Karstadt-Rettung wackelt trotz Vertrags

Beschäftigte durchleiden ein Wechselbad der Gefühle. Privatinvestor Berggruen muss sich mit Vermietern noch über Mietzahlungen einigen

Hamburg. Das weitere Bangen um die Zukunft des Karstadt-Konzerns hat die Hamburger Beschäftigten gestern in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt. Nach dem Zuschlag für den Privatinvestor Nicolas Berggruen war die Erleichterung in den elf Warenhäusern der Stadt zunächst groß. "Nach mehr als einem Jahr des Zitterns geht es jetzt hoffentlich wieder aufwärts", sagte der Geschäftsführer von Karstadt an der Mönckebergstraße, Werner von Appen, dem Abendblatt. "Unseren Mitarbeitern fällt ein Stein vom Herzen." Der Wandsbeker Betriebsratsvorsitzende Jürgen Gehring betonte, das Konzept Berggruens sei das beste für Karstadt, da es keine Opfer der Beschäftigten verlange.

Kaufvertrag für Karstadt ist an Bedingungen gekoppelt

Doch schon am Nachmittag zeigte sich wieder ein Fragezeichen hinter der Rettung des Unternehmens. Der Investor Berggruen unterzeichnete zwar den Kaufvertrag, allerdings ist dessen Umsetzung an eine wesentliche Bedingung gekoppelt: Der Milliardär muss sich mit den Vermietern der Warenhäuser über die künftigen Mietkosten einigen, was bisher nicht gelungen ist. Andernfalls droht der Kette mit rund 25 000 Beschäftigten doch noch die Abwicklung.

Das Vermieterkonsortium Highstreet unterstrich, bislang gebe es keine Übereinkunft mit dem Investor, der sein Konzept an Mietnachlässe gekoppelt hat. Werde das Angebot Highstreets nicht angenommen, drohe Karstadt die Zerschlagung, sagte ein Sprecher des Konsortiums um die Investmentbank Goldman Sachs, dem zwei Drittel der 120 Karstadt-Warenhausimmobilien gehören. Dazu zählt unter anderem auch das Haupthaus in der Hamburger Mönckebergstraße.

Berggruen und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg setzten gestern zunächst ihre Unterschriften unter einen notariellen Kaufvertrag, der gleich mehrere aufschiebende Bedingungen enthält. Unter anderem muss das Kartellamt der Übernahme zustimmen. Dies gilt aber nicht als Hindernis, da Berggruen bisher nicht im deutschen Warenhausgeschäft engagiert war. Schwerer zu erfüllen scheint dagegen die Bedingung, "eine abschließende Vereinbarung des Käufers mit dem Vermieter Highstreet" zu treffen. Görg appellierte: "Alle Gläubigergruppen müssen sich ihrer sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung bewusst sein." Weitere Bedingung für ein Überleben Karstadts ist ein Verzicht der Kommunen mit Karstadt-Häusern auf die Gewerbesteuer. Görgs Sprecher betonte, er gehe davon aus, dass dies erreicht sei.

"Highstreet ist bereit zu weiteren Mietsenkungen von 230 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, zusätzlich zu dem bereits im Insolvenzplan zugesagten Sanierungsbeitrag von 160 Millionen Euro über drei Jahre", betonte ein Highstreet-Sprecher. "Wenn das für alle Bieter geltende Angebot zu Mietsenkungen nicht angenommen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Liquidation von Karstadt erheblich", fügte er hinzu. "Eine Einigung mit Highstreet ist Kernbestandteil, um Karstadt zu retten." Berggruens Sprecher kündigte Gespräche über die Mieten für die kommenden Tage an.

Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius hatte einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Dokument zufolge am Montag vorgeschlagen, die Mindestmieten für 2010 von derzeit rund 250 Millionen Euro auf 210 Millionen Euro zu senken. 2011 und 2012 sollen sie dann bei je 211 Millionen Euro liegen. Bis 2018 sollen sie dann wieder auf das frühere Niveau von 250 Millionen Euro anziehen.

Dibelius fordert zudem, dass keine Warenhäuser geschlossen werden dürfen. Im Umfeld der Bieter gab es zudem gegensätzliche Aussagen dazu, ob Berggruen Filialschließungen plant. An einer Stelle hieß es, zehn Warenhäuser seien gefährdet, darunter das Oberpollinger in München. An anderer Stelle hieß es, Berggruen wolle eine Option in den Mietverträgen, Häuser schließen zu können, wenn sie durch hohe Verluste die Existenz des ganzen Konzerns gefährdeten. "Es sind keine Schließungen von Häusern geplant", betonte dagegen ein Sprecher Berggruens.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Berggruen und Triton

Der Gläubigerausschuss hatte dem Milliardär Berggruen am Montag den Zuschlag für Karstadt gegeben. Neben ihm buhlten auch das Vermieterkonsortium Highstreet selbst sowie der Finanzinvestor Triton um die Warenhauskette. Es habe ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" zwischen Berggruen und Triton gegeben, hieß es im Umfeld der Gläubiger. Berggruen habe sich dann aber mit Unterstützung der Gewerkschaft Ver.di durchgesetzt. Berggruen hat rund 70 Millionen Euro für Karstadt geboten und will binnen drei Jahren etwa 240 Millionen Euro investieren. Highstreet soll sich bei der Abstimmung der Gläubiger enthalten haben.