Kommentar: Europa in der Schuldenfalle

Der Zahltag rückt näher

Die Börsianer zittern bereits. Und die Devisenhändler werden ebenfalls nervös. Der Deutsche Aktienindex hat seit Jahresbeginn fast zehn Prozent an Wert verloren, der Euro büßt fast täglich an Wert gegenüber dem Dollar ein.

Die Börsianer zittern bereits. Und die Devisenhändler werden ebenfalls nervös. Der Deutsche Aktienindex hat seit Jahresbeginn fast zehn Prozent an Wert verloren, der noch vor wenigen Monaten so starke Euro büßt fast täglich an Wert gegenüber dem Dollar ein. Europas Wirtschaft steckt in einer Vertrauenskrise. Die hohen Schulden in Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien erdrücken die Ökonomie eines ganzen Kontinents. Gerade wollte Europa sich wieder aufraffen, die Finanzkrise abhaken, nach neuem Wachstum streben - da geht das Gespenst der Staatspleiten um. Muss Athen bald Konkurs anmelden? Bricht gar die Eurozone auseinander?

Vieles spricht dafür, dass Griechenland seine Haushaltsprobleme nicht alleine in den Griff bekommen wird. Zwar hat sich Athen zu weitreichenden Sparanstrengungen gegenüber der EU-Kommission verpflichtet. Doch schon jetzt begehrt das griechische Volk gegen seine Regierung auf, obwohl die Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben noch gar nicht richtig begonnen haben. Aufstände bis hin zum Staatsstreich sind wahrscheinlich, sollte Athen tatsächlich den sozialen Kahlschlag durchführen, der mit Blick auf die Haushaltskrater notwendig wäre. Die Regierung dürfte vorher die Reißleine ziehen, in Brüssel den Offenbarungseid ablegen. Und dann?

Selbstverständlich werden andere EU-Staaten helfen, dem Partner zu Seite springen und griechische Staatsanleihen zu moderaten Zinsen kaufen, damit die Eurozone nicht auseinander fliegt. Ein gefährliches Spiel, das damit in Gang gesetzt wird. Denn wer ist der nächste, dem man nach dem ersten Sündenfall unter die Arme greifen muss? Portugal? Irland? Spanien?

Der Zahltag für die Schuldenpolitik der Vergangenheit rückt näher.