Erfolgsgeschichten aus Hamburg

Bigpoint erobert mit Spielen die Online-Welt

Unternehmer Heiko Hubertz aus Norderstedt hat mit Browsergames eine Marktlücke gefüllt. Aktuell sucht der Gründer 115 neue Mitarbeiter.

Hamburg. Heiko Hubertz widerlegt das Klischee vom Computergenie mit Hornbrille und fettigem Haar. Blanke braune Augen, sportliche Frisur, ein gewinnendes Lächeln - der 33-Jährige aus Norderstedt hat es nicht nötig, sich hinter seinem virtuellen Geschäftsmodell zu verstecken. Auch seine Internetfirma, die er mit nur 27 Jahren gegründet hat, kann sich in der realen Welt sehen lassen. Auf 5500 Quadratmeter hat sich Bigpoint in einem Eppendorfer Klinkerbau ausgebreitet. Lange, helle Flure führen zu den Büros von Entwicklern, Programmierern, Kundenbetreuern, Übersetzern und der übrigen Belegschaft, die auf 280 Köpfe aus 28 Nationen angewachsen ist.

Noch ansehnlicher aber ist die Expansion des Hamburger Unternehmens in der virtuellen Welt: Innerhalb weniger Jahre hat sich Bigpoint bei Online-Computerspielen unter die Weltmarktführer katapultiert. 83 Millionen Menschen aus 25 Ländern sind registriert, um per Tastatur und Kopfhörer in fremde Sphären vorzudringen. Sie fahren virtuelle Formel-1-Rennen, bekämpfen Piraten unter Palmen oder trainieren eine Eishockey-Mannschaft. "Täglich kommen 200 000 Nutzer dazu", sagt Firmengründer und Geschäftsführer Hubertz. Sein Büro ist modern eingerichtet, das knallrote Ledersofa lädt zum Sitzen ein, ein Piraten-Graffito ziert eine Wand. Die Figur stammt aus dem Spiel "Seafight", dem bislang erfolgreichsten Browsergame im Bigpoint-Arsenal. Zehn Leute arbeiten täglich daran, um den Kampf um die Karibik noch spannender zu machen, die Entwicklung kostete 50 000 Euro - das Spielen hingegen ist gratis.

Das Geschäftsmodell von Bigpoint ist simpel: Nutzer loggen sich im Internet unter www.bigpoint.com ein, wählen eines von 30 Browsergames und spielen los, egal, ob mit schneller DSL-Verbindung oder Modem. Zahlen muss nur, wer dank Hilfsmitteln schneller im Spiel vorankommen will. Ein größeres Segel für das Piratenschiff kann 1,99 Euro, eine ganze Yacht hingegen mehrere Hundert Euro kosten. "Nur ein kleiner Prozentsatz der Registrierten zahlt", sagt Hubertz, "der Reiz des Modells ist, dass man sich alle virtuellen Güter auch kostenfrei erspielen kann - es dauert nur länger." Offenbar lohnt sich das Geschäft mit den Ungeduldigen. Der Umsatz hat sich nach Bigpoint-Angaben von Jahr zu Jahr verdreifacht, 2009 erwartet Hubertz Umsätze im dreistelligen Millionenbereich. Angesichts dieser Zahlen verwundert es nicht, dass Branchenriesen aus den USA auf die Hamburger Ideenschmiede aufmerksam wurden. 2008 übernahm das Medienhaus NBC Universal gemeinsam mit dem Finanzinvestor GMT Communication Partners 70 Prozent von Bigpoint für 70 Millionen Euro. Die Investition dürfte sich auszahlen: Experten sehen die kostenlosen Onlinespiele als einen der wichtigsten Wachstumsmärkte der Unterhaltungsindustrie, die Berater von PricewaterhouseCoopers rechnen in den kommenden Jahren mit einem Umsatzplus von elf Prozent.

Auch deshalb investiert Bigpoint weiter in seine Zukunft. Die Entwicklung des neuen Spiels "Poisonville", das den Nutzer in ein amerikanisches Gangstermilieu entführt, kostet rund eine Million Euro. "Unser bislang teuerstes Spiel", sagt Hubertz, "wir wollen uns damit technisch und grafisch so verbessern, dass wir an die Qualität von Konsolenspielen herankommen." Als der Firmengründer im Jahr 2003 gemeinsam mit einem Freund das erste Browsergame für den Privatgebrauch entwickelte, wäre das kaum vorstellbar gewesen. "Ich habe erst zwei Jahre später gemerkt, in welch große Marktlücke wir gestoßen sind", gibt Hubertz zu. "Die Branche ist seitdem schlagartig gewachsen." Ebenso wie Bigpoint, wo derzeit 115 Stellen unbesetzt sind. In allen Bereichen, vom Buchhalter über den Game Designer bis zum Finnisch-Muttersprachler, sucht Hubertz Personal. Dass die Firma sich damit auch räumlich weiter in Eppendorf ausbreiten wird, ist wohl programmiert.