Gründe?

Glücklich: Zum einen sind die Pensionsrückstellungen auf 16,1 Millionen Euro angewachsen, zum anderen mussten wir mehr als eine halbe Million Euro für die Beseitigung von Baumängeln am Kompetenzzentrum in Harburg aufwenden. Operativ sind wir aber im Plus. Und ab 2012 soll es auch keinen Fehlbetrag mehr geben.

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