Strategie: Hohe Investitionen in die Forschung

Mit Erfindungen die aktuelle Krise meistern

Ob Beiersdorf oder Airbus: Hamburger Unternehmen setzen gerade in schwierigen Zeiten auf neue Patente.

Hamburg. Stillstand ist für Airbus ein Fremdwort. Europas größter Flugzeugbauer tüftelt stets an neuen Techniken. "Durch neue Materialien versuchen wir unsere Flugzeuge leichter zu machen, um den Treibstoffverbrauch zu senken", steckt der Hamburger Airbus-Sprecher Tore Prang die Zielrichtung ab. "Innovationen sind für den Konzern so wichtig, dass auch in Krisenzeiten nicht an Forschung und Entwicklung gespart wird".

So will der Flugzeugbauer auch in der aktuell größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten in diesem Jahr rund 230 Millionen in die Fortentwicklung seiner Flugzeugfamilien A320 sowie A330/A340 stecken und 250 Patente anmelden, "etwa so viele wie im Vorjahr". Zu den Neuerungen zähle zum Beispiel das Küchenkonzept Spice-Galley, so Prang: "Mit neuen zusammenklappbaren Speiserollwagen soll an Bord Platz und Gewicht eingespart werden."

Wie bei Airbus ist das Sparen an Forschung und Entwicklung bei den meisten Industriefirmen in der aktuellen Krise offenbar kein Thema. So kann das Deutsche Patent- und Markenamt bisher auch noch keine "gravierenden Auswirkungen" infolge der Krise erkennen, sagt die Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer dem Abendblatt: "Die Eingänge beim Deutschen Patent- und Markenamt bewegen sich erfreulicherweise nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau."

Deutschland muss sich mit seinem Neuerungsdrang seit jeher nicht verstecken. Es gilt zurecht als "Land der Tüftler und Denker", so Rudloff-Schäffer. Der Erfindergeist in der Bundesrepublik werde durch ein gewachsenes System von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung gefördert. "Deutschland gibt bereits über 2,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus und ist dem ambitionierten Ziel von drei Prozent schon recht nahe", sagt die Patentamtspräsidentin. Der Durchschnittswert in Europa liege dagegen nur bei 1,9 Prozent.

Insgesamt gingen 2008 beim Europäischen Patentamt (EPA) mehr als 26 650 Anmeldungen aus Deutschland ein. Davon kamen 1082 Anmeldungen aus Hamburg. Die meisten Neuanmeldungen stammen aus den industriestarken Ländern Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Hamburg belegt in dem Ranking Platz sieben. Dennoch müssen sich die Hanseaten nicht verstecken. Gemessen an der Bevölkerungszahl kamen im Vorjahr auf 100 000 Bürger insgesamt 62 Anmeldungen - und damit lag Hamburg schon auf Platz drei nach Baden-Württemberg (140) und Bayern (108). Schlusslicht der Innovationen war Mecklenburg-Vorpommern mit nur elf Erfindungen.

Bundesweit ist Bosch - der größte Automobilzulieferer der Welt - das Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen (2645 im Vorjahr). Danach folgen mit Abstand der Industriekonzern Siemens (1741) und der Autobauer Daimler (1279). Der größte Patentanmelder aus der Hansestadt ist Airbus (277) sowie Beiersdorf (120).

Unter den Anmeldungen beim Europäischen Patentamt steht Deutschland mit 18,2 Prozent aller 146 600 Einreichungen nach den USA mit 25,5 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Japan mit 15,7 Prozent und Frankreich mit 6,2 Prozent.

Die meisten Patente werden bundesweit seit Jahren im Bereich Fahrzeuge angemeldet. Dabei geht es um Kraftfahrzeugtechnologie und Maschinenbau. Großen Auftrieb erlebten die Solartechnik und Windkraft, berichtet Rudloff-Schäffer. Bei Windkraft legte die Zahl der Anmeldungen sogar um 266 Prozent auf 274 Fälle zu.

Aber auch in der Schönheitsbranche herrscht reger Innovationseifer, wie der Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf weiß. "Forschung gehört bei uns zur Krisenstrategie. Die Ausgaben für Marketing und Forschung schrauben wir auch in schlechteren Zeiten nicht zurück", sagt Beiersdorf-Sprecherin Claudia Fasse. In diesem Jahr platzierte der Konzern bereits mehrere seiner aktuellen Erfindungen als neue Produkte am Markt. Dazu gehört ein Männerdeo, das Bakterien noch vor der Geruchsbildung bekämpft, sowie ein Haarwuchsmittel. Für 2009 will das Unternehmen wieder mindestens so viele Erfindungen anmelden wie im Vorjahr. Insgesamt nutzt Beiersdorf rund 3000 Patente als Basis für seine Produkte. "Mit neuen Produkten müssen wir uns schon jetzt für die Zeit stärken, wenn der Markt sich wieder erholt, um dann weitere Kunden zu gewinnen."