Immobilienentwickler

Die Krise erfasst Garbe - optimistisch für 2010

Foto: HA / A.Laible

Der Hamburger Immobilienentwickler Garbe streicht 20 Stellen. Für das Geschäftsjahr 2010 ist die Firma aber wieder optimistisch.

Hamburg. Die Krise erreicht die Alstervillen und die Elbchaussee. Über Monate sorgte sie vor allem bei den Kurzarbeitern von Daimler oder Conti für Existenzängste, sie trieb Sparer ins Gold. Inzwischen wächst aber auch bei den Unternehmern der Hamburger Wirtschaftsdynastien die Sorge beim Blick in die Geschäftszahlen. Die Reederei der von Rantzaus an der Palmaille meldet Verluste, auch die Werft der Familie Sietas ist in schweres Fahrwasser geraten. Zu den Firmen, die ehedem jedes Jahr ihre Millionen verdienten, darüber hanseatisch schwiegen und jetzt starken Gegenwind verspüren, gehört auch der Hamburger Immobilienentwickler Garbe Group.

"Wir haben 2009 zum ersten Mal rote Zahlen geschrieben, zum ersten Mal in den 45 Jahren nach der Gründung", sagt Alexander Garbe. Der 35-Jährige ist gemeinsam mit seinem Bruder Christopher, 31, erst im vergangenen Winter in den Holding-Vorstand aufgerückt. Ihr Vater, Gründer und Selfmademillionär Bernhard Garbe, war aus Altersgründen in den Aufsichtsrat gewechselt. Mit 71 hatte er den Kindern ein Unternehmen übergeben, das zu den größten Immobilienfirmen der Republik gehört, das sich Niederlassungen in Städten wie Paris, Frankfurt und London leistet und mit Vorzeigeprojekten wie der Möbelhauspassage Stilwerk von sich reden macht.

Die Verluste des Unternehmens liefen auf, weil etliche Projekte in den wichtigsten Sparten Wohn- und Logistikimmobilien gleichzeitig ins Stocken gerieten. Die 99 Wohnungen, die Garbe im Wohnquartier Othmarscher Kirchenweg baut, verkauften sich anfangs nur schleppend. Den für Ende 2009 geplanten Verkauf der von Garbe gebauten 148 Mietwohnungen in Köln konnte das Unternehmen erst in diesem Jahr verbuchen. Auch der Bau des Logistikzentrums in Henstedt-Ulzburg für den Motorenhersteller Caterpillar verzögerte sich - wegen des harten Winters. Die daraus viel früher erwarteten Zahlungen des Kunden gingen erst in diesem Frühjahr ein.

Die Flaute traf dabei nicht nur das Hamburger Unternehmen: Bei Logistikimmobilien gab es einen extremen Einbruch, stellt Alexander Nehm von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services fest. Die Projektentwickler hätten massiv Jobs und Kapazitäten abgebaut. Auch bei Wohnungen hielten sich die Investoren angesichts der Kreditklemme zurück.

"Es herrschte völliger Stillstand", erinnert sich Alexander Garbe, der schon mit 26 während seines Studiums in London ein Projekt im Wert von 156 Millionen Pfund für die Firma verantwortete. Es war ein Stillstand bei den Kunden und Geschäftspartnern, der die Brüder unruhig werden ließ: Sie durchforsteten die Firma auf eigene, hausgemachte Fehler und stießen mithilfe einer Unternehmensberatung auf Handlungsbedarf, schildert der jungenhaft wirkende Manager, der gerade Vater geworden ist: "In 45 Jahren hatten wir ordentlich Speck angesetzt." Positionen doppelt besetzt. Und Strukturen aufgebaut, die Entscheidungen verzögerten. Darunter habe auch die heute insbesondere von Banken geforderte Transparenz gelitten. "Es war höchste Zeit, etwas zu ändern."

20 Mitarbeiter hat die Garbe Group seit dieser Zeit entlassen. Die Umstrukturierungen erlaubten sogar betriebsbedingte Kündigungen, obgleich es dem Unternehmen jetzt wieder gut geht. Der Abbau traf etliche Beschäftigte vornehmlich in der Verwaltung, die zum Teil schon über Jahrzehnte den Erfolg ihres Arbeitgebers mitbestimmt hatten. "Es war eine sehr schwere Zeit auch für unsere Familie", sagt Alexander Garbe über die zurückliegenden Wochen.

Doch langsam sind die dunklen Wolken über das Unternehmen in der HafenCity hinweggezogen. Die ausstehenden Gelder sind eingegangen, die Zeit der Verluste ist überstanden. Anlass für die Familie, nach vorne zu blicken: "Eines haben wir aus der Krise gelernt: Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir können", sagt der Sohn des Gründers, der sich in der Nachkriegszeit mit dem Bau von Wohnhäusern in Norddeutschland selbstständig gemacht hatte. "Wir haben bei Immobilien eine lange Historie, dafür sind wir bekannt, das können wir." Denn zwischenzeitlich hatte Garbe auch eine Fondsgesellschaft gegründet, die 2009 ebenfalls "nicht so lief, wie wir uns das erhofft hatten". Zwar hatte die Tochterfirma einen durchaus sinnvollen Hintergedanken - mit ihr konnte Garbe Geld für die Immobilien sammeln, ohne sich zu sehr von den heute zögerlich agierenden Banken abhängig zu machen. "Doch dieses Geschäft wird für uns nicht mehr sein als ein Vehikel, wir werden uns auf die Immobilien konzentrieren und nicht auf den Finanzmarkt", sagt der Junior.

Angesichts der besseren Geschäfte im ersten Quartal rechnet Alexander Garbe für 2010 mit einem stabilen Umsatz von rund 600 Millionen Euro. Damit seien auch die gut 300 verbleibenden Arbeitsplätze, davon mehr als 200 in Hamburg, wieder sicher. Auch Firmengründer Bernhard Garbe, den es zuweilen noch in sein Büro in dem gläsernen Bau gegenüber der Elbphilharmonie zieht, wird sich wieder entspannen können, wird die Spiele seines Lieblingsvereins HSV ansehen oder sich seiner Kunstsammlung widmen können.

"Wir haben mehrere Hundert Wohnungen in Hamburg in der Planung. Und es herrscht ein großer Bedarf", sagt sein Filius Alexander. Im ersten Jahr der Führung in den Händen der neuen Generation werden seine Söhne es schon richten. Ganz im Sinne eines typisch hanseatischen Familienunternehmens.