Pandemie

Corona: Vierte Welle erwartet - Lockdown im Herbst?

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Angela Merkel und Jens Spahn zur aktuellen Corona-Lage

Angela Merkel und Jens Spahn zur aktuellen Corona-Lage

Momentan sind die Infektionszahlen niedrig. Trotzdem will die Regierung an den Corona-Maßnahmen festhalten, damit die hochansteckende Delta-Variante sich nicht stark ausbreitet.

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Die Wissenschaft rechnet mit einer vierten Corona-Welle in Deutschland - trotz der Impfquote. Welches Szenario wahrscheinlich ist.

Berlin. 
  • Nach wochenlangem Rückgang steigen die Corona-Zahlen auch in Deutschland wieder
  • Laut einem Modell von Berliner Forschern rollt die nächste Corona-Welle an
  • Droht ein neuer Lockdown?

Die Corona-Pandemie ist wohl noch lange nicht vorbei. Seit einiger Zeit steigt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder an. Dass es wieder einen Lockdown geben könnte, möchte sich niemand ausmalen, schließlich findet gerade erst eine schrittweise Rückkehr zur Normalität statt. Eine Forschungsgruppe der Technischen Universität Berlin (TU) ist allerdings anhand von Modellierungen zum Ergebnis gekommen: Im Herbst gibt es hierzulande höchstwahrscheinlich eine vierte Welle.

"Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten", steht es im neuen Bericht der Gruppe um den Mobilitätsforscher Kai Nagel an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. "Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen, und sich im Oktober dann nochmal verstärken."

Forschungsgruppe: Vierte Welle bliebe nur bei sehr hoher Impfquote aus

Dass die Sieben-Tage-Inzidenzen erneut steigen, betrachtet das Team wegen hohen relativen Zunahmen als "beunruhigend". In den Simulationen bliebe eine vierte Welle nur dann aus, wenn die Corona-Impfungen gegen die Delta-Variante deutlich besser wirkten als derzeit bekannt - oder bei einer Impfquote von 95 Prozent.

Das Modell ergebe "unter allen derzeit realistisch erscheinenden Bedingungen eine vierte Welle bei den Erwachsenen, welche mit der Verlagerung von Aktivitäten in Innenräume im Herbst verstärkt werden wird."

Bei Schulöffnungen auf Lüftungssysteme und Tests setzen

Lüftungssysteme und flächendeckender Einsatz von Schnell- und/oder PCR-Tests könnten die Infektionsdynamik verringern, wie die Simulationen zu Schulen laut dem Bericht zeigen. Würden solche Maßnahmen konsequent umgesetzt, seien Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig, hieß es. Die derzeit typischen zwei Schnelltests pro Woche hält die Forschungsgruppe ohne zusätzliche Maßnahmen nicht annähernd für genügend.

Würden die Schulen nach den Sommerferien ohne Schutzmaßnahmen geöffnet, ergäbe sich laut Modell eine Infektionswelle bei den Schülerinnen und Schülern, die zu einer Welle bei Erwachsenen führe. Umgekehrt führe eine Infektionswelle bei Erwachsenen auch zu mehr Ansteckungen bei Schulkindern. Auch interessant: Corona-Lage eskaliert: Droht vorzeitiges Saisonende auf Mallorca?

Die Wissenschaft kennt verschiedene Ansätzen für Covid-19-Simulationen. Diese beruhen auf bestimmten Annahmen und sind mit Unsicherheiten behaftet. Das Team um Professor Nagel nutzt anonymisierte Berliner Mobilfunkdaten, um das Infektionsgeschehen zu modellieren. Die Ergebnisse sind dem Forscher zufolge mindestens auf andere Großstädte übertragbar.

Altmaier: Erneuten Lockdown verhindern

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich gegen einen erneuten Lockdown ausgesprochen. "Wir müssen und werden einen neuen Lockdown verhindern", sagte er der "Bild am Sonntag". "Solange keine Überlastung des Gesundheitssystems droht, gibt es keinen Grund für neue Maßnahmen oder gar einen Lockdown", so der Politiker.

Geimpfte oder Jüngere hätten bei einer Infektion meist gar keine Symptome, erklärte Altmaier weiter. Auch die Kapazität der sei weit von ihrer Auslastungsgrenze entfernt.

(raer/dpa)