Komiker

Otto Waalkes: "Durch Plagiate lebt man ewig weiter"

Otto legt mit seiner Tour Halbzeitpause ein.

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Otto legt mit seiner Tour Halbzeitpause ein.

Komiker-Legende Otto Waalkes im Interview über seine neue Tour, den US-Präsidenten Donald Trump, alte Gags und gestohlene Pointen.

Hamburg.  Er ist so etwas wie ein Rolling Stone der Comedybranche: Das Touren lässt Otto Waalkes sich auch mit 68 Jahren nicht nehmen. Aktuell ist er mit seiner Bühnenshow "Holdrio Again" in Deutschland unterwegs. Die Tour wird im Herbst fortgesetzt, am 8. Oktober tritt er in der Oberhausener Arena auf. Macht er dann alles neu nach seinen Auftritten in Dortmund im Frühjahr? Keineswegs. Die Leute wollen auch alte Gags, sagt er im Interview.

Was wurde eigentlich aus dem rasenden Reporter Harry Hirsch?

Otto Waalkes: Ja, der hat's auch nicht leicht. In dem Alter in der Branche! Er kommt jetzt mit mir auf Tournee. Er darf vor der Show die Mikrofone testen. Da fühlt er sich fast wie früher. Frage an Sie als Reporter: Was wurde eigentlich aus Print? Lebt es noch?

Print lebt und wirkt! Sieht man gerade an US-Präsident Donald Trump. Kein Wunder, dass Sie sich auf Ihre neue Tour in Florida vorbereitet haben. Welche Trump-Pointen bringen Sie aus den USA mit?

Waalkes: Ich finde Scherze über geistig Benachteiligte nicht gut, das mache ich nicht. Und blöde Witze über Frisuren, das ist mir auch zu haarig. Außerdem lassen sich Scherze aus dem Englischen nur ganz schlecht ins Plattdeutsche übersetzen.

Ernsthaft: Kann es bei so viel scheinbar Absurdem in der Realität überhaupt noch neue Gags in der Welt des Humors geben?

Waalkes: Na klar. Gerade in dieser Zeit ist Humor doch umso wichtiger!

Wie groß ist der Anteil an neuen, wie groß der an alten und beim Publikum beliebten Gags in Ihren Shows?

Waalkes: Wenn ich 70 Prozent neu mache, sind viele Zuschauer enttäuscht. Die wollen überrascht werden, aber auch Gags hören, die sie schon selber mitsprechen können. Und die Jungen haben viele Klassiker noch gar nicht live gesehen. Die wollen natürlich ja auch mitreden können bei ihren Großvätern am Sterbebett.

Schon mal auf der Bühne den nächsten Gag vergessen?

Waalkes: Das nicht. Aber ich hab mal vergessen, dass ich einen Gag vor der Pause schon gebracht hatte – und denselben Witz noch mal gemacht. Totenstille im Saal. Das war hart. So viel Altes wollen die Leute dann auch wieder nicht.

Was getan? Mit Yolla-di-hit-ti überspielt? Den Otto-Maten angemacht?

Waalkes: "Wenig gelacht wurde auch über folgenden Scherz" sagen und weitermachen! Muss ja immer weitergehen.

Schon mal gedacht, das war jetzt der Brüller und keiner hat gelacht?

Waalkes: Ich hab mal eine lange Anekdote gebracht, die ich tierisch witzig fand. Aber die hatte ich selbst irgendwo aufgeschnappt und die hatte eben keine Otto-Pointe. Alle haben gewartet und gewartet, was da wohl noch kommt.

Die Rolling Stones sind zu viert. Wie kann man alleine eine solche Tournee körperlich durchstehen?

Waalkes: Keine Ahnung, ich war nie mit den Stones auf Tour. Ich schaffe das allein überraschend gut, obwohl ich ja jetzt schon über 40 bin. Ich hab am Anfang aber ja auch extra langsam gemacht, damit ich das Tempo dann auch ewig halten kann.

Wer nervt mehr? Leute, die sagen, Otto, erzähl mal einen Witz? Oder diejenigen, die sagen: Otto, jetzt mal ohne Witz?

Waalkes: Wenn das mal jemand sagen würde! Es ist schon ganz schön, wenn man mal ernst genommen wird.

Haben Sie schon mal wen wegen Plagiaten verklagt, weil zum Beispiel Nachwuchsleute Ihr Material verwendet haben?

Waalkes: Ach was, man inspiriert sich doch gegenseitig, das ist doch toll. Durch Plagiate lebt man ewig weiter. Eigentlich sollten die Leute gar nichts Eigenes machen.

Sind Sie Ihrem 1987 geborenen Sohn manchmal peinlich?

Waalkes: Nee, die Phase ist zum Glück vorbei. Irgendwann hat er gemerkt, dass er Mädchen beeindrucken kann, wenn ich zu Hause rumblödele.

Wann war Ihr Sohn das letzte Mal megastolz auf Otto?

Waalkes: Ich hoffe, er war stolz, als ich in Emden aufgetreten bin. Das ist ja meine Heimat, da reagieren die Leute ganz anders auf mich. Schön, wenn er das auch mal mitbekommt.

Ganz privat gefragt: Wer holt Sie am Bühneneingang ab?

Waalkes: Der Pfleger, der dann eben gerade Dienst hat.

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