Konstantin Neven DuMont fordert seinen Vater zum Rücktritt auf

Der Verlegersohn droht, sich anderenfalls auszahlen zu lassen

Hamburg. In den letzten Wochen hat Konstantin Neven DuMont "Bild" Köln gleich drei Interviews gegeben. Das ist insofern ungewöhnlich, da Neven DuMont im Vorstand des Zeitungshauses M. DuMont Schauberg (MDS) sitzt, das die Boulevardzeitung "Express" herausgibt - deren härtester Wettbewerber "Bild" Köln ist. Der Verlegersohn plauderte in den Interviews auch nicht über den 1. FC Köln oder den Karnevalsverein Goldene Jungs, bei denen er Ehrenämter bekleidet. Er kritisierte seinen eigenen Verlag - und zwar scharf.

Gestern forderte er nun via "Bild" den Verleger Alfred Neven DuMont zum Rücktritt auf: "Die Übergabe auf die Nachfolgegeneration schiebt mein Vater schon 15 Jahre vor sich her", sagte er. "So geht das nicht weiter. Er soll klar sagen: Ich trete ein Stück weit zurück. Oder er zahlt mich aus und ich gehe!"

Dazu muss man wissen, dass Neven DuMont junior seit vergangener Woche beurlaubt ist. Die Beurlaubung dürfte im Zusammenhang mit seiner sogenannten Blog-Affäre stehen. Er soll den Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier unter verschiedenen Pseudonymen mit wirren Kommentaren geflutet haben. Neven DuMont bestreitet das mit Verweis auf zwei Personen aus seinem Umfeld, die Zugriff auf seinen PC gehabt hätten.

Doch hinter seiner via "Bild" übermittelten Rücktrittsforderung verblasst die Affäre. Bei MDS ist man buchstäblich sprachlos. Der Eklat trifft den Verlag zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Jahren schickte er sich an, mit dem Erwerb von Anteilen an der "Frankfurter Rundschau", der "Berliner Zeitung", dem "Berliner Kurier", der "Hamburger Morgenpost" und dem israelischen Blatt "Haaretz" ein großer Player im deutschen Zeitungsmarkt zu werden. Der Umsatz stieg auf 706,8 Millionen Euro. Da MDS von der Medienkrise aber besonders hart gebeutelt wurde, schmolz 2009 der Gewinn von 12,8 Millionen auf nur noch 463 000 Euro. Insbesondere die "Frankfurter Rundschau", bei der wohl weitere Stellenstreichungen anstehen, ist hochdefizitär.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Der 83-jährige Verleger steht vor dem Problem, keinen Nachfolger zu haben. Sein ältester Sohn Markus starb 1995. Tochter Isabella verspürt offenbar keine Neigung, ins Verlagsgeschäft einzusteigen. Und Konstantin, der stets als etwas seltsam galt, hat sich durch seine sonderbaren Interviews wohl endgültig desavouiert. So könnte MDS eines Tages ganz an den Familienzweig DuMont Schütte fallen, der sich den Verlag mit den Neven DuMonts teilt. Dort klappte die Nachfolge: Christian DuMont Schütte hat die Verantwortung für den Anteil seiner Familie längst von seinem Vater Dieter übernommen.