US-Finanzkrise

Wahrheit nur scheibchenweise

Mit tiefen Sorgenfalten schauten gestern Banker, Aktionäre und Journalisten zur Wall Street. Wie würde die weltweit wichtigste Börse eröffnen? Kommt...

Mit tiefen Sorgenfalten schauten gestern Banker, Aktionäre und Journalisten zur Wall Street. Wie würde die weltweit wichtigste Börse eröffnen? Kommt es zum Crash? Der Deutsche Aktienindex war bereits am Vormittag in die Knie gegangen. Das US-Börsenbarometer Dow Jones verlor in der Spitze drei Prozent. Viele Experten hatten Schlimmeres erwartet. Doch Äußerungen von Analysten, mit der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem Verkauf des Konkurrenten Merrill Lynch an die Bank of America habe die Finanzmarktkrise ihren Höhepunkt überschritten, sind nicht mehr als Kaffeesatzleserei.

Allzu oft haben vermeintliche Experten die Krise in den vergangenen Monaten bereits für beendet erklärt, doch es kam immer schlimmer: Bear Stearns, Citigroup, Northern Rock, UBS, SachsenLB, IKB, Fannie Mae, Freddie Mac ... Die Liste der Geldhäuser, die sich im Zuge der US-Hypothekenkrise an den internationalen Finanzmärkten kräftig verzockt haben, wurde fast im Wochentakt länger.

Statt die aktuell prekäre Lage schönzureden, sollten Politiker und Aufsichtsbehörden den Bankern rund um den Globus neue Regeln geben. Solange Wertpapiere in Bilanzen nach Gutdünken abgeschrieben werden dürfen, muss sich niemand darüber wundern, dass die Wahrheit über die Folgen der Finanzkrise nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit kommt. Zudem muss der Staat Finanzmarktgeschäften, die an Zockerhallen und nicht an seriöse Geldhäuser erinnern, einen Riegel vorschieben. Und die externe Aufsicht über Bankgeschäfte muss - vor allem in den USA - drastisch verschärft werden. Schließlich hantieren die Banker nicht mit ihrem eigenen Geld.

Der Weg zu einem globalen Finanzmarkt mit neuen Regeln ist lang und steinig. Doch die aktuelle Hypothekenkrise zeigt - man muss ihn gehen.