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Warum ein Lego-Strandset in Australien für Ärger sorgt

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Barbara Barkhausen
 Damien MacRae und sein Sohn Aiden.

Damien MacRae und sein Sohn Aiden.

Foto: Damien MacRae

Lego hat ein Strandset auf den Markt gebracht und für Ärger gesorgt. Warum sich das australische Parlament mit dem Fall beschäftigt.

Sydney. Vor fünf Jahren war der Australier Damien MacRae so schwer an Hautkrebs erkrankt, dass die Ärzte ihm wenig Überlebenschancen gaben. Er schrieb sein Testament und bereitete bereits seine Beerdigung vor.

Um ein Vermächtnis für seinen Sohn Aiden zu schaffen und Kindern das Thema Sonnenschutz zu vermitteln, entwickelte er gemeinsam mit dem damals Fünfjährigen ein Strandset für Lego – komplett mit Strand, Lebensrettern, Wachturm, Surfbrettern und mehr. Lesen Sie auch: Jan Josef Liefers: "Ein Leben ist kein Lego-Baukasten"

Die 10.000 Stimmen, die Kunden über die Lego-Ideenwebseite sammeln müssen, bevor der dänische Spielzeugkonzern diese intern diskutiert und unter Umständen umsetzt, hatte das Vater-Sohn-Duo zusammenbekommen. Trotzdem lehnte der Konzern die Idee ab. Als Begründung gab Lego kommerzielle Gründe an.

Lego nutzt Spielzeug-Idee während MacRae überlebt

Doch jetzt – kaum fünf Jahre später – brachte der Spielzeughersteller eine ganz ähnliche Idee dann doch noch auf den Markt. Womit die Dänen unter Umständen nicht rechneten: Damien MacRae ist nach wie vor am Leben und wehrt sich nun gegen das Verhalten der Firma. "Damals dachte ich, ich habe nur noch acht bis zwölf Wochen zu leben", berichtete er im Telefoninterview. Doch dann sei er ausgewählt worden, an einem Pilotprojekt für eine Immuntherapie teilzunehmen. Diese hemmt seitdem das Wachstum neuer Tumore. "Ich bin nicht geheilt, aber ich sollte damit ein relativ normales Leben führen können", sagte der Australier.

MacRae erinnert sich noch gut an den eigenen Vorschlag, der aufgrund der Idee seines Sohnes entstanden war, und stellte mit Erstaunen fest: Der neue Lego-Strand ähnelt der Version, die er einst mit seinem Sohn eingereicht hat. So beinhaltet das neue Produkt ebenfalls eine Station für die Rettungsschwimmer in den Farben gelb und rot, aufrecht stehende Surfbretter, Meerestiere und einen Mülleimer.

Anwalt MacRae: Eine Copyright-Klage hätte wenig Chancen

Andere Elemente, die den MacRaes jedoch wichtig gewesen wären, fehlen dagegen: Und zwar genau die Aspekte, die zeigen, dass man sich am Strand vor der Sonne schützen muss: mit Sonnencreme oder einem Hut beispielsweise. "Lego hat genau so viele Aspekte geändert, dass sie keine Copyright-Klage kriegen können", sagte MacRae. Der Australier kennt sich aus – er ist selbst Anwalt und auf Urheberrecht spezialisiert. "Ich selbst hätte ihnen genau zu den Änderungen geraten, die sie vorgenommen haben", meinte er.

MacRae betont, dass es ihm bei seinem Streit mit Lego nicht ums Geld geht, sondern rein um eine Anerkennung seiner Idee und die Botschaft, sicher in der Sonne" zu sein. Dass Lego darauf keinen Wert zu legen scheint, sei ihm unverständlich, meinte der Australier. Schließlich fordere Hautkrebs nicht nur in Australien, sondern auch im Lego-Heimatland Dänemark und in Deutschland – einem wichtigen Markt für den Spielzeughersteller – viele Opfer.

"Sogar die dänische Kronprinzessin Mary, die aus Australien stammt, hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben", berichtete er. Die Botschaft, die seine Krankheit und sein Engagement für den Sonnenschutz vermittelt, hätte in seinen Augen gut dazu gepasst. MacRae gesteht, dass er "enttäuscht und verärgert" ist über das Verhalten der Dänen – auch wenn er nach wie vor Lego-Fan sei.

Lego: Konzern verteidigt Spielzeug-Set

Vonseiten von Lego ist man sich jedoch keiner Schuld bewusst: Auf eine Anfrage reagiert der Konzern schnell und schreibt, dass das neue Produkt mit dem Namen "Lego City Beach Lifeguard Safety" von den Lego-Designern entwickelt wurde und von den "lustigen Aktivitäten inspiriert" sei, die Kinder gerne am Strand machen.

Strand- und Küstenthemen seien seit 1989 regelmäßig in Lego-Produkten zum Einsatz gekommen und einige der Elemente, die in diesem Set enthalten seien, wie eine Strandlandschaft, Palmen, Rettungsschwimmer-Accessoires und Surfutensilien seien ganz einfach Teil einer vertrauten Strandszene.

"Da dieses Set von Lego-Designern als Fortsetzung der Sets zum Thema Strand entwickelt wurde (...), haben wir Damien und Aiden nicht gutgeschrieben", hieß es in der E-Mail des Konzerns. Gleichzeitig äußerte eine Sprecherin aber auch ihre Freude darüber, dass Damien "seine Krankheit überlebt hat" und schrieb, "wir waren wirklich bewegt von Damiens Geschichte, als er 2017 seine Lego-Idee mit seinem Sohn einreichte".

Lego-Streit: Parlament nimmt sich Fall vor

In Australien schlägt die Geschichte jedoch höhere Wellen, als Lego sich dies wahrscheinlich wünscht. Neben Medienberichten in mehreren Tageszeitungen wurde der Copyright-Streit vergangene Woche sogar im australischen Parlament angesprochen. So thematisierte die Abgeordnete Michelle Rowland die Geschichte in einer Rede, in der sie betonte, dass Australien die höchste Rate an Hautkrebs in der Welt habe und es die häufigste Krebsart bei jungen Australiern im Alter von 15 bis 39 Jahren sei.

"Lego ist eine weltbekannte Marke mit der Philosophie, Einfallsreichtum und Kreativität durch Spiel zu fördern", meinte sie. Sie selbst sei gerührt gewesen, wie viel Positivität Damien trotz seiner unheilbaren Diagnose gezeigt habe und wie er das Bewusstsein für die Gefahren von Hautkrebs geschärft habe. Dass Lego es nun leugne, das Design des neuen Produkts von Damiens Vorschlag kopiert zu haben, werfe bei ihr einige Fragen auf: "Ist das ethisch vertretbar? Ist das moralisch?", fragte sie.

Und: "Sieht es für ein Unternehmen gut aus, einem damals Fünfjährigen und seinem krebskranken Vater so eine Idee zu stehlen?" Auf der Webseite von Lego würde doch eigentlich stehen, dass "Fürsorge" zu den Schlüsselwerten des Unternehmens gehöre. Und in diesem Fall ginge es ja rein um einen Mann und seinen Sohn, die in einer der schwierigsten Zeiten ihres Lebens einfach nur anderen helfen wollten.