Airbus: A380-Tragflügel sind bereits überarbeitet

Hamburg. Airbus hat die Tragflächen des A380 bereits in den Monaten vor dem fehlgeschlagenen Belastungstest überarbeitet. Flügel, die heute gebaut werden, seien nicht identisch mit denen des Testobjekts: "Im Rahmen des Entwicklungsprogramms fließen laufend Änderungen in das Produkt ein", sagte Firmensprecher David Voskuhl dem Abendblatt.

Am Donnerstag vergangener Woche war bekanntgeworden, daß bei einem Biegeversuch in Toulouse der A380-Flügel nicht wie vorgeschrieben dem 1,5fachen der maximalen Last, die im Flug auftreten kann, standgehalten hatte. Bereits beim 1,45fachen dieser Belastung hatten sich Risse gebildet.

Für den Versuch verwendet hatte Airbus die sogenannte "Bruchzelle". Dies ist ein unvollständiger A380-Rumpf mit Tragflächen, der nur für diese Belastungstests gebaut wurde und ohnehin nie abheben sollte. Er wurde produziert, bevor Airbus im Frühsommer 2004 mit dem Bau des ersten flugfähigen Testjets begann.

"Wir analysieren jetzt zusammen mit der Zulassungsbehörde EASA die Resultate des Belastungstests", sagte Airbus-Sprecher Voskuhl. "Wir sind aber zuversichtlich, daß wir die Musterzulassung bis Ende des Jahres erhalten." Dies wäre die Voraussetzung dafür, wie geplant noch vor Jahresende ein erstes Flugzeug für den Liniendienst an den Kunden Singapore Airlines ausliefern zu können.

"Für uns gilt weiter der Zeitplan, der eine Zulassung noch im Jahr 2006 vorsieht", sagte dazu Daniel Höltgen, Sprecher der EASA in Köln, dem Abendblatt. Bisher sei nicht geklärt, ob der Belastungstest wiederholt werden muß. Klar sei nur: "Die Arbeit ist sicher nicht weniger geworden." Man dürfe den Fehlschlag aber auch nicht überbewerten: "Das ist keine Katastrophe." Von dem geforderten Sicherheitsstandard werde man jedoch nicht abweichen. "An dem nachzuweisenden Wert von 1,5 gibt es nichts zu rütteln", so Höltgen.

Airbus hätte, wie es in der Branche heißt, mehrere Möglichkeiten, die Forderung zu erfüllen. Eventuell sei eine Konstruktionsänderung an den Tragflächen nötig. Sollte der Flugzeugbauer aber beispielsweise seit der Produktion der "Bruchzelle" das Material geändert haben, dann könne auch eine Kombination aus Simulationen und Materialversuchen ausreichen. Der Analyst Stephan Klepp von der Landesbank Rheinland-Pfalz, der die Aktie der Airbus-Muttergesellschaft EADS beobachtet, hat noch eine weitere Variante ins Gespräch gebracht: Nach seinen Angaben könnte Airbus das Flugzeuggewicht für den A380 zunächst einschränken und so eine Vorab-Zertifizierung erreichen. Dann hätte der Hersteller Zeit für die nötigen Nachbesserungen, ohne daß der Zeitplan für die Zulassung aus den Fugen geriete.

Tatsächlich müssen die Flügel bei einem so riesigen Jet wie dem A380 enorme Lasten tragen. Zusammen haben sie eine Fläche so groß wie drei Reihenhausgrundstücke, jeder einzelne der in Großbritannien gebauten Flügel ist an der Vorderkante 43 Meter lang. Zusammen müssen sie in der Luft nicht nur die Masse eines vollbeladenen A380 von maximal 590 Tonnen tragen können. Im extremen Kurvenflug oder beim Hochziehen aus einem steilen Sinkflug ist der Jet bis zum zweieinhalbfachen der normalen Erdbeschleunigung ausgesetzt - er ist dann scheinbar 1475 Tonnen schwer.