Elbvertiefung soll 2007 beginnen

Containerriesen: 80 Schiffe befinden sich im Bau, für die der Fluß zu flach ist. Hafenbehörde macht Druck. Nach ersten Voruntersuchungen sei das Ausbaggern ökologisch vertretbar.

Hamburg. Die Fahrrinne der Elbe soll nach den Plänen der Hamburger Hafenbehörde bis Ende 2009 um einen Meter tiefer werden. Die ersten Voruntersuchungen hätten ergeben, daß die Elbvertiefung aus hydrologischer Sicht machbar, hochwasserneutral und ökologisch vertretbar sei, sagte Jörg Oellerich von der Hamburg Port Authority.

Der Antrag auf ein Planfeststellungsverfahren soll im ersten Halbjahr 2006 gestellt werden, so daß Ende 2007 die Baggerarbeiten beginnen könnten. Gegenwärtig laufen mehrere begleitende Untersuchungen zu den Auswirkungen der Maßnahme auf Natur, Umwelt, Hochwasserschutz und Deichsicherheit.

Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) hatte unlängst Niedersachsen und Schleswig-Holstein zur Unterstützung bei der Elbvertiefung aufgefordert. Es müsse Schluß sein, daß er allein wie ein Wanderprediger durch die Lande ziehe und für die Vertiefung kämpfe. "Wenn die Elbvertiefung nicht kommt, dann sieht es ganz schlecht aus für die Wirtschaft in Schleswig-Holstein und Niedersachsen."

Die tiefere Elbe ist nach Ansicht der Hamburger Hafenwirtschaft und des Senats notwendig, damit auch die größten Containerschiffe den Hafen anlaufen können. Gegenwärtig sind weltweit rund 80 Schiffe im Bau, die einen Tiefgang von 14,50 Metern erreichen können; einen Meter mehr, als die Zufahrt zum Hamburger Hafen zuläßt.

Die Containerriesen mit einer Tragfähigkeit von mehr als 8000 Standardcontainern (TEU) markieren die vorerst letzte Stufe in der Entwicklung der Containerschiffsgrößen. Nach Ansicht von Experten ist damit zunächst einmal das Ende der Fahnenstange erreicht.

Für die Elbvertiefung müßten rund 38 Millionen Kubikmeter Sand und Schlick aus dem Flußbett gebaggert werden, die anschließend überwiegend im Bereich der Elbmündung wieder ins Wasser gepumpt werden. Die Maßnahme kostet nach vorsichtigen Berechnungen rund 320 Millionen Euro, von denen Hamburg 80 Millionen Euro und der Bund 240 Millionen Euro tragen müßten.

In der alten Bundesregierung war die Elbvertiefung zwischen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) umstritten. Trittin wollte das knappe Steuergeld lieber für die Entwicklung des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven ausgeben und plädierte für eine enge Kooperation der Häfen. Das hatte die Hamburger Hafenwirtschaft abgelehnt, da sich die Reeder nicht ihre Umschlaghäfen vorschreiben ließen. Nun erwarten die Hamburger Umschlagbetriebe mit Spannung, wie sich die nächste Bundesregierung zu dem Thema verhält.

Die Elbvertiefung ist nach Ansicht des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) unbedingt erforderlich, um Hamburg unter den Top Ten der weltweit größten Containerhäfen zu halten. "Es geht schlicht um die Frage, ob Hamburg ein Welthafen bleiben möchte oder sich aus dieser Liga verabschieden wird", sagte ISL-Direktor Manfred Zachcial.

Nach der Prognose seines Instituts werde der Containerumschlag in Hamburg von rund acht Millionen TEU in diesem Jahr auf 18 Millionen TEU im Jahr 2015 steigen. "Wenn die Elbe nicht vertieft wird, werden diese Prognosen aber nicht zu halten sein", sagte Zachcial.

Wirtschaftssenator Uldall sieht die Entwicklungsmöglichkeiten für den Hamburger Hafen vor allem im Osten. Die deutsche Wiedervereinigung habe die Hansestadt nicht nur zum größten Hafen für Ostdeutschland gemacht, sondern auch zum "größten polnischen, tschechischen oder ungarischen Hafen", sagte der Senator in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die aus der Vereinigung gewonnenen Vorteile müsse die Stadt weiter ausschöpfen und ausbauen. Dabei denkt Uldall neben einem Schulterschluß Hamburgs mit dem Baltikum und Nordwestrußland auch generell an den Ostseeraum, der sich als Wirtschaftsraum immer stärker entwickelt.

"Hamburg ist westlichster Hafen der Ostsee, daher ist eine natürliche Verbundenheit mit der dortigen Entwicklung gegeben", sagte der Senator. "Und all dies wäre ohne die Wiedervereinigung nicht so gekommen."