A 320

Airbus modernisiert seinen Verkaufsschlager

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Der neue Airbus A320 soll durch neuartige Triebwerke 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen - wird dafür aber auch teurer.

Hamburg. Airbus hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt: Der Verkaufsschlager des Unternehmens, die A320-Typenfamilie, wird mit wesentlich sparsameren Triebwerken ausgestattet. Vor allem dank der Düsenmotoren mit neuer Technologie werde der Treibstoffverbrauch um bis zu 15 Prozent sinken, teilte das Unternehmen gestern mit. Vom Frühjahr 2016 an werden Jets der A320-Modellreihe wahlweise mit den neuartigen Triebwerken des US-Herstellers Pratt & Whitney oder des amerikanisch-französischen Konsortiums CFM (General Electric und Safran) ausgeliefert.

Potenzial für 4000 der neuen Flieger über die nächsten 15 Jahre

"Diese Produktaufwertung bedeutet eine Sicherung der Arbeitsplätze in Hamburg", sagte eine Airbus-Sprecherin dem Abendblatt. In der Hansestadt werden vordere und hintere Rumpfsektionen für sämtliche Maschinen der A320-Familie gefertigt, außerdem werden in Hamburg etwa so viele dieser Jets endmontiert wie in Toulouse und Tianjin (China) zusammen. Für die modernisierten Flieger mit der Bezeichnung A320neo (Abkürzung für New Engine Option, englisch für Option mit neuen Triebwerken) sieht Airbus ein Marktpotenzial von 4000 Stück über die nächsten 15 Jahre.

Für Kunden, die mit Blick auf die Wartungskosten und die Ersatzteilvorräte nicht unterschiedliche Motorengenerationen in ihrer Flotte haben möchten, wird die bisherige Ausführung der Kurz- und Mittelstreckenjets zusätzlich weitergebaut und angeboten. Hinzu kommt ein Preisunterschied: Während die Spanne der durchschnittlichen Listenpreise derzeit von 74,4 Millionen Dollar (57 Millionen Euro) für einen A319 bis zu 95,5 Millionen Dollar für einen A321 reicht, kosten die "neo"-Varianten sechs Millionen Dollar mehr.

Hochgebogene Flügelspitzen kommen schon Ende 2012

Man biete den Kunden "maximalen Nutzen bei minimalen Änderungen", wird Firmenchef Thomas Enders zitiert. Airbus kalkuliert mit einem Entwicklungsaufwand von gut einer Milliarde Euro für die Modernisierung. Abgesehen von den Triebwerken würden nur moderate Veränderungen an deren Aufhängungen und am Flügel nötig.

Dennoch sei es nicht einfach, die Ingenieurskapazitäten dafür zu sichern, so Enders. Aktuell entwirft der europäische Flugzeugbauer den Langstreckenjet A350, doch auch für den Militärtransporter A400M und den Riesenflieger A380 werden noch Entwicklungsingenieure gebraucht.

Zum A320neo-Paket gehören auch hochgebogene Tragflächenspitzen, die sogenannten Sharklets. Allein sie sollen auf längeren Strecken eine Treibstoffersparnis von mindestens 3,5 Prozent bringen. Schon Ende 2012 werden nach Angaben von Airbus die ersten Maschinen mit dieser Neuerung - aber noch nicht mit den moderneren Motoren - ausgeliefert.

"Die Entscheidung für die sparsameren Triebwerke verschafft Airbus auf jeden Fall Luft und verbessert die Wettbewerbsposition gegenüber Boeing und neuen Konkurrenten", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Allerdings bedeute der Beschluss auch, dass es mindestens in den nächsten 15 Jahren keinen komplett neu entwickelten Nachfolger der A320-Familie geben wird. "Ob die Zwischenlösung wirklich bis 2025 ausreicht, muss man abwarten. Aber es ist klar, dass für Airbus ein weiteres neues Flugzeugprogramm mit Entwicklungskosten von zehn Milliarden Euro derzeit illusorisch ist."

Zuletzt verkaufte sich das Modell 737 von Boeing besser

Wegen der geringeren Bodenfreiheit unter den Tragflächen des Konkurrenzmodells 737 werde sich Boeing wesentlich schwerer tun, seine Flugzeuge ebenfalls mit den neuen Triebwerken auszurüsten, weil diese einen etwas größeren Durchmesser hätten, sagt Großbongardt. Er erwartet daher, dass der US-Konzern gegen 2016 oder 2017 mit der Entwicklung eines 737-Nachfolgers beginnt. Allerdings stattete Boeing die 737 kürzlich mit einer neu gestalteten Passagierkabine aus, die offenbar Kunden anzieht: Im bisherigen Jahresverlauf verkaufte Boeing abzüglich der Stornierungen 435 Jets der 737-Reihe, während Airbus nur 273 Maschinen der A320-Familie absetzen konnte.