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Shailene Woodley: „Ich richte mich nach meinen Instinkten“

Tami (Shailene Woodley) in einer Szene des Films „Die Farbe des Horizonts“.

Tami (Shailene Woodley) in einer Szene des Films „Die Farbe des Horizonts“.

Foto: - / dpa

Hollywood-Star Shailene Woodley kämpft im Kino gegen die Gewalt des Meeres. Ein Gespräch über die Kraft des Ichs, Beziehungen und Sex.

Trotz ihrer 26 Jahre ist Shailene Woodley schon ein alter Hase in Hollywood. Mit sieben Jahren spielte sie ihre erste Rolle, war in Serien wie „O.C. California“ und preisgekrönten Filmen wie „The Descendants“ an der Seite von George Clooney zu sehen. Zuletzt lief die erfolgreiche Serie „Big Little Lies“ mit ihr, Reese Witherspoon und Nicole Kidman im TV. Nun ist ihr neuer Film, „Die Farbe des Horizonts“, in den Kinos. Doch Woodley ist keine Schauspielerin, die brav ihre Rollen spielt. Sie hat auch eine klare Meinung zu gesellschaftlichen Entwicklungen.

In „Die Farbe des Horizonts“ spielen Sie eine Frau, die mit Ihrem Segelboot in einem Hurrikan verunglückt. Wagen Sie sich nach so etwas noch aufs Meer?

Shailene Woodley: Aber sicher. Ich habe die Macht des Ozeans schon als kleines Mädchen kennengelernt, als mich eine Welle auf den Meeresboden gedrückt hat und ich eine halbe Minute lang unter Wasser war. Aber ich habe deshalb keine negativen Gefühle. Im Gegenteil. Ich bin voller Respekt für die Gewalt der Elemente, ich weiß, wie man damit umgehen muss. Das gilt auch für die junge Frau, die ich in dem Film spiele. Obwohl sie traumatische Erfahrungen machte, gab sie nie dem Meer dafür die Schuld – sie weiß, dass sie das selbst zu verantworten hatte, und ist weitergesegelt. Das ist auch eine Botschaft des Films: wie du Schmerz überwinden und innere Heilung finden kannst.

Der Film handelt auch von einer Liebesbeziehung. Welche Botschaft haben Sie mitgenommen?

Woodley: Erst mal, wie wichtig Beziehungen überhaupt sind. Wenn du eine Figur spielst, die 41 Tage allein auf See ist, weißt du menschliche Interaktionen erst so richtig zu schätzen. Und in einer Beziehung geht es nicht darum, dass dein Partner allem zustimmt, was du von dir gibst. Er stellt dein Verständnis von der Welt auf den Prüfstand – aber alles mit Respekt, voller Liebe und auch mit Sinn für Humor. Das ist etwas, was ich auch in meinen eigenen Beziehungen realisieren möchte.

Können Sie als Filmstar eigentlich noch eine normale Partnerschaft führen?

Woodley: In meinen Jahren in dieser Branche habe ich Folgendes gelernt: Du führst das Leben, das du führen willst. Viele Leute sagen dir, was du tun darfst und was nicht, aber ich richte mich nach meinen eigenen Instinkten. Ich suche in meinem Leben nicht die Öffentlichkeit, sondern tue einfach das, was ich für richtig halte.

In Sachen Männer-Frauen-Beziehungen hat sich mit der „#MeToo“-Bewegung ja einiges geändert. Wie nehmen Sie das wahr?

Woodley: Ich finde diese Bewegungen – „Time’s Up“ muss man natürlich auch erwähnen – wunderbar. Ich unterstütze sie und bin den Frauen, die hierfür ihre Zeit und Energie einsetzen, sehr dankbar. Die Lehre daraus ist: Wenn jemand, dem Unrecht angetan wird, es schafft, die Unterstützung einer ganzen Gemeinschaft zu bekommen, dann können wir bedeutsame gesellschaftliche Entwicklungen anstoßen. Wir müssen dabei nur verantwortungsvoll und voller Mitgefühl vorgehen, dann werden wir für die Zukunft der Menschheit etwas Wunderbares erreichen.

Manchmal ecken Sie aber auch mit Ihren Aussagen an. Einmal meinten Sie, man sollte in der Schule mehr über Sexualität lernen.

Woodley: Es hat mich nicht weiter überrascht, dass man in den USA so ein Aufheben darum machte. Das Problem ist, dass in unserem Land Sex unterdrückt wird. Darüber spricht man eben nicht öffentlich. Aber genau deshalb haben wir das ganze Problem mit Geschlechtskrankheiten und Teenager-Schwangerschaften.

Jetzt haben wir uns von der Geschichte „Die Farbe des Horizonts“ ja ganz schön weit wegbewegt. Gibt es denn einen roten Faden, der solche Themen verbindet?

Woodley: Dass du dein Leben in die Hand nehmen musst. Die junge Frau in diesem Film – wie auch andere Figuren, die ich gespielt habe – weigert sich, Opfer zu sein. Viele Menschen haben mit gewaltigen Schwierigkeiten zu kämpfen, und das will ich gar nicht bestreiten oder verharmlosen. Aber du darfst dich nicht davon beeindrucken lassen und musst deine eigenen Entscheidungen treffen, anstatt die Gesellschaft für dich entscheiden zu lassen.