Banker verzockt zwei Milliarden Dollar

Betrugsskandal erschüttert Schweizer UBS-Gruppe. 31-Jähriger in London festgenommen

London/Hamburg. Die Finanzwelt hat einen neuen Spekulationsskandal, der das Vertrauen in die Banken nochmals schwächen dürfte: Ein Londoner Händler der Schweizer Großbank UBS soll mit unerlaubten Handelsgeschäften etwa zwei Milliarden Dollar (knapp 1,5 Milliarden Euro) verzockt haben. Der 31-Jährige war in der Nacht zum Donnerstag im Londoner Finanzdistrikt von der britischen Polizei festgenommen worden.

Der Fall weckt Erinnerungen an Finanzbetrüger wie den französischen Börsenhändler Jérome Kerviel, der 2008 die Société Générale um knapp fünf Milliarden Euro gebracht haben soll, oder an den britischen Finanzjongleur Nick Leeson, der 1995 den Zusammenbruch der Barings Bank auslöste.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Verdächtigen um den 31-jährigen Kweku A., der erst seit 2007 bei der UBS arbeite. Ihm werde im Zusammenhang mit den Verlusten bei der UBS Betrug durch Missbrauch seiner Position vorgeworfen. Der Mann, der aus Ghana stammen soll, hat nach Angaben der Universität von Nottingham dort 2003 einen Bachelor in E-Commerce und Digitalwirtschaft absolviert.

Die UBS, an deren Verwaltungsratsspitze von 2013 an der Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, sah sich aufgrund des Milliardenschadens zu einer Gewinnwarnung gezwungen: Im dritten Quartal müsse der Konzern möglicherweise ein Minus ausweisen. Die Aktie brach zeitweise um mehr als acht Prozent ein. Die Bank habe eingeräumt, dass die Verluste durch einen "Händler mit beträchtlicher krimineller Energie" im Aktienhandel in London entstanden seien, berichtete die "Neue Zürcher Zeitung".

Zwar hätten alle Banken Risikokontrollsysteme, die Fehlspekulationen in derartiger Höhe theoretisch verhindern sollten, sagte Hans-Peter Burghof, Leiter des Lehrstuhls für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim, dem Abendblatt. Doch in der Praxis gebe es ein "Machtungleichgewicht" zwischen den Risikokontrolleuren und den Wertpapierhändlern: "Es sind die Händler, die der Bank die Gewinne liefern. Das mag die Vorstände dazu veranlassen, auch mal wegzuschauen."

Ein Problem liege aber auch in der Personalauswahl. In den Investmentbank-Sparten der Geldhäuser arbeiteten häufig "vollkommen ungefestigte Persönlichkeiten praktisch ohne Privatleben", die schon in jungen Jahren eine immens hohe Verantwortung übertragen bekämen. Die dort üblichen Gehaltsstrukturen mit hohen erfolgsabhängigen Boni förderten eine risikofreudige Einstellung, sagte Burghof. Vor allem im angelsächsischen Raum seien diese Jung-Banker so zahlenorientiert, dass es für sie kein "Das tut man nicht" gebe: "Solche Menschen werden zu tickenden Zeitbomben."

Der neue Skandal dürfte nach Auffassung von Experten den ohnehin ramponierten Ruf der UBS weiter beschädigen. So hatte der erst 2010 weitgehend beigelegte Steuerstreit der Bank mit den USA - UBS-Mitarbeiter sollen US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben - den gesamten Finanzplatz Schweiz ins Wanken gebracht. Mehr als 200 Milliarden Franken haben Kunden in den letzten Jahren von der Bank abgezogen.

Ohnehin gehört die UBS zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Sie hatte zwischen 2007 und 2009 Verluste von 25 Milliarden Euro angehäuft. Dadurch war die Bank, die als größte Vermögensverwalterin außerhalb der USA gilt, ganz vom Staat abhängig geworden. Von den aktuell noch rund 65 000 Beschäftigten arbeiten 6000 in London. Gerade sollten mit der Entlassung von 3500 Mitarbeitern 1,7 Milliarden Euro eingespart werden. Nun ist fast genau diese Summe durch die Fehlspekulation verloren.