EADS: Neuer Streit um Militärjet A400M

Prüfer werfen Managern schwere Fehler vor

Tatsächliche Kosten seien "permanent und erheblich" unterschätzt worden. Der Konzern widerspricht.

Hamburg. Kurz vor einem Treffen der Abnehmerländer und der Herstellerfirma des Militärtransporters A400M zur Zukunft des Großprojekts erheben Wirtschaftsprüfer schwere Vorwürfe gegen den Airbus-Mutterkonzern EADS.

Ursache der immensen Kostenüberschreitungen - der ursprünglich vorgesehene Rahmen wird um mindestens fünf Milliarden Euro verfehlt - seien zum überwiegenden Teil Managementfehler, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), das der Zeitung vorliege.

"Wir sind der Überzeugung, dass das Unternehmen keine normale Finanzkontrolle für die Begleitung ihrer Programme besitzt", zitierte das Blatt aus dem Prüfbericht. So seien die tatsächlichen Kosten des A400M-Projekts von EADS "Jahr für Jahr permanent und erheblich" unterschätzt worden. Der im Jahr 2003 geschlossene Vertrag sieht die Lieferung von 180 Maschinen zum Festpreis von 20 Milliarden Euro (Preisstand 1998) vor. Inzwischen liegt das Programm jedoch mehr als drei Jahre hinter dem Zeitplan.

Das vertrauliche Gutachten sei im Auftrag der Abnehmerländer erstellt worden, erklärte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, ohne sich zu den Inhalten zu äußern. Das Papier liege seit Dezember vor. Schon damals waren Daten zu den Mehrkosten in der Presse aufgetaucht.

Brisant für den Herstellerkonzern sind nicht zuletzt die nun zitierten Aussagen zu einem möglichen Projektabbruch: "Den Vertrag nicht zu halten dürfte für EADS die schwerwiegendsten Folgen nach sich ziehen." Denn in diesem Fall könnten milliardenschwere Regressforderungen der Kunden anstehen. Dagegen könne das Unternehmen nach Einschätzung von PwC bei einer Fortführung des Programms Mehrkosten von bis zu 7,6 Milliarden Euro problemlos tragen.

Doch der Flugzeug- und Rüstungskonzern widerspricht dieser Darstellung: "Der Prüfbericht ist dahingehend irreführend, dass EADS die Zusatzkosten allein schultern könnte", sagte ein Firmensprecher dem Abendblatt. Ein hochrangiger EADS-Manager wies zudem darauf hin, man habe "schnell und effizient" in den zurückliegenden knapp zwei Jahren die Programmleitung für den A400M neu aufgestellt: "Das Flugzeug fliegt jetzt."

Airbus-Chef Thomas Enders hatte jüngst mit dem Ausstieg aus dem Projekt gedroht, falls die Kunden nicht bereit seien, einen maßgeblichen Teil der Mehrkosten zu übernehmen. Er werde nicht das gesamte Unternehmen wegen eines einzelnen Rüstungsprojekts in Gefahr bringen, hatte Enders gesagt.

Heute treffen sich in Berlin Spitzenbeamte der A400M-Bestellerländer zu Beratungen mit Managern von EADS. Der Konzern hatte darauf gedrängt, bis Ende des Monats eine Einigung zu finden. Während Frankreich sich zuletzt kompromissbereit zeigte, beharrte Deutschland auf dem Festpreis. Eine mögliche Lösung könnte aber auch darauf hinauslaufen, zunächst weniger Flugzeuge als ursprünglich bestellt zu liefern oder die zugesagten Leistungen herunterzuschrauben.