HHLA: Containerterminal Burchardkai vor Umbruch

Niedrigere Löhne für sichere Jobs

1000 Arbeiter sollen auf Zuschläge verzichten, damit Firma Millionen spart. Vorstand will auf Jobabbau verzichten.

Hamburg. Bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) beginnt heute um 13 Uhr eine entscheidende Betriebsversammlung. Personalvorstand Heinz Brandt wird dabei nach Informationen des Abendblatts erstmals den rund 1000 Mitarbeitern gemeinsam die neue Strategie für den Burchardkai, das größte Hamburger Containerterminal, erläutern. Sie fußt auf einem Eckpunktepapier, das dem Abendblatt vorliegt. Über die darin vorgesehenen Bedingungen haben der Vorstand, die Gewerkschaft Ver.di und der Betriebsrat als Antwort auf den Einbruch im Containerumschlag um fast 33 Prozent im vergangenen Jahr verhandelt. "Ein grundlegender Umbau ist notwendig", sagt Brandt, "und wir werden uns nicht davon abbringen lassen."

Kern der Neuordnung ist, dass die Wochenenden künftig wie schon beim HHLA-Terminal Altenwerder und beim Konkurrenten Eurogate in die Kernarbeitszeit einbezogen werden. Auf dem Burchardkai kommen dagegen bisher nur Freiwillige zwischen Sonnabend 14 Uhr und Montagfrüh um 6 Uhr zur Schicht. Die Mehrarbeit, für die der Stundenlohn von 20,80 Euro um 50 Prozent aufgestockt wird, bringt den Beschäftigten durchschnittlich 300 Euro brutto mehr im Monat. Auch 500 bis 600 Euro sind drin. Kosten im Millionenbereich, die Brandt durch die Neuregelung verringern will.

"Die Lohneinbußen sehe ich dabei durchaus", sagt der Personalvorstand. Doch die gleichmäßige Verteilung der Arbeit am Sonnabend und Sonntag auf die gesamte Belegschaft statt auf wenige Freiwillige sichert nach seiner Rechnung 110 Arbeitsplätze. Auch darauf kommt es dem HHLA-Management an.

Denn nach dem Ablauf der Beschäftigungssicherung Mitte 2011 wird selbst bei anziehender Konjunktur von einem Überhang von 300 Stellen am Burchardkai ausgegangen. Hintergrund dafür sind die steigende Produktivität der Anlage, die gerade für mehr als 100 Millionen Euro modernisiert wird, und Einstellungen aus dem Jahr 2008, die noch auf den Containerboom zugeschnitten waren.

Neben der Neuverteilung der Arbeitszeit sieht Brandt eine weitere Möglichkeit, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Allein auf dem Burchardkai könnten künftig bis zu 250 Mitarbeiter für vier Jahre in die Altersteilzeit geschickt werden. Sie würden zwei Jahre voll und zwei Jahre gar nicht arbeiten. Ihre Löhne würde die HHLA auf 85 Prozent des Nettoverdienstes aufstocken. "Wenn ein Großteil der Betroffenen dazu bereit ist, wäre der Stellenabbau sozialverträglich gelöst", sagt Brandt. Dann könnte eine Beschäftigungssicherung bis ins Jahr 2014 vereinbart werden.

Die Stimmung auf dem Terminal ist jedoch mehr als angespannt. Bereits seit Freitag absolvieren die Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift. Am Terminaleingang hat die Geschäftsführung im Gegenzug eine Tafel platziert, auf der auf die niedrige Leistung während der Schichten hingewiesen wird. "Die Kunden sind unzufrieden. Wir treffen Vorkehrungen zur Verlagerung von Umschlag", steht dort weiter. Brandt jedoch ist fest entschlossen, sein Konzept durchzusetzen und rechnet bis April mit einer Einigung.

Immerhin kommen die Beschäftigten auf dem HHLA-Terminal auf einen Jahresverdienst von durchschnittlich 50 000 Euro. Zudem stehen ihnen nach dem Hafentarif als Ausgleich für nicht ausgezahlte Lohnerhöhungen bei der Umgestaltung von der 40- auf die 35-Stunden-Woche jährlich neben sechs Wochen Urlaub weitere 30 bezahlte freie Tage zu. "Diese grundlegenden Tarifregelungen stellen wir nicht infrage", versichert Brandt.

Steht das neue Konzept, könnte auch die bereits angepeilte Zusammenlegung mit dem HHLA-Terminal Tollerort beginnen. Umschlagmengen ließen sich zum Burchardkai verlagern. Der Tollerort solle künftig "bedarfsgerecht genutzt werden", hatte die HHLA bisher mitgeteilt. Infrage kämen etwa Windkraft oder auch Logistikaktivitäten außerhalb des Containerumschlags. Verhandlungen darüber dürften aber erst angesetzt werden, wenn eine Lösung für den Burchardkai gefunden ist.