Der Mann, der die Ottifanten auf die Spielekonsole brachte

Christian von Duisburg (40) wurde als Existenzgründer geehrt.

Hamburg. Christian von Duisburg hat früh angefangen: Mit 15 programmierte er seine ersten Computerspiele. „Schon damals stand fest: Ich will Spieleentwickler werden, das ist mein Lebenstraum“, sagt der auf der Ostseeinsel Usedom aufgewachsene Familienvater. Seine Kinderjahre hatte er noch auf dem Wasser im „Opti“ verbracht, er segelte von einem Meistertitel zum nächsten. Als Jugendlicher wechselte er dann das Metier und zog vor den Commodore 64, dem Computerfossil des digitalen Zeitalters. Als erstes Werk entwickelte er schon früh ein einfaches Labyrinthspiel.

Von Duisburgs Leidenschaft hat ihn bis heute zu einem der erfolgreichsten Unternehmer für Computerspiele gemacht. Inzwischen beschäftigt er in seiner Hamburger Firma Snap Dragon Games 40 Mitarbeiter und schätzt seinen Umsatz für das laufende Jahr auf zwei Millionen Euro. Dank der guten Aussichten für die Branche, die mittlerweile auch Kleinstkinder und Senioren in Altenheimen vor die Bildschirme lockt, erwartet von Duisburg für 2010 Erlöse von 3,5 Millionen Euro und rund 15 Neueinstellungen. Er dürfte mit diesen Prognosen das Wachstum der Branche sogar übertreffen, die nur einstellige Zuwächse voraussagt.

Von Duisburg hat Grund zum Optimismus, weil er mit seiner Firma, die in einem lichtdurchfluteten Loftbüro in der alten Pianofabrik in der Schanze sitzt, die ganz Großen der Spielebranche für sich gewinnen konnte: Er darf nach den in der Branche üblichen harten Prüfungen inzwischen Spiele für Nintendo, Sony und Microsoft programmieren. „Wir haben uns auf Spiele für Kinder und Jugendliche spezialisiert und achten nicht nur auf dicke Muskeln, sondern auch auf Köpfchen“, nennt Duisburg das Geheimnis seines Erfolgs.

Beispiel für ein Spiel mit Hintergedanken ist Flugratten, eine Jagd auf Tauben in Hamburg, bei der die Spieler versuchen müssen, das Heine-Denkmal in Hamburg vor dem ätzenden Kot der Vögel zu bewahren. Auch beim neuesten Projekt –einem Spiel zum Kino-Film „Wickie und die starken Männer“ – für den Nintendo DS braucht es etwas Köpfchen, um Wickie mit Rätseln und Geschick dabei zu unterstützen, dass er den Wikingern aus der Patsche hilft.

Aber nicht nur im internationalen Geschäft mit Nintendo, Microsoft und Co., sondern auch vor der eigenen Haustür sorgt von Duisburg für Aufmerksamkeit. Kürzlich beehrte die Firma einer der prominentesten Hamburger: „Otto Waalkes kam zu uns, wie man ihn kennt, in Mantel und Kappe“, erzählt von Duisburg nicht ohne Stolz. Der Komiker brachte sogar Geld mit. Kapital für ein gemeinsames Projekt, ein Spiel mit Ottifanten für die Konsole Wii, das Snap Dragon Games für Otto entwickeln sollte. Mittlerweile stehen die „KaratePhanten“ den Spielern via Download zur Verfügung, seit kurzem sogar in Japan.

Von Duisburg, der den Verkaufserlös seiner vormaligen Internetfirma im Jahr 2006 als finanziellen Grundstock für den Start von Snap Dragon Games einsetzte, ist nach eigenen Angaben der am schnellsten wachsende Anbieter in Hamburg. Und das in einem ambitionierten Umfeld, denn die Hansestadt zählt mit 190 Unternehmen und mehr als 1700 Beschäftigten zu den führenden deutschen Standorten der Branche.

Von Duisburg ist zwar nicht mehr selbst Entwickler. Die Zeit zum Spielen nimmt er sich trotzdem: „Abends ab 23 Uhr, wenn meine Frau und meine kleine Tochter im Bett sind, setze ich mich noch einmal eine Stunde an die Konsole und teste die neuesten Spiele“, sagt er, „und es fasziniert mich bis heute“.