Banken

Panne mit EC-Karten: Die Chips erkennen das Jahr 2010 nicht

Hamburg. Für Hunderte von Hamburgern brachte die erste Einkaufstour im neuen Jahr eine böse Überraschung: "Mit Ihrer EC-Karte ist etwas nicht in Ordnung", mussten sie beim Bezahlen an der Kasse hören. Andere konnten mit der Karte kein Geld am Bankautomaten abheben. "Vorgang abgebrochen" hieß es dann nur. Kunden zahlreicher Banken ging es so - nicht nur in Deutschland.

Wie viele Karteninhaber bundesweit von den Schwierigkeiten betroffen sind, weiß man beim Zentralen Kreditausschuss (ZKA), dem Dachverband der deutschen Kreditwirtschaft, bis zur Stunde nicht genau. "Wir gehen aber davon aus, dass die Millionengrenze erreicht wird", sagte ein ZKA-Sprecher dem Abendblatt. Insgesamt wurden nach seinen Angaben in Deutschland rund 94 Millionen EC-Karten und 26 Millionen Kreditkarten ausgegeben. Etwa 60 Prozent dieser Karten sind mit dem neuartigen, sogenannten EMV-Chip ausgestattet, der vor allem für mehr Sicherheit sorgen soll (siehe Kasten) - und nur bei einigen von ihnen kam es zu Problemen. "Die Mehrzahl der in Umlauf befindlichen Karten sind von dem Akzeptanzproblem jedoch nicht betroffen", teilte der ZKA mit. "Ein Sicherheitsrisiko bestand zu keinem Zeitpunkt."

Ausgelöst wurde der Ärger von einem Programmierfehler in den EMV-Chips eines bestimmten Produktionstyps, sagte der ZKA-Sprecher. Deren Software habe die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten können. "Die meisten Händlerterminals an den Kassen arbeiten aber auch mit diesen Karten fehlerfrei", hieß es.

Allerdings blieben einige Banken und Sparkassen offenbar ohnehin komplett oder wenigstens weitgehend von den Schwierigkeiten verschont. "Unsere Kunden waren nicht betroffen", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bank dem Abendblatt. Bei der Hamburger Volksbank waren bis gestern Nachmittag ebenfalls keinerlei Probleme bekannt geworden.

Kunden der Haspa konnten nach Angaben der Sparkassensprecherin Stefanie von Carlsburg an den Bankautomaten der Haspa ohne jede Einschränkungen das gewünschte Geld abheben. "Für Kunden, die sich derzeit im Ausland befinden, richten wir einen Notfallservice ein", so die Sprecherin zum Abendblatt. Man könne sich durch einen Anruf in der heimischen Filiale bis zu 1500 Euro bereitstellen lassen.

Während die Geldautomaten inzwischen flächendeckend umgestellt sein sollten, kann es auch in den nächsten Tagen laut ZKA noch vereinzelt Schwierigkeiten beim Bezahlen an Händlerterminals geben. "Alle beteiligten Stellen arbeiten mit Hochdruck daran, auch dies durch eine neue Konfiguration der Lesegeräte wieder überall zu ermöglichen", hieß es.

Noch unklar ist, was mit den fehlerhaften Karten geschehen soll. "Ein Austausch steht derzeit noch nicht zur Debatte", sagte der ZKA-Sprecher. Möglicherweise könne der Softwarefehler zentral behoben werden, teilte dazu die Commerzbank mit.

Erst im November hatte ein mögliches Datenleck die deutschen Banken dazu veranlasst, den Austausch von mehreren Hunderttausend Kreditkarten zu prüfen, mit denen die Kunden in den Monaten zuvor in Spanien bezahlt hatten. Der Umtausch einer Karte koste die Bank zwischen fünf und zehn Euro, hieß es dazu.