Interview

Jürgen Drews: So nutzt der Mallorca-Star die Corona-Auszeit

Spanisches Festland und Balearen werden Corona-Risikogebiet

Das gesamte spanische Festland sowie die Balearen mit den Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza werden von der Bundesregierung als Corona-Risikogebiet eingestuft. Ausgenommen bleiben die Kanarischen Inseln.

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Jürgen Drews hat die Corona-Pause genutzt und seine Autobiografie fertig geschrieben. Warum der König von Mallorca sein Leben genießt.

Essen. Eine aktuelle Autobiografie, ein neues Album im Herbst – selbst im Corona-Jahr dreht sich das Leben des Jürgen Drews auf vollen Touren. Dabei wirkt der 75-Jährige tiefenentspannt, weil er die Lektionen seines Lebens schon gelernt hat – selbst wenn sein Weg zum Schlagerstar keineswegs vorgezeichnet war.

Sind Sie wirklich der König von Mallorca?

Jürgen Drews: Der König von Mallorca ist eine Spaßfigur, die aus einem Partysong entstanden ist. Mit der kokettiere ich in meinem Bühnenprogramm. Diese Figur war nie ernst gemeint, sie ist nur eine Art Harlekin. Aber wenn das Publikum daran Freude zeigt, dann freue ich mich auch jedes Mal.

Allerdings sind Sie leider durch Corona ein König ohne Land. Können Sie dem Ganzen etwas Positives abgewinnen?

Drews: Für mich persönlich ist die Situation glücklicherweise nicht existenzbedrohend. Ich habe mein Leben lang gearbeitet und hatte dadurch die Möglichkeit, finanziell vorzusorgen. So habe ich mir eine Auszeit genommen, in der ich meine Autobiografie fertig geschrieben und an meinem Album gearbeitet habe. Und ich hatte noch nie so viel Zeit, um unseren Garten zu genießen. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch.

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Es geht Ihnen also in dieser Zeit gut?

Drews: Wirklich gut. Ich genieße mein Leben, bin glücklich, fahre ab und zu mit dem Rad durch die Felder und ernähre mich gesund.

Und mit dem Partykönig haben Sie nicht so viel gemeinsam?

Drews: Richtig, Party mache ich nur auf der Bühne.

Wie kam es dazu, dass Sie überhaupt zum großen Bühnenhengst wurden? Angeblich waren Sie als junger Mann ganz anders drauf.

Drews: Richtig. Ich war früher immer sehr schüchtern und unsicher, die Musik hat mir geholfen, damit umzugehen. Meine Eltern haben das glücklicherweise früh erkannt und mir ein Banjo geschenkt. Als junger Mensch hatte ich natürlich noch ein sensibles Selbstbewusstsein. Und dadurch, dass ich Musik machen konnte, wurden andere Menschen positiv auf mich aufmerksam. Ich fühlte mich dadurch angenommen und akzeptiert. Die Musik gab mir eine Wertigkeit. Ich war plötzlich jemand und wurde nicht einfach übersehen.

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Und welches Gefühl bekommen Sie jetzt durch die Musik?

Drews: Wenn ich auf der Bühne stehe, dann ist das, als ob ein Schalter bei mir umgelegt wird, eigentlich schon eine Art Gute-Laune-Therapie. Das Adrenalin macht einen guten Job, und der Applaus des Publikums ist dann wie Seelenstreicheln.

Andererseits standen Sie in den 80ern kurz davor, richtig in den USA Karriere zu machen, nahmen für das berühmte Soul-Label Motown auf. Wäre Ihnen das aus heutiger Sicht lieber als Mallorca?

Drews: USA ist aus meinem Kopf völlig verschwunden. Ich habe damals gemerkt, dass das nicht mein Land ist. Wie heißt es so schön: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr.“ Auf Mallorca haben wir ein Haus und genießen es immer, wenn wir dort sind. Wir könnten dort auch jederzeit fest leben, aber bisher ist unser Lebensmittelpunkt nach wie vor Deutschland. Hier fühlen wir uns rundum wohl und möchten es auch nicht ändern.

Ihre Tochter Joelina, mit der Sie einen Song aufgenommen haben, versucht sich nun in den USA zu etablieren. Waren Sie versucht, Ihr abzuraten?

Drews: Nein. Warum auch? Sie muss ihre Erfahrungen selber sammeln. Uns ist es wichtig, dass Joelina ihren eigenen Weg geht. Sie ist eine eigenständige Persönlichkeit. Als Mensch, aber auch als Künstlerin. Sie macht ihre absolut eigene Musik und das finde ich großartig: eine Wahnsinnssängerin, die ihre Songs selbst schreibt.

Sie selbst ziehen nun ein persönliches Fazit in Ihrer Biografie „Alles am besten“. War in Ihrem Leben wirklich alles optimal?

Drews: Das Leben besteht aus Hochs und Tiefs, das ist völlig normal. Von daher war alles gut, wie es war, und ich kann wirklich sagen, dass ich bis jetzt ein tolles Leben führen durfte. Was mir dabei hilft, ist die Bodenständigkeit, die ich mir erhalten habe. Und es ist wichtig, zu verinnerlichen, dass nichts selbstverständlich ist.

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