Deutsche Seehäfen

Besatzungen: Weniger Lohn unter Billigflagge

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Die Gewerkschaft ITF prüft, ob Besatzungen mit Tarifverträgen fahren. Wenn nicht, wird die Abfertigung des Schiffs vorerst gestoppt.

Hamburg. Sie kommen ohne Anmeldung, aber mit viel Unterstützung. Die Inspektionsteams der Internationalen Transport Föderation (ITF) kontrollieren in den deutschen Seehäfen diese Woche in Stichproben Schiffe aus aller Welt. Sie überprüfen, ob die Reedereien für die Besatzungen Tarifverträge abgeschlossen haben. Wenn das nicht so ist, stellen die Hafenarbeiter auf den Terminals in der Regel aus Solidarität ihre Arbeit ein. Das Schiff wird nicht abgefertigt und bleibt im Hafen liegen, bis die Reedereien einlenken und einen Vertrag abschließen.

Am Montag, dem ersten Tag der diesjährigen Aktionswoche, habe man in den deutschen Häfen 16 Schiffe kontrolliert, sagte Barbara Ruthmann von der Gewerkschaft Ver.di gestern in Hamburg. Bis zum Ende der Woche sollen es in Deutschland 100 Schiffe und in den Anrainerstaaten der Ostsee doppelt so viele sein. Ver.di koordiniert die ITF-Kampagne in Deutschland. Die Gewerkschaft hat ein gesetzlich verbrieftes Recht für Zugang auf die Schiffe.

Bei den ersten Stichproben habe man keine Schiffe ohne Tarifverträge gefunden, sagte Ruthmann: "Aber mit unserer langen Erfahrung glauben wir nicht, dass sich die Vertragslage auf den Schiffen angesichts wachsender Konkurrenz auf See grundlegend gebessert hat." Die Tarifverträge für die Besatzungen werden zwischen Gewerkschaft und Reedereien für jedes Schiff separat abgeschlossen, meist für zwei Jahre. Ohne Tarifverträge sind die Bedingungen für die Seeleute schlechter als ohnehin oft schon. "Wir kontrollieren verstärkt auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord", sagt Ruthmann. "Schwarze Schafe, die keine Tarifverträge abschließen, finden sich immer wieder, bei großen und kleinen Reedereien aus allen Ländern."

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Ein besonderes Problem sind aus der Sicht der ITF die sogenannten Billigflaggen. Ein großer Teil der Welthandelsflotte ist in Ländern wie Panama, Liberia, den Marschallinseln oder den Bahamas registriert. Unter der Flagge solcher Länder zahlen die Reedereien weniger Heuer und Sozialabgaben für die Mannschaften, als sie es zum Beispiel unter deutscher Flagge müssten. Zudem sparen die Schiffseigner Steuern und Registergebühren. Nur 570 der etwa 3700 deutschen Seeschiffe fahren derzeit unter deutsche Flagge. Die Reedereien argumentieren, dass vor allem Gehälter und Sozialleistungen für Kapitäne und Offiziere unter deutscher Flagge die Kosten für ein Schiff um mehrere Hunderttausend Euro im Jahr steigern. Dies sei in der harten internationalen Konkurrenz nur bei einem Teil der Schiffe darstellbar.

Die ITF weist darauf hin, dass die Lage für Seeleute unter Billigflaggen und ohne Tarifvertrag besonders desolat sei: "Der Ecklohn für einen Seemann unter Billigflagge liegt mit einem ITF-Tarifvertrag bei 1577 Dollar (1160 Euro) im Monat. Ohne Tarifvertrag sind es gelegentlich kaum mehr als 500 Dollar", sagte Ruthmann. Die Gewerkschaft hat 32 Länder als Billigflaggenstaaten eingestuft und konzentriert sich bei ihren Kontrollen auf Schiffe, die unter solchen Flaggen fahren. Ein großer Teil der Seeleute stammt aus Ländern wie den Philippinen und Burma, zunehmend auch aus Osteuropa.