Kaufhauskette

Zähes Ringen um norddeutsche Hertie-Häuser

Foto: Hans-Rudolf Schulz

Elmshorner Filiale vor Verkauf. Aber keine Lösungen für weitere Standorte. Firma AVW bietet für mehrere Immobilien - bislang erfolglos.

Hamburg. Die Elmshorner Bürgermeisterin Brigitte Fronzek (SPD) hofft, dass das frühere Hertie-Gebäude im Zentrum der Stadt bald wiederbelebt und verschönert wird. Seit fast eineinhalb Jahren wird nun schon um eine neue Nutzung für die Immobilie gerungen, doch der Finanzinvestor Dawny Day, dem Hertie vor der Insolvenz der Kaufhauskette gehörte, hat sich noch mit keinem Interessenten geeinigt.

"Jetzt haben wir gehört, dass ein Abschluss bevorsteht", sagt Brigitte Fronzek. Das bestätigt auch Christoph Meyer von BNP Paribas Real Estate. Das Unternehmen wurde von Dawny Day beauftragt, Käufer für die Häuser zu suchen. Noch in diesem Jahr könnte der Vertrag unterschriftsreif sein.

Einer der Hertie-Interessenten ist AVW Immobilien. Die Firma gehört dem Hamburger Unternehmer Frank H. Albrecht. Der Projektentwickler will die meist leer stehenden Häuser in Innenstadtlage zu Einkaufs- oder Fachmarkzentren umbauen. Das Buxtehuder Unternehmen, das im kommenden Jahr seinen Firmensitz nach Hamburg verlagern will, hat ein Angebot gemacht für die Übernahme der norddeutschen Häuser in Elmshorn, Niebüll, Rendsburg, Schleswig, Husum, Itzehoe, Stade und eines der beiden in Mölln. Doch das Ringen um die Immobilien erweist sich als zäh. "AVW ist raus", sagt Christoph Meyer von BNP Paribas. "Wir verhandeln nicht mit Herrn Meyer, sondern mit Dawny Day direkt", kontert AVW-Chef Willy Koch. Dawny Day war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Nach Informationen des Abendblatts scheiterte das Geschäft am Kaufpreis. Ein ganzes Immobilienpaket bringt weniger ein als einzeln verkaufte Standorte. Zumindest auf Elmshorn wird AVW jetzt wohl verzichten müssen. Das Unternehmen wurde von Albrecht vor 32 Jahren gegründet und hat seither 125 Einkaufs- oder Fachmarktzentren, Seniorenanlagen, Geschäftshäuser und Hotels gebaut, darunter auch das Golden Tulip in der Nähe von Airbus auf Finkenwerder. Flaggschiff ist das "Mediterraneo", ein auf italienische Lebensart gestylter Konsumtempel in Bremerhaven. In Hamburg-Rothenburgsort entsteht gerade ein neues Stadtteilzentrum mit 52 Wohnungen, Einzelhandels- und Gewerbefläche. Dort wird auch AVW mit seinen dann rund 50 Mitarbeitern einziehen.

Nachdem die Firma über Jahre nur in Norddeutschland tätig war, plant AVW jetzt Einkaufszentren in Meißen, Selb und anderen ost- und süddeutschen Regionen. Auch Hamburg steht auf dem Expansionsplan. "Wir suchen einen Standort für ein weiteres Mediterraneo", sagt Albrecht.

Der Gründer ist längst aus der AVW ausgeschieden, seine Familie hält aber noch die Mehrheit. AVW hat im vergangenen Geschäftsjahr (bis Ende April) ein Betriebsergebnis von 4,2 Millionen Euro erzielt, nach einem Verlust von 9,9 Millionen Euro im Vorjahr. Zur Finanzierung des weiteren Wachstums will die Firma demnächst eine Anleihe in Höhe von 60 Millionen Euro platzieren. Bürgermeisterin Fronzek hofft, dass der Verkauf der Elmshorner Hertie-Filiale nicht verschoben wird. Um die Stadt schon vorher zu verschönern, lässt sie das Gebäude nun von einer Lichtkünstlerin illuminieren.