Kommentar

Gemeinsam bauen für eine neue Stadt

Jahrzehntelang entstand in feinster städtischer Lage - am Hafenrand wie auch im Zentrum - ein Geschäftsquartier nach dem anderen. Zugleich wuchs der Mangel vor allem an zentrumsnahen Wohnungen für Menschen mit geringeren Einkommen. Von Wohnungsnot in Hamburg zu sprechen, mag nicht ganz korrekt sein. Doch die Infrastruktur für ein sozial ausgewogenes Wohnen auch in der Mitte der Stadt war von der Politik lange Zeit vernachlässigt worden.

Geschäftsquartiere hochzuziehen, sie zu verkaufen, möglichst teuer zu vermieten oder zunächst einfach abzuschreiben, ist ungleich einfacher, als Mietwohnungen zu bauen und zu betreiben. So ging dem Wohnungsbau manch kostbare Fläche verloren.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und sein Senat wollen alte Versäumnisse mit Elan korrigieren. Doch die politische Initiative muss von vielen Seiten mit Leben gefüllt werden. Die Stadt selbst muss bezahlbare Grundstücke für einen verstärkten sozialen Wohnungsbau verkaufen. Die Bezirke müssen ihre Zusagen einlösen, indem sie Baurecht schaffen und im Zweifel Flächen für Wohnraum umwidmen.

Letztlich werden die Bürger an vielen Stellen abwägen müssen, ob sie einen Neubau mit einem Bürgerbegehren aufzuhalten oder zu stoppen versuchen. Ärger über Baulärm und Furcht vor Veränderung stehen in solchen Konfliktfällen gegen das Grundbedürfnis auf zeitgemäßen und bezahlbaren Wohnraum.

Der Wohnungsbau in Hamburg wird in den kommenden Jahren ein entscheidendes Zeugnis dafür liefern, ob das Gemeinwesen in dieser Stadt funktioniert. Denn es funktioniert nur, wenn alle es gemeinsam gestalten.