Banken-Stresstest Europa

EBA räumt Schwierigkeiten beim Stresstest ein

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abendblatt.de

Die europäische Bankenaufsicht zieht positives Feedback des Tests. Dennoch räumt sie Schwierigkeiten ein.

Frankfurt. Die europäische Bankenaufsicht EBA hat Schwierigkeiten bei den umstrittenen Stresstests eingeräumt. Es stimme zum Teil, dass die Stresstests chaotisch und erratisch abgelaufen seien, sagte Behördenchef Andrea Enria der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Das tut mir leid.“ Künftig müsse es zwischen der EBA, den nationalen Aufsichtsbehörden und den Instituten eine bessere Zusammenarbeit geben. Gleichzeitig verteidigte er den Test: „Die Stresstests haben Wirkung gezeigt und dazu geführt, dass die Banken ihr Kapital gestärkt haben und weiter stärken werden“, sagte er. „Das war die Sache wert.“

Die Institute hätten wegen der neuerlichen Überprüfung in den ersten vier Monaten dieses Jahres zusammen 50 Milliarden Euro frisches Geld aufgenommen und stünden damit nun besser da, sagte Enria dem Blatt. Zudem gebe es nun mehr Transparenz. Die veröffentlichten Daten würden helfen, den Vorwurf zu entkräften, die europäischen Banken hätten mit ihren Anleihe- oder Risikopositionen etwas zu verbergen. „Klarheit ist das beste Mittel, den Markt zu beruhigen“, sagte der Italiener.

Nach den am Freitag veröffentlichten Testergebnissen kamen die deutschen Teilnehmer im Krisenszenario auf eine harte Kernkapitalquote von 7,5 Prozent. Die EBA hatte mindestens 5,0 Prozent gefordert. Acht Institute rasselten durch: fünf aus Spanien, zwei aus Griechenland und eins aus Österreich. 16 weitere Banken erfüllten die Anforderungen bei dem Härtetest nur knapp, darunter aus Deutschland die NordLB und die HSH Nordbank. Der Stresstest sollte prüfen, wie gut eine Bank eine Krise aushalten kann.

Die Ergebnisse wurden am Freitag veröffentlicht und zeigen: die meisten europäischen Banken scheinen für künftige Finanzkrisen gewappnet. Der Stresstest deckte bei nur acht von 90 Instituten einen Kapitalmangel auf, und zwar von insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Experten hatten mit doppelt so vielen Banken gerechnet, die einer Rezession und einem Einbruch an den Aktien- und Anleihenmärkten nicht standhalten können. Von den 13 getesteten deutschen Banken wäre einzig die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nach den Kriterien der europäischen Bankenaufsicht EBA nicht durchgekommen. Doch das Institut hatte sich im Streit mit der Behörde in letzter Minute selbst von der Untersuchung ausgeschlossen. Schon kurz nach Bekanntgabe am Freitagabend bezweifelten Experten und Bankenvertreter, dass der Test inmitten der Euro-Schuldenkrise das Vertrauen in die Finanzbranche wieder herstellen kann.

Aufseher und Politiker sprachen dagegen von positiven Signalen für die Stabilität europäischer Banken. Die EU-Kommission erklärte, die Institute seien stärker als in der Vergangenheit. „Der deutsche Bankensektor hat seine Widerstandsfähigkeit bewiesen“, betonte auch Raimund Röseler, neuer Leiter Bankenaufsicht bei der deutschen Aufsichtsbehörde BaFin. Aus Deutschland bestanden die Deutsche Bank und Commerzbank klar.

Die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB kamen dagegen nur knapp durch. Eigentlich müssen diese Institute laut EBA ihre Kapitalpuffer stärken. Doch die beiden Häuser haben bereits Maßnahmen angekündigt, wie sie ihre Kapitalausstattung verbessern. Daher sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Für Deutschland sind keine weiteren Anpassungen erforderlich.“ Auch Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger sieht keinen unmittelbaren Handlungsbedarf nach dem Stresstest. Die Helaba konnte die EBA mit ihren geplanten Maßnahmen nicht überzeugen, was für großes Unverständnis in der deutschen Politik und Bankenbranche sorgte.

Der Internationale Währungsfonds begrüßte die Stresstests, forderte aber weitergehende Schritte. Auch die Schwächen bei Instituten, die nur knapp bestanden hätten, müssten angegangen werden, erklärte der IWF. Es sei wichtig, die Kapitalpolster zu vergrößern.

Unter den Banken, die durchgefallen sind, ist die Österreichische Volksbanken AG. Sie wäre aber nach eigenen Angaben durchgekommen, wenn jüngste Beteiligungsverkäufe schon gezählt hätten. Daneben sind fünf kleinere spanische Häuser und zwei griechische Institute – die ATEbank und die Eurobank EFG – gescheitert. Nach Angaben der spanischen Notenbank braucht kein Geldhaus des Landes eine Kapitalerhöhung. Laut EBA wären ohne Berücksichtigung von Kapitalstärkungen in den ersten vier Monaten 2011 insgesamt 20 Banken durch den Test gefallen.

Maßstab für die EBA im zweiten großen Banken-Stresstest ist die harte Kernkapitalquote, die nur Aktionärskapital und Gewinnrücklagen berücksichtigt. Die so definierte Kapitalausstattung darf auch in einem Szenario mit einer zwei Jahre dauernden Rezession, einbrechenden Aktienkursen und steigenden Zinsen nicht unter fünf Prozent sinken. Im vergangenen Jahr war die Hürde mit sechs Prozent höher, damals durften die Teilnehmer aber auf Kapitalformen wie Genusscheine und stille Einlagen bauen.

Während des Tests wurde immer wieder kritisiert, dass sich die Politik zu stark eingemischt habe. So galt das Szenario einer Staatspleite Griechenlands als Tabu. Die Teilnehmer müssen in dem Stresstest nur 15 Prozent auf ihre griechischen Staatsanleihen abschreiben. In der Realität notieren sie bis zu 50 Prozent unter den Buchwert. Laut EBA halten die untersuchten griechischen Banken zwei Drittel der griechischen Staatsanleihen, neun Prozent liegen bei deutschen Häusern. „Da wurde eine große Chance für glaubwürdige Tests vertan“, kritisierte Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management. „Mit nur acht Durchfallern kann kein Vertrauen wiederhergestellt werden“, sagte Michael Symonds, Kreditanalyst von Daiwa Capital Markets. Andere Experten sprachen von einem PR-Gag ohne große Bedeutung.

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis monierte, der Test trage nur unzureichend zur Vertrauensbildung bei. Einige gesunde Institute seien „künstlich krankgeredet“ worden, erklärte er unter anderem mit Blick auf die Helaba. Schon vor einem Jahr war die Glaubwürdigkeit des Tests in Zweifel gezogen worden. Damals fielen nur sieben von 91 Instituten durch, darunter der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Nur kurze Zeit später kollabierten irische Banken, obwohl sie den Test bestanden hatten. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer, warnte daher davor, die Ergebnisse überzubewerten.

Der wahre Wert des Stresstests liegt für viele Kapitalmarktexperten in der Transparenz: Rund 3000 Daten muss jede Bank veröffentlichen – von der Laufzeit all ihrer Staatsanleihen bis zu einer Ergebnisvorausschau für dieses und das kommende Jahr. 2010 waren es nur 100 Daten. Kritiker halten auch das für gefährlich, da es einige Häuser zum Ziel von Spekulanten machen könnte. „Es ist durchaus möglich, dass sich jemand sehr genau anschaut, wo eine Bank ihre Schwachpunkte hat, und möglicherweise auch dagegen spekuliert“, sagte Kemmer.

Dass ein Zahlungsausfall Griechenlands nicht simuliert wurde, führte Enria auf den Beschluss der Europäischen Union zurück, dass es keine Pleite des Landes geben werde. „Allerdings haben wir hohe Ausfallrisiken für Staatsanleihen in dem Stress-Szenario berücksichtigt, einen drastischen Ertragseinbruch und hohe Verluste für die Banken“, sagte er. Es sei ein harter Test gewesen.

Sein Vorgehen bei der hessisch-thüringischen Landesbank Helaba verteidigte Enria. Die Behörde wollte bei der Bank die angekündigte Umwandlung der Stillen Einlagen des Landes Hessen in hartes Eigenkapital nicht akzeptieren. Daraufhin untersagte das Institut der Behörde die Veröffentlichung der Stresstestergebnisse. „Uns wurde lange kein rechtlich bindender Vertrag vorgelegt, erst wenige Tage vor Auslaufen unserer Frist“, sagte Enria. „Selbst dann waren für uns noch Fragen offen, die so schnell nicht mehr geklärt werden konnten.“

(rtr/abendblatt.de)

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