"Hamburg ist meine zweite Heimat"

Liu Meng, eine Frau in der Schaltzentrale der chinesischen Containerlinienschiffahrt

Liu Meng (38) arbeitet an einem Ort, der hamburgischer und doch weltoffener kaum sein kann: in der Admiralitätsstraße, dem angestammten Revier der Schiffsmakler, Reeder und Spediteure zwischen Rödingsmarkt, Ost-West-Straße und Baumwall. Als Management-Assistentin bei China Shipping Europe unterstützt die gebürtige Chinesin ihren Landsmann Yu Zenggang, den Geschäftsführer des Unternehmens. Es gehört zur Hälfte der Hamburg/Bremer Firmengruppe Peter W. Lampke sowie der China Shipping Group mit Sitz in Shanghai. Letztere beschäftigt weltweit 43 000 Mitarbeiter. Mit 70 Angestellten sorgt das Hamburger Tochterunternehmen dafür, daß pro Jahr mehr als 120 000 Container in der Hansestadt umgeschlagen werden.

"Seit 16 Jahren ist Hamburg meine zweite Heimat", sagt Liu Meng in erstklassigem Deutsch. 1988 kam sie aus Peking, wo ihre Mutter als Grundschullehrerin und ihr Vater als Diplomat arbeiten, nach Deutschland, um an der Universität Hamburg Indologie (indische Sprache und Kultur) zu studieren; mit Magister-Abschluß.

Zwischendurch arbeitete sie als Stadtführerin für chinesische Gäste, unter anderem im Auftrag der Hamburger Messe-Gesellschaft. Über eine befreundete Schiffsmaklerin kam sie 1999 zur ein Jahr zuvor gegründeten China Shipping Europe. Hier kann Liu Meng ihre Sprachkenntnisse (Deutsch, Chinesisch, Englisch) effektiv zum Einsatz bringen. Per E-Mail, am Telefon, aber auch ganz persönlich.

"Ich mag den weltweiten Handel und Hamburgs Rolle als internationaler Knotenpunkt", sagt sie. "Das viele Grün in der Stadt, die Alster, vor allem jedoch der Hafen haben mich von Anfang an gereizt." Zwar wirkten die Hamburger oft zurückhaltend, gar kühl, entpuppten sich jedoch als warmherzig und hilfsbereit, wenn es darauf ankommt.

Neben einem großen internationalen Freundeskreis pflegt die Wahl-Hanseatin mit Wohnsitz in Niendorf enge familiäre Bande. Im Urlaub daheim in Peking - oder vor Ort: Mengs Bruder Tong (31), Student der Betriebswirtschaftslehre, lebt inzwischen gleichfalls in Hamburg. (jmo)

FOTO: STEPHAN WALLOCHA, MICHAEL

ZAPF, ANDREAS LAIBLE