Mobiles Einkaufen

Eine Million Deutsche kaufen per Handy-Shopping ein

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Die Bundesbürger shoppen gern Mode, Bücher und Tickets über Smartphones - doch nicht jedes Angebot ist erfolgreich. Eine Marktanalyse.

Hamburg. Sieht so die Zukunft des Einkaufens aus? Wer in der derzeitigen Eiseskälte bei seinem Nebenmann eine besonders warme Jacke entdeckt, kann diese jetzt auch gleich im Internet bestellen. Er braucht nur sein Smartphone zu zücken, das Modell zu fotografieren und das Bild an einen Onlineshop zu senden. Der identifiziert die Jacke, prüft die Verfügbarkeit und verschickt das Kleidungsstück auf Wunsch auch gleich.

Das entsprechende Programm zu diesem Service stammt von der Sportfachhandelskette SportScheck. Mit der Anwendung für das iPhone will die Tochter des Hamburger Otto-Konzerns in dem schnell wachsenden Markt des mobilen E-Commerce Fuß fassen. "Wir wollen die Nummer eins im mobilen Sportmarkt sein", sagt SportScheck-Chef Stefan Herzog. Nutzer könnten über ihr Smartphone nun auf das komplette Sortiment der Kette mit rund 25.000 Artikeln und 400 Marken zugreifen.

So wie SportScheck drängen mittlerweile immer mehr heimische Dienstleister und Handelsketten auf die modernen Mobiltelefone. Die Deutsche Bahn und die Deutsche Post haben ebenso eigene Programme für die smarten Alleskönner herausgebracht wie Lufthansa, H&M, Aldi oder Edeka. Das Interesse der Firmen ist verständlich, soll doch die Zahl der verkauften Smartphones im kommenden Jahr erstmals die Zehn-Millionen-Marke überschreiten, wie der IT-Branchenverband Bitkom erwartet.

Jeder vierte App-Nutzer kauft per Telefon ein

"Die rasante Verbreitung von Smartphones im deutschen Mobilfunkmarkt bietet der Wirtschaft enorme Potenziale für den Ausbau des mobilen Handels", sagt der Geschäftsführer der Marktforschungsgesellschaft Heute und Morgen, Axel Stempel, dem Abendblatt. Eine zentrale Rolle spielten dabei die Apps, jene maßgeschneiderten Miniprogramme für mobile Endgeräte, die das mobile Einkaufen erleichtern sollen.

Laut einer aktuellen Studie der Marktforscher kauft bereits heute mehr als jeder vierte Bundesbürger, der regelmäßig Apps nutzt, Waren oder Dienstleistungen mit dem Smartphone. Hochgerechnet entspreche dies rund einer Million Verbraucher. Für die Untersuchung wurden 1000 App-Nutzer zu ihrem Einkaufsverhalten befragt.

Besonders häufig suchen die Smartphone-Shopper laut Studie nach Unterhaltungsmedien wie Büchern, Musik, Spielen und Elektronikartikeln. Gern werden aber auch Bahntickets, Flüge und Mietautos über das Mobiltelefon gebucht. Gut verkauft sich zudem Mode über das Handy. Als Verkaufsplattform Nummer eins hat sich dabei eindeutig Apples iPhone etabliert, gefolgt von Handys, auf denen Googles Betriebssystem Android installiert ist. Die Systeme von Nokia und Microsoft spielen beim Einkaufen per App bislang eine untergeordnete Rolle.

Amazon, Ebay und die Deutsche Bahn sind auf Smartphones weit verbreitet

Am weitesten verbreitet sind laut Studie jene Shopping-Apps, hinter denen die großen und bekannten Onlinehändler stehen. So findet sich auf mehr als einem Drittel aller Smartphones die App des weltgrößten Internethändlers Amazon, auch das Auktionshaus Ebay ist stark vertreten. Weit verbreitet ist daneben der DB Navigator der Deutschen Bahn.

"Es ist wichtig für den Erfolg einer Anwendung, dass sie dem Nutzer gegenüber dem normalen Internetangebot einen Mehrwert bietet", sagt Marktforscher Stempel. Bei der Bahn-App können sich die Kunden beispielsweise je nach aktuellem Standort die verfügbaren Zugverbindungen anzeigen lassen - inklusive der voraussichtlichen Verspätung. An der App der Deutschen Post begeistert die Nutzer hingegen, dass sie mit wenigen Handgriffen den Weg von versendeten Paketen verfolgen können. Beliebt sind bei den Smartphone-Shoppern zudem Rezept-Apps, mit denen sich automatisch eine Liste für den aktuellen Einkauf im Supermarkt erstellen lässt.

Nur einen Prospekt aufs Handy zu bringen reicht nicht aus

Wenn Unternehmen allerdings nur wenig Sorgfalt auf ihren Auftritt auf dem Handy verwenden, kann sich dies schnell rächen. "Es genügt sicher nicht, einfach nur einen Prospekt als elektronische Datei in eine App zu packen", sagt Stempel. "Solche Programme laden sich die Kunden zwar herunter, sind dann aber schnell enttäuscht und löschen sie wieder."

Die ersten Erfahrungen mit dem gerade veröffentlichten Programm von SportScheck sind jedenfalls durchwachsen. Während ein iPhone-Nutzer begeistert davon berichtet, wie er die Jacke einer anderen Skifahrerin per Handykamera identifizierte, waren andere Anwender weniger erfolgreich. "Egal, was für ein Kleidungsstück ich aussuche, es zeigt keine Ergebnisse", beschwert sich ein Nutzer in Apples App-Store. "Echt super Idee, aber schlecht umgesetzt."