Ikone

Sänger Rick Astley: „Ich war nie ein guter Popstar“

Mit 52 Jahren will er es noch einmal wissen: Der britische Sänger Rick Astley („Never Gonna Give You Up“) zu Besuch bei seiner Berliner Plattenfirma.

Mit 52 Jahren will er es noch einmal wissen: Der britische Sänger Rick Astley („Never Gonna Give You Up“) zu Besuch bei seiner Berliner Plattenfirma.

Foto: Annette Riedl / dpa

Mit 27 Jahren entschied sich Rick Astley, Hausmann zu werden. Warum die 80er-Jahre-Ikone nun doch wieder ein Album aufgenommen hat.

Berlin..  Einmal Popstar und zurück: Mit seinen 1980er-Jahre-Hits wie „Never Gonna Give You Up“ und „Together Forever“ bot er den Soundtrack zu Kellerfeten mit Blue-Curaçao-Cocktails. Rick Astley (52) war mit Anfang 20 Millionär und ging auf dem Höhepunkt seiner Karriere in Musiker-Rente. Jetzt ist sein neues Album „Beautiful Life“ erschienen. Was in der Zwischenzeit in seinem Leben passiert ist, verrät er beim Treffen.

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Leben als Popstar in den 80er-Jahren und heute?

Rick Astley: Ich bin heute ja kein Popstar mehr. Ich bin wirklich nicht mehr berühmt. Ich habe zwar in den letzten Jahren immer mal wieder Konzerte gegeben, aber ich kann in London ganz normal in den Supermarkt gehen. Ich werde überhaupt nicht mehr erkannt. Da müsste ich schon anfangen, „Never Gonna Give You Up“ zu singen.

Ist es Ihnen so lieber?

Astley: Total! Privatsphäre ist für andere Leute etwas vollkommen Normales. Sie müssen nicht darüber nachdenken, ob sie die gleiche Jacke schon am Vortag anhatten, wenn sie in ein Restaurant gehen. Ich frage mich, wie es Beyoncé geht, wenn sie das Haus verlässt.

War es am Anfang nicht komisch, die Aufmerksamkeit und die Annehmlichkeiten nicht mehr zu haben? Sie sind immerhin mit 27 in Popstar-Rente gegangen.

Astley: Die einzigen Vorteile als Popstar waren für mich, dass ich immer einen Tisch in den angesagtesten Restaurants bekommen habe. Das Berühmtsein an sich ist scheiße. Natürlich treffe ich gerne Menschen, die meine Musik mögen, aber heute ein Popstar zu sein, muss furchtbar sein. Jeder hat ein Handy, man ist immer unter Beobachtung. Ich würde nicht tauschen wollen.

Sie würden heute kein Debütalbum mehr aufnehmen wollen?

Astley: Doch, natürlich. Dann wäre ich ja jung und würde den Unterschied nicht kennen. Viele Leute sind auch gut in diesen Dingen. Ich war nie ein guter Popstar.

Warum nicht?

Astley: Weil das einfach nicht meiner Persönlichkeit entspricht. Ich war in der Schule nie einer von den Coolen. Die Mädchen haben mich ignoriert, bis ich eine Band hatte. Auf einmal war ich nicht mehr unsichtbar. Aber hätte ich nicht diese zwei, drei Hits gehabt, hätte ich wahrscheinlich ein recht unscheinbares Leben geführt.

Gab es auch dunkle Zeiten?

Astley: Doch, auf eine andere Art und Weise. Ich war am Ende wirklich vollkommen fertig. Ich wollte das einfach nicht mehr machen. Irgendwann möchte man nicht mehr das tausendste Foto mit jemandem machen, sondern seine Ruhe haben. Ich fühlte mich nicht mehr wie ein Künstler, sondern wie ein Musikvertreter. Also habe ich aufgehört.

Und wurden mit 27 Hausmann.

Astley: Ja. Ich war bestimmt nicht immer ein Superpapa, aber immerhin hatte ich sehr viel Zeit für meine Tochter, ich hatte viel Glück. Am Anfang bin ich sehr viel zu Hause geblieben, ich fühlte mich einfach ausgebrannt. Hinzu kam, dass ich das richtige Leben erst einmal kennenlernen musste. Ich hatte ja die letzten Jahre in einer Blase verbracht. Dinge, die andere Leute in dem Alter machen – in die erste eigene Wohnung ziehen, die eigenen Rechnungen zahlen – das hatte ich noch nie gemacht. Wenn ich aus einem Hotel ausgecheckt habe oder in einem Restaurant war, habe ich nie bezahlt. Das hat immer jemand für mich erledigt. Ich war komplett unselbstständig.

Warum tun Sie sich das dann jetzt alles noch einmal an?

Astley: Ich war vor ein paar Jahren mit meiner Familie im Urlaub in Japan. Das ist ziemlich teuer. Wenn also jemand sagt, spiel hier ein Konzert und wir bezahlen alles, ist das ziemlich verführerisch. Also habe ich das gemacht. Als ich dann zum ersten Mal nach bestimmt 15 Jahren wieder „Never Gonna Give You Up“ gesungen habe, war das sehr merkwürdig, hat aber auch einen Schalter umgelegt. Plötzlich wollte ich wieder eine Platte machen. Und heute mache ich ja auch alles selber. Ich fühle mich wie ein Hobbymusiker, der auf Tour gehen darf.