Staatsbankrott befürchtet

Finanzmärkte beunruhigt wegen Verschuldung in Griechenland

Hamburg. Am Finanzmarkt wächst die Sorge, dass die Konjunkturerholung wegen der Probleme in Griechenland ins Stocken geraten könnte. Der wichtigste deutsche Börsenindex Dax gab am Freitag noch einmal um 1,79 Prozent auf 5434,34 Zähler nach. Schon in den vergangenen Wochen hatte er stark nachgegeben. Besonders die Bankenwerte gerieten zuletzt unter Druck. In einer Analyse der Commerzbank heißt es: "Würde Griechenland zahlungsunfähig und kollabierte der Wert seiner Anleihen, dann müssten europäische Banken massive Abschreibungen vornehmen."

Carsten Klude, Chefvolkswirt der Hamburger Privatbank M.M.Warburg hält die Befürchtungen an der Börse indes für übertrieben und warnte vor Panikmache. Er erinnert an die Zeiten, als Griechenland noch nicht Mitglied der Währungsunion war. "Damals mussten die Griechen sieben bis acht Prozent Zinsen für Staatsanleihen zahlen, heute nur gut sechs Prozent", sagte Klude mit Blick auf den Anteil der Zinsen am Staatshaushalt. In Deutschland machten zudem die positiven Aussichten der Unternehmen Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung.

Zugleich befürchten Experten allerdings, dass Länder mit einer hohen Staatsverschuldung auch den Wert des Euro weiter belasten könnten. Zu den Ländern in finanzieller Notlage gehören neben Griechenland auch Portugal, Spanien, Irland und Ungarn.

An den Börsen war der Euro-Kurs am Freitag zeitweise unter den Wert von 1,37 Dollar gefallen. "Das ist für die exportorientierten Firmen in Europa aber eigentlich eine gute Nachricht", so Warburg-Experte Klude. Auch seien die Befürchtungen der Investoren, die Währungsunion könnte auseinanderbrechen, unrealistisch. Die EU-Kommission will nun den betroffenen Ländern beim Haushalt stärker auf die Finger schauen. "Wir beobachten die Situation sehr genau", sagte eine Kommissionssprecherin am Freitag in Brüssel. Sie verwies darauf, dass die EU den Ländern klare Sparvorgaben gemacht habe. Die Kommission hatte am Mittwoch Griechenland ein striktes Sparprogramm mit Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auferlegt.

In dem Mittelmeerland dauern allerdings die massiven Proteste gegen den rigorosen Sparkurs an. Am Freitag setzten Beamte des griechischen Zolls und des Finanzamtes einen 48-stündigen Warnstreik aus Protest gegen die geplanten Kürzungen fort. Am 10. und 24. Februar wollen sich die zwei größten Gewerkschaftsverbände mit Warnstreiks gegen die geplanten Lohnkürzungen wenden.

Zu den Haushaltsdebatten in Portugal, die möglicherweise die Sparpläne der dortigen Regierung durchkreuzen könnten, sagte die Sprecherin: "So wie in jedem anderen Land muss auch in Portugal ein Haushalt beschlossen werden."

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat unterdessen in Asien um Vertrauen in die Sanierung des schwer angeschlagenen EU-Landes geworben. Er verstehe die Zweifel, aber Griechenland werde das Sanierungsprogramm umsetzen, sagte Papandreou in Neu-Delhi.