Ehe-Aus

Warum die Scheidung richtig teuer für Bill Gates werden kann

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Dirk Hautkapp
Microsoft-Gründer, Familienvater und Milliardär Bill Gates

Microsoft-Gründer, Familienvater und Milliardär Bill Gates

Bill Gates gehört zu den reichsten Männern der Welt. Jetzt lässt er sich von seiner Frau Melinda Gates scheiden. Das steckt hinter dem Microsoft-Gründer.

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Privat läuft es nicht mehr beim Gates-Ehepaar. Falls es bei der Stiftung knirschen sollte, könnte das für Bill Gates sehr teuer werden.

Washington. Als sie Anfang Mai den Systemabsturz ihrer Ehe bekanntgaben, zogen Microsoft-Mitgründer Bill Gates und seine künftige Ex-Frau Melinda French Gates zwischen Privatem und Beruflichem eine Brandmauer: "Wir glauben nicht mehr, dass wir gemeinsam als Paar in der nächsten Phase unseres Leben wachsen können", erläuterten die Multi-Milliardäre etwas gestelzt den Grund für die vorzeitige Beendigung des Lebensbundes.

Das neben zwei leiblichen Töchtern und einem Sohn gemeinsam behütete "vierte Kind", die weltweit finanzstärkste Wohltätigkeitsstiftung, die beharrlich gegen Seuchen, Benachteiligung von Frauen und Klimawandel aninvestiert, war von dem Split ausgenommen. Jetzt wird aber auch hier eine Exit-Strategie erkennbar, die Bill Gates am Ende zweistellige Milliardensummen kosten könnte.

Gates-Scheidung: Exit-Strategie im Kleingedruckten

Der ehemaliger Computer-Unternehmer (65) und seine Gattin (56) versicherten im Frühjahr einer irritierten Öffentlichkeit, dass die von Melinda French Gates unter anderem wegen Untreue-Vorwürfen auf den Weg gebrachte Scheidung nicht mit dem Philantrophischen kollidieren werde: "Wir teilen weiterhin den Glauben an diese Mission und werden weiter in der Stiftung zusammenarbeiten", hieß es in einer offiziellen Erklärung.

Inzwischen sind Wochen ins Land gegangen. Und damit auch etliche Medien-Berichte, die Bill Gates` außereheliche Aktivitäten und diverse andere Fehltritte und innereheliche Spannungen beleuchteten. Was offenbar die Atmosphäre zwischen den Stiftungs-Oberen zusätzlich verschattet. Und zwar so, dass nun ein Deal geschlossen wurde, der für den Fall der Fälle auch eine berufliche Trennung vorsieht.

Das Kleingedruckte: Falls sich Bill und Melinda French Gates in den kommenden zwei Jahren über die Ziele und Wege ihrer ebenso segensreichen wie umstrittenen Arbeit nicht mehr verständigen können, kann er sie aus der bisher gemeinsam geführten Stiftung de facto herauskaufen. Melinda Gates würde dann ihren Posten als Co-Vorsitzende niederlegen und dafür stattlich kompensiert.

Eine entsprechende Notiz hat der Geschäftsführer der Stiftung, Mark Suzman, jetzt an die weltweit 1700 Mitarbeiter verschickt. Käme es zum Crash, fügte der ehemalige Finanz-Journalist hinzu, würde Melinda Gates von ihrem Ex-Ehemann in spe "persönliche Mittel” zur Verfügung gestellt bekommen, um ihre eigene Wohltätigkeitsarbeit etwa in der Stiftung "Pivotal Ventures” fortzusetzen, die sich auf die Förderung von Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern in allen Lebenslagen konzentriert.

Gates-Scheidung: Summen werden nicht genannt

Summen wurden in dem Mitarbeiter-Brief nicht genannt. Aber man kann sich die Dimension vorstellen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie hoch das Grundkapital der Stiftung inzwischen geworden ist: um die 50 Milliarden Dollar. Diese Summe ist von den Gates` just um weitere 15 Milliarden US-Dollar aus dem beiderseitigen Privatvermögen aufgestockt worden. Mit dem Ziel, die Arbeit der Stiftung zu verstetigen, wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt.

Über die Verwendung der global einzigartig üppigen Mittel soll künftig ein neu sortiertes und erweitertes Aufsichtsgremium wachen. Der Schritt wurde notwendig, weil die Investoren-Legende Warren Buffett, privat ein guter Freund von Bill Gates, sich vor Kurzen aus dem Kuratorium der "Bill and Melinda Gates Foundation” zurückgezogen hat, der er bis heute knapp 33 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt hatte. Damit saßen nur noch Bill und Melinda French Gates im Kuratorium.

Künftig, so die Gates`, soll der Verwaltungsrat breiter und bunter angelegt werden, um zusätzliche "Perspektiven” zu eröffnen. Namen werden erst im Januar nächsten Jahres offiziell.

Die Aufstockung des Grundkapitals um 15 Milliarden Dollar erhöht den Druck auf die Gates`, noch mehr Geld zu spenden. Nach den Steuervorgaben der US-Finanzbehörde IRS müssen danach 3,25 Milliarden Dollar in diesem Jahr für wohltätige Zwecke verteilt werden. Eine Grundvereinbarung der Stiftungsgründer sieht zudem unverändert vor, dass 20 Jahre nach dem Tod von Bill und Melinda Gates das komplette Stiftungskapital aufgebraucht sein muss.