Soul-Star

Sängerin Lisa Stansfield: „Mein Leben ist zu langweilig“

Lesedauer: 4 Minuten
Lisa Stansfield, hier in einem Berliner Hotelzimmer, tritt am Freitag in Düsseldorf auf.

Lisa Stansfield, hier in einem Berliner Hotelzimmer, tritt am Freitag in Düsseldorf auf.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Lisa Stansfield, der Soul-Star der 90er-Jahre, ist zurück. Ein Gespräch über Zigaretten, das Alter und ruhige Abende auf dem Sofa.

Düsseldorf.  Es ist ruhig geworden um Lisa Stansfield (52) in den vergangenen Jahren. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre gehörte die Britin („All Around the World“) zu den großen Stars der Soul-Musik. Doch jetzt meldet sich Stansfield mit einem neuen Album („Deeper“) und einer Tournee zurück, die sie am Freitag auch nach Düsseldorf bringen wird. Ihrem Stil ist die „British Queen of White Soul“ dabei bis heute treu geblieben. Nur ihr Leben ist etwas ruhiger geworden.

Mrs. Stansfield, Sie sagen, in Ihrem neuen Stück „Just Can’t Help Myself“ gehe es um Abhängigkeiten. Was ist Ihre persönliche Sucht?

Lisa Stansfield: Zigaretten! Zumindest war das früher so. Ich habe schrecklich gerne und auch viel geraucht. Andere Drogen haben mich nie interessiert.

Wann haben Sie mit dem Rauchen aufgehört?

Stansfield: Vor neun Jahren schon. Seitdem macht mir das Touren wieder viel mehr Spaß. Überall wurden damals Rauchverbote eingeführt, im Flugzeug und auch im Tourbus, nirgendwo mehr durfte ich rauchen. Also dachte ich: Das ist ein Zeichen. Lisa lass es.

Ihrer dunklen Stimme konnten die fehlenden Zigaretten aber wenig anhaben.

Stansfield: Sie hätten mich mal vor zehn Jahren reden hören sollen. Da war die Stimme richtig dreckig. Jetzt habe ich wieder die Stimme, die ich mit 25 hatte. Neun Jahre waren lange genug, um die Lungen anständig zu reinigen.

Erinnern Sie die übrigen Bestandteile Ihres Körpers ebenfalls an eine Mittzwanzigerin?

Stansfield: Schön wär’s. Ich denke, ich habe mich anständig gehalten, aber ich bin weit davon entfernt, das Leben einer jungen Frau zu führen. Darum geht es letztlich auch auf „Deeper“. Der Kern des Albums ist Akzeptanz. Die Gelassenheit und die Tiefe, die du mit zunehmendem Alter bekommst, wiegen die Nachteile für mich auf.

Also ist die Musik auf „Deeper“ zeitloser als Sie selbst?

Stansfield: Ohne Zweifel. Wir haben den Nagel schon damals bei meinem ersten Album auf den Kopf getroffen, und ich denke, melodischer, klassischer Soul mit einigen zeitgemäßen Elementen ist die Art von Musik, die mir einfach am meisten liegt. Ich liebe Melodien und Texte, die dich durchatmen lassen, die nicht zu schwer sind. Ich könnte keinen Song über Politik machen, das deprimiert die Leute ja sowieso schon zu genüge.

Ihr Ehemann, Ian Devaney, war einst Ihr Bandmitglied, bis heute schreiben und produzieren Sie Ihre Songs gemeinsam. Ist das nicht manchmal gar zu viel Nähe?

Stansfield: Finde ich nicht. Wir haben unser eigenes Studio bei uns daheim, mit Ian arbeite ich definitiv am Allerliebsten. Beim gemeinsamen Songschreiben macht es uns viel Spaß, uns in ein anderes Leben hineinzuträumen. Nicht jeder Song auf „Deeper“ spiegelt unsere eigene Situation wider, das wäre ja auch ein bisschen zum Fürchten.

Um welche Form der Begierde geht es dann im Song „Desire“?

Stansfield: Oh, das ist eine kleine, schmutzige Fantasie und ganz klar kein Lied über meinen Mann (lacht). Viele der neuen Songs sind kleine Ausflüge in unsere Vorstellungswelt. Das Überthema war für uns ein lustiges, hedonistisches, frivoles Wochenende in der Stadt. Wir wollten auf der Platte das alltägliche Leben hinter uns lassen und von Nächten erzählen, in denen die Post abgeht.

Verbringen Sie manchmal solche Wochenenden?

Stansfield: Ehrlich gesagt nicht. Mein Leben ist zu langweilig, um darüber zu singen. Ich bin über 50, Ian auch, meine Freundinnen ebenfalls. Ich bin früher echt gerne in Clubs gegangen, sehr selten mache ich das auch heute noch. Wenn ich nicht auf Tournee bin, verbringen Ian und ich die meisten Abende auf dem Sofa. Ich bin gerne daheim, wir machen uns was Leckeres zu essen und erinnern uns daran, was ich für ein wilder, partyfreudiger Teenager war.