Immer mehr Deutsche machen Gold zu Geld

| Lesedauer: 2 Minuten
Melanie Wassink und Michael Winkelmann

Ob Ringe, Ketten oder Zahnkronen: Bei den Juwelieren wandert seit einigen Wochen zunehmend Goldschmuck über die Ladentische - und zwar vom Kunden zum Juwelier.

Hamburg. Viele Verbraucher tragen alten Schmuck in die Geschäfte, um vom anhaltend hohen Goldpreis zu profitieren. "Die Juweliere melden dabei einen Zuwachs von etwa 40 Prozent", sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) in Köln.

Erkan Say vom Goldstübchen in Wandsbek beobachtet sogar ein Plus von 75 Prozent bei ihren Kunden. "Viele haben sich vorher gar nicht um ihre Bestände gekümmert und erinnern sich jetzt durch die Berichte über den hohen Goldpreis an ihre Schätze", sagt Say.

Auch bei Ebay beobachten Nutzer eine starke Zunahme der An- und Verkäufe von Gold. Profis und Privatleute bieten bei dem Internetauktionshaus für Silberschalen oder Besteck und verkaufen die Waren aus Edelmetallen dann mit Gewinn an Scheideanstalten. Die Haspa meldet eine leichte Zunahme bei der Rücknahme von Goldmünzen wie Krügerrand.

Denn seit Wochen erreicht der Goldpreis immer neue Rekorde und steht derzeit bei rund 600 Euro je Feinunze (31,1 Gramm). "Wer da Goldteile verkauft, macht in der Regel einen richtig guten Gewinn", sagt Fischel. Der Besitzer könne in manchen Fällen das Doppelte des ursprünglichen Kaufpreises erhalten. Ralf Markowski, Inhaber des Schmuckgeschäftes Arnold in den Colonnaden, berichtet, dass alle Alters- und Berufsgruppen unter den Kunden vertreten sind, die Schmuck verkaufen. "Viele Kunden bringen mir Schmuck von Eltern oder Großeltern, den sie nicht mehr tragen wollen", sagt Markowski.

Den Schmuck liefern auch die Juweliere meist an eine Scheideanstalt, wo er eingeschmolzen wird. "Die Aufträge haben massiv zugenommen", sagt etwa Regina Rudorfer von der Gold- und Silber-Scheideanstalt Schäfer in Pforzheim. "Manchmal kommen wir mit dem Auspacken der Pakete gar nicht nach." Alles müsse sehr schnell gehen, um den guten Goldkurs zu nutzen. "Vormittags ist es ganz extrem, da wird bei uns nur telefoniert", berichtet Rudorfer. "Aufkäufer und Juweliere informieren sich über die aktuellen Metallpreise und rufen bei uns an, um den Preis zu fixieren." Sobald das Material eingetroffen ist, werde es geschätzt. "Dann bekommt der Aufkäufer eine Blitzüberweisung, damit er mit dem Geld erneut etwas kaufen kann." Wie lange das Goldhoch noch andauern wird, darüber mag weder Rudorfer noch Verbandschef Fischel spekulieren. Deshalb solle man "die Gunst der Stunde nutzen", meinen beide.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft