Kommentar

Gleiche Schienen, gleiches Recht

Mit einem Paukenschlag der Gewerkschaften beginnt jetzt die Tarifrunde bei den Bahn. Schon bevor das erste Wort gesprochen ist, steht die Drohung von Warnstreiks von Anfang August an im Raum - mitten in der Urlaubszeit. Das wird Transnet, GDBA und Lokführergewerkschaft GDL kaum Sympathien bei den Fahrgästen einbringen. Denn die müssen nun wieder lange Verspätungen fürchten.

Doch so weit muss es nicht kommen. Denn ein Branchentarifvertrag, wie er verhandelt werden soll, ist ein lohnenswertes Ziel. Soll damit doch erreicht werden, dass sich das Gehaltsniveau zwischen der Bahn und einigen neuen Anbietern gleicht und so nicht mehr der im Wettbewerb Vorteile hat, der seinen Mitarbeitern am wenigsten bezahlt. Warum sollen Lokführer, deren Aufgaben auf einer Strecke gleich sind, bei verschiedenen Firmen ein anderes Grundgehalt erhalten?

Auch eine Lösung für ein weiteres Problem muss her. Den Wettbewerb um die Strecken im Nahverkehr will niemand mehr missen, schließlich können sich die neuen Anbieter in Qualität und Preis oft mit der Bahn messen. Doch obwohl bei Streckenübernahmen zumeist die Mitarbeiter weiterbeschäftigt wurden, gibt es dafür keinen Rechtsanspruch. So müssen Angestellte fürchten, bei einem neuen Anbieter den Job zu verlieren. Das ist nicht fair.

Neue Regeln für die Zeit nach dem Staatsmonopol sind seit Jahren überfällig. Die Lösung muss nun endlich gelingen. Denn es wäre auch nicht fair, wenn die Fahrgäste Opfer fehlender Kompromissbereitschaft würden und unter Warnstreiks leiden müssten.