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„Soko Leipzig“-Star Marco Girnth lernte in Uganda fürs Leben

Marco Girnth spielt in der Serie „Soko Leipzig“ den Oberkommissar Jan Maybach.

Marco Girnth spielt in der Serie „Soko Leipzig“ den Oberkommissar Jan Maybach.

Foto: Mirko Bartels / imago/Future Image

Als Oberkommissar Jan Maybach feiert Marco Girnth bei „Soko Leipzig“ Erfolge. Im Interview erzählt Girnth von prägenden Erlebnissen.

Essen. Mit dem Oberkommissar Maybach in „Soko Leipzig“, dessen 20. Staffel jetzt startet, feiert Marco Girnth den größten Erfolg seiner Karriere. In sein Spiel fließen auch die intensiven Erfahrungen von 50 Lebensjahren ein, auch die durch den Kontakt mit ugandischen Straßenkindern.

Zwar gibt es jetzt neue Folgen der „Soko Leipzig“ zu sehen, aber wegen des Covid-Drehstopps dürfte bald der Nachschub fehlen ...

Marco Girnth: Das stimmt nicht, denn wir sind seit Mai wieder mit strengen Auflagen in Betrieb. Wir müssen strengstens darauf achten, die Abstände einzuhalten. Wir müssen ständig Mundschutz tragen, und wir versuchen Szenen so zu planen, dass wir uns nicht zu nahe kommen.

Wie stressig ist das?

Girnth: Man muss sich darauf einstellen. Es ist kein Stress, sondern ein Einfinden in eine neue Arbeitsumgebung. Auch der Umgang miteinander ist anders. Unsere Zusammenarbeit ist eigentlich geprägt von einem Gemeinschaftsdenken, wo man sagt ‚Lass uns das zusammen wuppen‘. Jetzt gehst du immer auf Distanz. Man hat das Bedürfnis, sich in den Arm zu nehmen, das passiert dann nicht. Und es wird peinlichst darauf geachtet, dass das so eingehalten wird.

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Zumindest konnten Sie vor den ganzen Maßnahmen noch im Februar Ihren 50. Geburtstag standesgemäß feiern.

Girnth: Nicht unbedingt, weil meine Frau im Mai Geburtstag hat, wollten wir das verknüpfen und zu einer Riesensause machen. War aber nicht.

Können Sie mit den Erkenntnissen dieser 50 Jahre auch die aktuelle Situation besser meistern?

Girnth: Erfahrung beruhigt den Blick auf die Welt. Meine Oma hat früher immer gesagt: „Es gibt nichts, was so schlimm wäre, dass es für nichts anderes wieder gut wäre.“

Was waren beispielsweise schlimme Erfahrungen, denen Sie etwas Gutes abgewinnen konnten?

Girnth: Ich möchte das allgemeiner halten. Jede Verlustsituation durch einen Todesfall, sei es ein Freund, sei es im Familienkreis, ist ein unglaublich harter Körpertreffer, der mich auch emotional wegfegt. Doch Beerdigungen haben gleichzeitig eine ganz ambivalente Wirkung. Parallel zu der tiefen Betroffenheit gibt es ein Zusammengehörigkeitsgefühl, verbunden mit einem gesunden, reinigenden Weinen, um die Trauer zu bewältigen. Dabei rückt man zusammen, sieht vielleicht andere Menschen mit neuem Blick. Da können sich Türen öffnen, die vorher zu waren. Das heißt, dieses traurige Ereignis ermöglicht es einem, einen Weg zu gehen, den man vorher nicht beschritten hat.

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Sie setzen sich auch mit dem Leid anderer auseinander. 2015 waren Sie in Uganda, wo sie „Hoffnung Spenden e.V.“ unterstützen, die Straßenkindern helfen. Was hat sich da eingeprägt?

Girnth: Das war sehr bewegend. Die menschlichen Schicksale sind mir sehr ans Herz gewachsen. Da gab es Jugendliche und Kinder, die vorher um ihr Überleben kämpfen mussten und die dank dieses Vereins ein Dach über dem Kopf, eine Ausbildung und damit eine richtige Perspektive bekamen. Einige davon kamen auch nach Berlin. Mein Sohn, der damals elf, zwölf war, war von der Wärme und Herzlichkeit dieser Jungs total beeindruckt und verstrahlt. Als sie um drei Uhr zurückflogen, stand er mit mir zwei Stunden am Flughafen und hat gewunken ohne Ende, weil er sie nicht mehr gehen lassen wollte.

Verändern solche Erfahrungen auch Ihre Denkweise?

Girnth: Als ich zurückgekommen bin, habe ich erst wieder begriffen, wie glücklich ich über das Leben in Deutschland sein kann. Es ist eben nicht selbstverständlich, auf Strom zugreifen zu können, frisches, sauberes Wasser oder eine funktionierende Gesundheitsversorgung zu haben. Bei uns ist im Vergleich alles sehr gut organisiert, bei allen Problemen, die wir unbestritten haben. Wenn du dann einige Zeit wieder da bist, erodiert diese Wahrnehmung, man gewöhnt sich und fängt wieder an zu meckern. Da brauchst du wieder so eine Schärfung deiner Sinne. Ich würde auch gerne wieder nach Uganda. Aber letztes Jahr hatte ich keine Zeit, und dieses Jahr kam wiederum die Pandemie dazwischen.

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