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Alfons Schuhbeck: Wie der Starkoch so tief fallen konnte

| Lesedauer: 4 Minuten
Cordula Dieckmann und Jonas Erlenkämper
Verbrennt sich Alfons Schuhbeck gerade die Finger? Das Bundesamt für Justiz sitzt ihm wegen fehlender Geschäftsberichte im Nacken, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung, und erst vor wenigen Tagen hat der 72-Jährige Insolvenz angemeldet.

Verbrennt sich Alfons Schuhbeck gerade die Finger? Das Bundesamt für Justiz sitzt ihm wegen fehlender Geschäftsberichte im Nacken, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung, und erst vor wenigen Tagen hat der 72-Jährige Insolvenz angemeldet.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Starkoch Alfons Schuhbeck (72) kämpft mit der Corona-Insolvenz. Zusätzlich hat der Bayer auch noch Ärger mit dem Bundesamt für Justiz.

München.  Er ist der Koch der Promis: Stargastronom Alfons Schuhbeck hat schon Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Queen bekocht, verkauft teure Gewürze und hat Dutzende Kochbücher veröffentlicht. Es gibt kaum etwas, das der geschäftstüchtige Oberbayer nicht zu Geld gemacht hat. Doch nun geht es Schuhbeck an den Kragen, dem 72-Jährigen droht ein steiler Absturz.

Das Bundesamt für Justiz geht gegen den aus TV-Shows wie der ZDF-„Küchenschlacht“ bekannten Schuhbeck vor. Denn der sendungsbewusste Großgastronom hat seit 2017 keine Geschäftsberichte mehr veröffentlicht.

Da dies gegen die im Handelsgesetzbuch für mehrere Arten von Unternehmen vorgeschriebene Offenlegungspflicht verstößt, hat die Bonner Behörde Ordnungsgeldverfahren eingeleitet, wie sie nun mitteilte. Schuhbeck rückt immer weiter in den Fokus der Behörden: Er kämpft zudem mit Insolvenz und Steuerermittlungen.

Schuhbeck: Es fehlen die Geschäftszahlen für 2017, 2018 und 2019

Die fehlenden Geschäftszahlen könnten den Koch teuer zu stehen kommen. Unter anderem fehlen im Bundesanzeiger die Bilanzen der „Schuhbeck’s Holding GmbH & Co. KG“ und „Schuhbeck’s Partyservice GmbH und Co. KG“ für die Jahre 2017, 2018 und 2019. Das Ordnungsgeld beträgt im Regelfall mindestens 2500 Euro und höchstens 25.000 Euro. Bei Schuhbeck könnte mittlerweile eine beträchtliche Summe zustande gekommen sein.

„Bei fortgesetzter Weigerung werden die Ordnungsgeldandrohungen sowie Ordnungsgeldfestsetzungen so lange wiederholt und hinsichtlich der Ordnungsgeldhöhe gesteigert, bis das Unternehmen seine Offenlegungspflicht erfüllt hat“, erklärte eine Sprecherin des Bundesamts. Konkrete Summen nennt die Behörde nicht.

Erst am vergangenen Wochenende hatte Schuhbeck Insolvenz angemeldet

Der Koch hatte erst am vergangenen Wochenende Insolvenz angemeldet, was bedeutet, dass er zahlungsunfähig ist. Betroffen sind seine Restaurants am Platzl in Münchens Innenstadt – dort, wo auch das berühmte Hofbräuhaus steht – und sein Partyservice. Die Schuld gibt Schuhbeck der Coronakrise, weil „die vollmundig angekündigten Staatshilfen bei mir bis heute ausgeblieben sind“.

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Bis zuletzt habe er darauf gehofft und private Gelder in sein Unternehmen gesteckt, so Schuhbeck in einer Mitteilung. „Doch jetzt ist Schluss.“ Hat er wirklich keine Finanzhilfen erhalten? Das bayerische Wirtschaftsministerium äußert sich nicht konkret zu diesem Einzelfall, betont aber, dass alle Berechtigten finanzielle Hilfe bekommen haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung

Nach eigenen Angaben ist Schuhbeck, der vor seiner Kochkarriere eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker absolvierte, Arbeitgeber für 50 Beschäftigte. Er betreibt in München neben etlichen Restaurants eine Eisdiele, einen mehrstöckigen Gewürzladen, ein Tee- und Schokoladengeschäft sowie eine Kochschule. Außerdem ist er seit 1993 in der BR-Sendung „Schuhbecks“ zu sehen.

Laut Mitteilung hofft er, seinen Gewürzhandel und sein Beratungsgeschäft retten zu können: „Ich will weitermachen, und vielleicht ist die Insolvenz sogar eine Chance.“

Für den Fernsehbrutzler kommt es immer dicker: Aktuell ermittelt außerdem die Staatsanwaltschaft München I gegen ihn. Der Mannschaftskoch des FC Bayern München steht seit Mitte 2019 im Verdacht, Steuern in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro hinterzogen zu haben. Bereits 1994 wurde er wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe von 250.000 Mark verurteilt.

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Promis stehen hinter dem gebürtigen Traunsteiner

Trotzdem stärken Vertreter der Münchener Prominentenszene dem gebürtigen Traunsteiner den Rücken. „Es bedrückt mich sehr, dass Alfons jetzt in dieser nicht einfachen Situation ist“, sagte der Schauspieler Elmar Wepper (77) der „Bild“-Zeitung. Schuhbeck sei ein zuverlässiger Freund, auch in der Not. „Ich halte ihm die Treue“, so Wepper. Moderatorin Verena Kerth (40) zeigte sich zuversichtlich: „Alfons ist ein Kämpfer. Ich weiß, er hat die Kraft, sein Lebenswerk fortzusetzen.“

Wie es mit Schuhbeck weitergeht, wird sich zeigen. Er will keinesfalls aufgeben. Über seine Anwälte teilte er mit: „Ich habe schon viele Krisen überstanden, mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden wir auch die Insolvenz meistern.“