Seelentröster

Promis und die friseurfreie Zeit

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Guido Maria Kretschmer hofft auf mehr Wertschätzung und bessere Bezahlung für seine Branche.

Guido Maria Kretschmer hofft auf mehr Wertschätzung und bessere Bezahlung für seine Branche.

Foto: dpa

Haare seien definitiv nicht zu unterschätzen, meint Guido Maria Kretschmer. "Wenn man sie hat, auf jeden Fall - und wenn sie nicht mehr da sind, sind sie auch ein Problem." Der Designer und andere Promis haben viel gelernt in der friseurfreien Zeit.

Berlin. Ein Kaffee, ein bisschen plaudern - und danach ist alles tipptopp. Ein Friseurbesuch kann so viel mehr sein als nur waschen, schneiden, föhnen. Wenn die Friseure am Montag wieder loslegen, dürfte sich so mancher Kunde wie neugeboren fühlen.

Aber Not macht erfinderisch - das haben auch einige Prominente in den vergangenen Monaten am eigenen Kopf erfahren und neue Talente entdeckt. Mit dem Entzug kam aber auch die Wertschätzung.

Moderatorin und Unternehmerin Verona Pooth hilft sich - ihrem Beruf sei Dank - an den Haaren selbst. Sie habe als Model und Moderatorin gelernt, sich schick zu machen, sagte Pooth der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. "Ich bin ja so ein kleines Allround-Talent. Ich stehe seit über 25 Jahren vor der Kamera." Deshalb könne sie mittlerweile "auch mit den kleinsten Mitteln" etwas aus ihrem Aussehen machen - "so wie jemand aus einer Kartoffel ein ganzes Abendessen zaubert". Aber auch sie müsse sich in der Corona-Zeit natürlich immer wieder was einfallen lassen. Bei offiziellen Terminen wird Pooth außerdem von einem Stylisten geschminkt und frisiert.

Modedesigner Guido Maria Kretschmer hat ein spezielles Werkzeug für sich entdeckt: "Wir haben so ein wunderbares Hundeschneideset für unsere Windhunde und das ist jetzt missbraucht worden." Sein Mann Frank werde immer besser als Friseur - beispielsweise mit Anleitungen aus Youtube-Videos.

Trotzdem freut sich Kretschmer, wenn die Salons nun wieder öffnen. "Ich glaube, dass die Zeit auch bald reif ist, mal wieder für einen perfekten Haarschnitt." Die Friseure würden jetzt zurecht gefeiert und er hoffe, dass sie nun künftig auch mehr Geld verdienen, sagte Kretschmer. "Wir sehen ja jetzt, wie wichtig sie für unsere Gesellschaft sind, und was die Friseure für Seelentröster sind." Für ganz viele Menschen sei das ein wichtiger Rhythmus: "Regelmäßig zum Friseur zu gehen, ein bisschen zu plaudern, sich zu kümmern, sich einfach gut zu fühlen." Haare seien definitiv nicht zu unterschätzen. "Wenn man sie hat, auf jeden Fall - und wenn sie nicht mehr da sind, sind sie auch ein Problem."

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72), eigentlich Igelfrisur-Träger, erzählte neulich in einem Interview, er lasse die Haare im Lockdown wachsen, rasiere sie nur ein bisschen über den Ohren aus. Aber vor dem großen TV-Duell mit seiner Rivalin von der CDU, Susanne Eisenmann, am Montagabend werde er seine grauen Haare doch noch kürzen lassen. Allerdings nicht beim Friseur, der pünktlich am Montag wieder aufmacht, sondern: "Wenn ich ins große Duell muss, lass ich es mir hinten von meiner Frau ein bisschen absäbeln."

Auch Alexandra Hofmann, die blonde Hälfte des Gesangsduos Geschwister Hofmann, bekam Hilfe: Eine Freundin schnitt ihre Kurzhaarfrisur. Nach dem zweiten Glas Sekt hätten sich beide gegenseitig die Haare gestutzt, sagte Hofmann. Sie sei mit ihrem Schnitt zufrieden, sei sich aber unsicher, ob dies auch auf ihre Freundin zutreffe. "Ich hoffe, dass ihre Haare ganz schnell nachwachsen. Ich hatte Probleme mit einem Wirbel bei den Ponys."

Der Hamburger Gastronom und Fernsehkoch Tim Mälzer (50) hat eine schlichte Lösung. "Die Haare leiden schon, aber ich habe dagegen ein probates Mittel: Mütze", sagte Mälzer der dpa. Er sei eigentlich kein Mützenmensch. "Immer, wenn ich eine Mütze aufsetze, sehe ich so aus, als wenn ich meinen Schulabschluss nicht geschafft habe." Aber eine Wollmütze sei im Moment besser als zu wilde Haare. Die Mütze trage er dann Straßenlook-mäßig wie ein Hafenarbeiter. "Nicht so ein schräges Hipsterding.". Ein Basecap gegen das Chaos auf dem Kopf kommt ihm dagegen nicht in die Tüte. "So ein bisschen Restwürde habe ich noch in meinem Leben."

Würde - die hat auch für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) etwas mit Friseuren zu tun. Er verteidigte die Entscheidung, die Salons früher zu öffnen mit den Worten: "Sie hat auch etwas mit - für die einen - Hygiene, aber auch mit Würde zu tun in diesen schwierigen Zeiten."

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