Nachlass

Elvis und sein Erbe – Priscilla Presley rechtfertigt sich

Priscilla Presley zu Gast in der Talkshow von Markus Lanz.

Priscilla Presley zu Gast in der Talkshow von Markus Lanz.

Foto: imago stock&people / imago/APress

Priscilla Presley entwickelt das Erbe des legendären King of Rock ’n’ Roll weiter. Eine Aufgabe, die die Witwe oft verzweifeln lässt.

Frankfurt.  Apart, zerbrechlich und fast maskenhaft jung – so empfängt Priscilla Presley (71), Elvis’ Witwe und Nachlassverwalterin, zum Interview in einem Frankfurter Luxushotel. Im Gespräch entpuppt sich Priscilla Presley als eloquent und mitteilungsfreudig, manchmal scheint sogar noch etwas das verliebte Mädchen von einst durch ihre Antworten.

Mrs. Presley, Sie waren gerade in Bad Nauheim, wo Sie als 14-jähriges Mädchen Elvis Presley kennen und lieben lernten.

Priscilla Presley: Ja, es war bewegend. 25 Jahre war ich nicht in Bad Nauheim gewesen, manche Ecken waren noch wie früher, vieles habe ich kaum noch wiedererkannt. Wir haben das Haus aufgesucht, in dem Elvis damals lebte, aber die jetzigen Bewohner hatten keine Lust auf Publicity. Trotzdem war es schön, Bad Nauheim wiederzusehen.

Sie lernten mit 14 einen zehn Jahre älteren Mann kennen, der damals schon ein großer Star war. Sie zogen noch als Minderjährige auf Presleys Anwesen Graceland.

Presley: Es war unkonventionell. Absolut unkonventionell. Ich war ein behütetes Kind, das auf eine katholische Mädchenschule ging. Plötzlich geriet ich mitten in das Leben des Rock’n’Roll, in dem es keine richtigen Regeln gab, und das das komplette Gegenteil von allem war, was ich kannte.

Sie heirateten 1967, ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Lisa Marie zur Welt, 1973 ließen Sie sich scheiden. Sie blieben ihm dennoch verbunden und kümmern sich seit seinem Tod 1977 um Elvis’ Vermächtnis.

Presley: Ja. Ich hatte andere Männer, aber Elvis wird immer mein Lebensmann sein. Sein Erbe weiterzuentwickeln ist zugleich der härteste und der einfachste Job der Welt.

Wie meinen Sie das?

Presley: Es ist einfach, wenn akzeptiert wird, was du tust. Aber es gibt gewisse Schlachten, die ich kämpfen musste und muss, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Leute erkennen manchmal nicht meine Ideen, meine Vision. Ich weiß sehr genau, was Elvis gewollt hätte. Ich kenne seine Musik und seine Vorlieben sehr, sehr genau.

Das von ihnen verantwortete Album „The Wonder Of You“ ist nach „If I Can Dream“ aus dem Vorjahr schon das zweite Album, das mit dem Londoner Royal Philharmonic Orchestra in den Abbey Road Studios entstanden ist. Hätte Elvis das gewollt?

Presley: Auf jeden Fall! Elvis hatte einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack, er liebte Country, Pop, Black Music, Gospel – und speziell auch klassische Musik. Aus meiner Sicht ist das Album wirklich sehr schön geworden. Es passt zu Elvis. In meinem Herzen weiß ich, dass es richtig ist, seine Lieder mit dem Orchester zusammenzuführen.

Zu seinen Lebzeiten gab es so etwas allerdings nicht.

Presley: Elvis träumte immer davon, mehr auszuprobieren und zu wagen. Er wollte einen reichhaltigeren Sound, er wollte ein Orchester, doch seine Plattenfirma ließ das nicht zu.

Es gibt auf „The Wonder Of You“ sogar ein Duett mit Schlagerkönigin Helene Fischer. Wussten Sie, wer Helene Fischer ist?

Presley: Nein, ich kannte sie nicht. Ich habe sie dann gegoogelt. Mein Gott, was für eine superschöne Stimme.

Bei Elvis-Fans kommt diese Paarung nicht gut an.

Presley: Ich weiß, ich weiß. Die Leute sagen „Priscilla, das kannst du doch nicht machen“. Alles, was mit Elvis zu tun hat, ist extrem sensibel. Aber Elvis liebte Duette, er sang sehr gern Harmonien mit jemand anderem. Ich will mich nicht verhalten wie sein Label früher. Ich will ihn nicht künstlerisch beschneiden, Elvis und Helene passen und singen wunderbar zusammen, der Song berührt mich.

Sind Sie selbst musikalisch?

Presley: Überhaupt nicht. Ich singe nicht, spiele kein Klavier, keine Gitarre.

Sie werden auf der Tournee „Elvis in Concert 2017“ im kommenden Jahr auf der Bühne dabei sein.

Presley: Die Show hat nichts mit mir zu tun, sondern sie dreht sich voll und ganz um Elvis und seine Musik.

Sie haben als Presleys Nachlassverwalterin Graceland, das Ende der Siebziger beinahe zwangsversteigert worden wäre, zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen der Vereinigten Staaten ausgebaut. Wie ist ihnen das gelungen?

Presley: Mit Hingabe, Überzeugung und Leidenschaft. Wir haben ein paar richtige Weichen gestellt. Ich hätte Graceland niemals verkauft oder versteigern lassen. Es war mir heilig, unser Heim zu behalten.