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ESC 2022: Nadir Rustamli will für Aserbaidschan überzeugen

| Lesedauer: 4 Minuten
Johanna Ewald
Eurovision Song Contest 2022: So funktioniert das Voting-System

Eurovision Song Contest 2022: So funktioniert das Voting-System

Wer beim ESC als Sieger von der Bühne geht, das entscheiden sowohl die Zuschauer als auch eine Jury. Das System hinter der Abstimmung ist komplex.

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Mit einem "The Voice"-Sieger versucht Aserbaidschan beim ESC zu überzeugen. Trotz bekannter Komponisten scheint das unwahrscheinlich.

Turin. Man könnte meinen, er sei Model für Herren-Anzüge: Mit Nadir Rustamli schickt Aserbaidschan einen Newcomer zum "Eurovision Song Contest" (ESC), der in seinem Musikvideo rein optisch überzeugen kann. Musikalisch und vor allem inhaltlich bleiben aber einige Fragen offen.

So lässt das Video jeglichen Handlungsstrang vermissen. Der Sänger ist mal im Porträt, dann in Gänze zu sehen, schreitet durch einen Wald, zwischen Gebäuden entlang, lässt sich ins Wasser fallen. Dann ist die Videoatmosphäre so kühl, dass jegliche Emotionen, die bei dem immer wiederkommenden herzzerreißenden "Weather" aufkommen könnten, direkt wieder erlöschen. Und überhaupt ist man nach dem Musikvideo eher verwirrt, als im Klaren, für was "Fade To Black" stehen soll.

Wenig Worte beim ESC-Beitrag von Aserbaidschan

Abgesehen davon, dass der Wortschatz des Songs nicht wirlich groß ist, wird nur klar, dass da jemand Liebeskummer hat und für all die negativen Emotionen nun auch noch das Wetter verantwortlich macht. "You back off slowly through the door, you always go and blame the weather, the weather. It hurts so fast when love goes bad, until at last we fade to black. And I’m numb, numb numb, numb”, heißt es etwa.

Der Blick auf die Komponisten scheint eigentlich erfolgversprechend: Das dänisch-schwedische Duo Thomas Stengaard und Andreas Stone Johansson hat schon an zahlreichen ESC-Songs gearbeitet. Stengaard war etwa an dem ESC-Siegertitel "Only Teardrops" von Emmelie de Forest beteiligt, war aber auch für den deutschen Flop "Sisters" von 2019 verantwortlich. Johansson schrieb an John Lundviks "Too Late For Love". An dessen Erfolg wird Aserbaidschan 2022 aber wohl nicht anknüpfen können.

Nadir Rustamli fehlen die Emotionen

Klarzustellen ist: Der Gesang von Nadir Rustamli ist wirklich astrein. So wie man es eben von einem 22-jährigen "The Voice"-Sieger erwartet. Nur die Emotionen, die es bei solch einer Ballade braucht, stellen sich irgendwie trotz scheinbar vor Schmerz verzogenem Gesicht nicht ein.

Im Januar wurde Nadir Rustamli zum Sieger von "The Voice of Azerbaijan" gekürt. Sein Coach war Eldar Gasimov. Kein Unbekannter für ESC-Fans: Im Duett mit Nikki gewann er 2011 in Düsseldorf mit "Running Scared" den Contest. Und da es Nadirs Wunsch war, einmal für sein Land beim ESC anzutreten, wählte er ebendiesen Coach. Eigentlich ein erfolgversprechendes Rezept.

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Warum Aserbaidschan beim ESC dabei ist

Blickt man auf die vergangenen 14 Jahre der Teilnahme zurück, so gehört Aserbaidschan zu den erfolgreichsten Teilnehmern. Nur einmal wurde das Finale nicht erreicht, das war 2018 mit der Sängerin Aisel. Ansonsten schafften es 8 von 14 Beiträge in die linke Tabellenhälfte unter die Top 13, davon einmal Gold, einmal Silber, einmal Bronze.

Und wer sich wundert, warum Aserbaidschan überhaupt bei dem vermeintlich europäischen Musikwettbewerb dabei ist: Der Eurovision Song Contest ist für alle Mitglieder der European Broadcasting Union (EBU), ein Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, geöffnet.

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Sie schließt neben Europa auch verschiedene Nachbarländer und alle Anrainerstaaten des Mittelmeers ein, wodurch auch Rundfunkanstalten aus Nordafrika und dem Nahen Osten Mitglieder sind. Auch Australien, das 2015 zum ersten Mal am ESC teilgenommen hat, ist assoziiertes Mitglied der EBU. Nadir Rustamli wird beim ESC als vierter Teilnehmer im zweiten Halbfinale am 12. Mai an den Start gehen.

Dieser Artikel ist zuerst bei morgenpost.de erschienen.